ABC - Vorsorge

Altersguthaben

Das Altersguthaben ist ein Begriff aus der Welt der 2. Säule. Es setzt sich aus Sparbeiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie den Zinsen zusammen, die sich Jahr für Jahr summieren. 


Altersgutschriften

Die Sparbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in der 2. Säule heissen Altersgutschriften. Sie berechnen sich vom versicherten Lohn, auch koordinierter Lohn genannt. Das Gesetz sagt, wie hoch die Altersgutschriften in Prozent des koordinierten Lohns im Minimum betragen müssen. Die Prozentsätze steigen mit zunehmendem Alter. Der Arbeitgeber muss mindestens so viel beisteuern wie der Arbeitnehmer. 

 

Achtung: Neben den Altersgutschriften werden vom Lohn auch noch Prämien für Invalidität und Tod in Abzug gebracht.

 


Autonome

Pensionskasse

Betriebseigene Vorsorgeeinrichtungen, wie sie die meisten grossen Unternehmen führen.

 


Deckungsgrad

Der Deckungsgrad einer Pensionskasse hat nicht die Bedeutung, wie man das aufgrund seiner Medienpräsenz meinen könnte. Beträgt der Deckungsgrad 100 Prozent, ist die Vorsorgeeinrichtung voll ausfinanziert. Sie ist theoretisch in der Lage, heute und in Zukunft all ihren Verpflichtungen nachzukommen. Liegt der Deckungsgrad über 100 Prozent, verfügt die Vorsorgeeinrichtung über Schwankungsreserven. Sie sollen Kursschwankungen an den Finanzmärkten auffangen. Der Deckungsgrad ist abhängig vom technischen Zins. Er spiegelt die durchschnittlich erwartete Rendite auf dem Vermögen für die nächsten zwanzig Jahre. Es ist also ein Schätzwert. Deshalb ist auch der Deckungsgrad ein Schätzwert. Wird der technische Zins gesenkt, reduziert sich automatisch auch der Deckungsgrad. 


Deckungslücke

Die Differenz zwischen dem vorhandenden Kapital und dem Kapital, das für die Deckung sämtlicher Verpflichtungen nötig ist.


Freizügigkeitskonto

Wer seine Stelle aufgibt und kein Anstellungsverhältnis mehr eingeht, muss das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto einer Bank überweisen. Sobald man sich wieder anstellen lässt und via Pensionskasse versichert ist, muss das Freizgügigkeitskonto aufgelöst und das Geld der neuen Vorsorgeeinrichtung überwiesen werden.

 

Das Geld auf dem Freizügigkeitskonto kann man sich frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter auszahlen lassen. Gestaffelte Bezüge sind nicht erlaubt. Das Freizügigkeitskonto zahlt keine Rente.

Es gibt drei Möglichkeiten, um sich das Freizügigkeitsguthaben vorzeitig auszahlen zu lassen:

- Finanzierung von selbstbewohntem Eigentum

- Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit

- Auswanderung

 


Koordinationsabzug

Gemäss dem  Dreisäulenkonzept soll die 2. Säule zusammen mit der 1. Säule die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung ermöglichen. Dieses Ziel ist nach den Vorstellungen des Gesetzgebers erreicht, wenn man mit den Renten der AHV (1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (2. Säule) zusammen auf ein Einkommen kommt, das ungefähr 60 Prozent des letzten Bruttoerwerbseinkommens entspricht. Mit dem Koordinationsabzug werden die Renten der AHV und der Pensionskasse koordiniert. Das heisst, die Pensionskasse reduziert den anrechenbaren Jahreslohn um den Koordinationsabzug. 

Ursprünglich entsprach der Koordinationsabzug der Höhe einer maximalen einfachen AHV-Rente. Um tiefere Einkommen zu begünstigen, wurde der Koordinationsabzug vor ein paar Jahren auf 87,5 Prozent der maximalen AHV-Rente beschränkt. 2017 beträgt der Koordinationsabzug 24'675 Franken. 

Besonders geprellt sind Teilzeitbeschäftigte; häufig Frauen: Bei ihnen wird oft der gesamte Abzug von 24'675 Franken vorgenommen. Ebenfalls geprellt sind Doppelverdiener mit Erziehungspflichten. Wenn Mutter und Vater je zu 50 Prozent erwerbstätig sind, wird auf dem gemeinsamen Einkommen zweimal der volle Betrag von 24'675 Franken in Abzug gebracht. Fortschrittliche Pensionskassen passen den Koordinationsabzug dem Pensum an. 

 


Leistungsprimat

Bei Vorsorgeeinrichtungen mit Leistungsprimat berechnet sich die Höhe der Vorsorgeleistung in Prozent des versicherten Lohnes.


Mindestzins

Das Bundesgesetz für die berufliche Vorsorge (BVG) schreibt vor, dass das BVG-Altersguthaben der Versicherten mit einem Mindestzinssatz verzinst werden muss. Der Mindestzinssatz wird vom Bundesrat festgelegt. Für 2017 hat er ihn von 1,25 auf 1 Prozent gesenkt. Er berücksichtigt dabei die Entwicklung der Rendite marktgängiger Anlagen, insbesondere der Bundesobligationen, sowie zusätzlich der Aktien, Anleihen und Liegenschaften. 


Paritätisches Organ

Mit paritätisch zusammengesetztem Organ ist der Stiftungsrat gemeint. Er besteht aus gleich vielen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. Doch häufig ist diese Parität eine Farce. Arbeitnehmer machen sich beim Arbeitgeber unbeliebt, wenn sie gegen seine Interessen votieren. In gewissen Fällen ist das Präsidium einem Arbeitgebervertreter vorbehalten, der dann bei Stimmengleichheit den Stichentscheid hat.

 


Sammelstiftung

Vorsorgeeinrichtung, bei welchen sich kleinere und mittlere Unternehmen für die berufliche Vorsorge anschliessen können. Sie kann im Unterschied zum Vollversicherungsmodell der Lebensversicherer in eine Unterdeckung geraten.

 


Überobligatorisch

Liegen die angesparten Beiträge oder der versicherte Lohn über dem gesetzlichen Minimum, entstehen dadurch überobligatorisch angesparte Guthaben. Überobligatorisch sind ausserdem auch jene gutgeschriebenen Kapitalerträge, die über dem Mindestzins liegen.

 


Umwandlungssatz

Mit dem Umwandlungssatz wird das individuelle Pensionskassenkapital, auch Alterskapital genannt,  in eine Rente umgewandelt. Bei einem Kapital von 100'000 Franken und einem Umwandlungssatz von 6 Prozent beträgt die jährliche Rente 6000 Franken.


Vollversicherung

Die Lebensversicherungen bieten ihren Kunden Garantien, wie sie von Sammelstiftungen nicht geboten werden. Der Deckungsgrad kann nicht unter 100 Prozent fallen. 


Wohneigentums-

finanzierung

Die in der 2. Säule angesparten Guthaben sind für die Vorsorge bestimmt. Sie können je nach Reglement frühestens mit Alter 58 bezogen werden. Es gibt Ausnahmen: Eine davon ist die Finanzierung von selbst bewohntem Eigentum.

Ursprünglich waren die Möglichkeiten der Verwendung von Geldern aus der beruflichen Vorsorge für den Erwerb von Wohneigentum im Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) stark eingeschränkt. Der Gesetzgeber wollte dies ändern. So trat 1995 das «Bundesgesetz über die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge» in Kraft. Nach dem Wohneigentumsförderungsgesetz können Vorsorgegelder für den Erwerb von Wohneigentum vorzeitig bezogen werden. Bis Alter 50 kann die gesamte Freizügigkeitsleistung vorbezogen werden. Ab Alter 50 gibt es Einschränkungen, beschrieben in Artikel 5 der Verordnung. Sie sind derart kompliziert formuliert, dass hier auf eine Erklärung verzichtet wird.

Der Vorbezug ist nur möglich, wenn die Wohnung oder das Haus selbst bewohnt wird. Es gilt nicht für Mietshäuser und nicht für Ferienwohnungen.


Claude Chatelain