Ratgeber - ABC - Versicherungen

Abnehmende

Versicherungssumme

Die Risiko-Todesfallversicherung kommt normalerweise mit einer konstanten Todesfallsumme daher. Häufig ist aber eine abnehmende Versicherungssumme vorzuziehen., nimmt doch die Notwendigkeit des Versicherungsschutzes mit zunehemdem Alter ab. Die Prämien sind abhängig vom Alter, der Rauchergewohnheit und der Anzahl der Jahre, in welchen eine Prämie geschuldet wird.


Einfacher Diebstahl

auswärts

Ein Diebstahl ist nicht einfach ein Diebstahl: Es gibt den Einbruchdiebstahl, Entreissdiebstahl, Taschendiebstahl sowie den einfachen Diebstahl. Wird die Sache ausserhalb der Wohnung geklaut, spricht die Fachwelt von einem einfachen Diebstahl auswärts. Diese Deckung ist nicht automatisch via Hausratspolice versichert, wird aber meistens im Rahmen dieser Police abgeschlossen. Laut Angaben von Versicherern haben über 80 Prozent der Inhaber einer Hausratspolice den einfachen Diebstahl auswärts mitversichert.

 

Braucht man diesen Versicherungsschutz wirklich? Man überlege sich, was einem unterwegs gestohlen werden könnte. Eine Antwort liefert die Schadensstatistik der Sachversicherer: Über 50 Prozent der gemeldeten Diebstähle sind Fahrräder, Ski oder Snowboards. Wer über keine solchen Sachen verfügt, muss sich gut überlegen, ob er diesen Versicherungsschutz wirklich braucht.

 

Hinzu kommt, dass pro gestohlene Sache ein Selbstbehalt von 200 Franken zu berappen sind, damit nicht jeder gestohlene Regenschirm gemeldet wird. Zudem wird ein Polizeirapport verlangt. Und letztlich ist die maximale Deckung auf wenige tausend Franken beschränkt.


Elementarschaden

Elementarschaden

Was unter einem Elementarschaden zu verstehen ist, steht im Gesetz: Hochwasser, Überschwemmung, Sturm, Hagel, Felssturz, Erdrutsch, Schneedruck, Lawine und Steinschlag. Die Aufzählung ist abschliessend. Ein Feuerschaden ist damit kein Elementarschaden, wird aber durch dieselbe Versicherung gedeckt, durch die Feuer- und Elementarschadenversicherung.

 

Hausbesitzer im Kanton Bern müssen ihre Liegenschaft obligatorisch gegen Feuer- und Elementarschäden versichern. Sie können dies nur bei der kantonalen Gebäudeversicherung tun.

 

Insbesondere bei Wasserschäden ist die Definition der Elementarschäden zentral. Nicht jeder Wasserschaden ist auf ein Elementarereignis zurückzuführen. Ist der Schaden durch einen Rückstau in der Kanalisation, durch ein Leck in der Wasserleitung oder durch das Überlaufen der Badewanne entstanden, wird die Gebäudeversicherung für dessen Behebung nicht aufkommen. Für solche Risiken ist eine private Gebäudewasserversicherung abzuschliessen.


Fondsgebundene

Sparversicherung

Sparversicherungen gibt es grundsätzlich auf zwei Arten: klassisch und fondsgebunden. Bei der klassischen Variante fliesst der Sparteil ins Wertschriftenportefeuille des Versicherers. Hier garantiert der Versicherer nicht nur ein Todesfall-, sondern auch ein Erlebensfallkapital. Dieses wird bei Ablauf des Vertrages ausbezahlt, sofern der Versicherungsnehmer nicht vorher verstorben ist. Zusätzlich zu diesem garantierten Erlebensfallkapital werden noch Überschüsse ausbezahlt. Die Höhe dieser Überschüsse sind von diversen Faktoren abhängig und für den Versicherten völlig intransparent.

 

Gerade wegen dieser mangelnden Transparenz der Überschüsse sind die fondsgebundenen Lebensversicherungen in Mode gekommen. Hier fliesst die Sparprämie nicht ins Anlageportefeuille des Versicherers, sondern in einen bestimmten Anlagefonds. Der Vorteil dieser Variante: Man kann die Kursentwicklung der Fondsanteile beobachten. Der Nachteil: Bei fondsgebundene Lebensversicherungen ist die Höhe des Erlebensfallkapitals nicht garantiert.

 

In der Zwischenzeit haben die Versicherer auch diesen Nachteil behoben und bieten mehr und mehr fondsgebundene Lebensversicherungen mit garantiertem Erlebensfallkapital an. Die Garantien sind jedoch  bescheiden.


Konkursprivileg

Im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) steht, dass der Versicherungsanspruch des Begünstigten der Zwangsvollstreckung nicht unterliegt. Wer also in Konkurs geht, wird froh sein, wenn bei einer Versicherungsgesellschaft noch Guthaben liegen, auf die der Konkursverwalter keinen Zugriff hat. Das gilt insbesondere für Selbstständigerwerbende und Inhaber von Einzelfirmen. Denn sie haften nicht nur mit dem Geschäftsvermögen, sondern ebenfalls mit ihrem gesamten Privatvermögen. Dank dem Konkursprivileg ist die Vorsorge der Familie nicht völlig im Eimer.

Achtung: Im Gesetz steht ausdrücklich, dass das Konkursprivileg nur für Ehepartner und Nachkommen gilt. Wird also in der Lebensversicherung zum Beispiel der Konkubinatspartner begünstigt, ist das Konkursprivileg ausser Kraft. In diesem Fall fliesst der Rückkaufswert der Sparversicherung in die Konkursmasse.

Versicherungsverkäufer brauchen das Konkursprivileg häufig als Verkaufsargument, um dem Kunden eine Sparversicherung schmackhaft zu machen, auch gemischte Versicherung genannt. Gemischt deshalb, weil solche Produkte nicht nur einen Todesfallschutz, sondern auch einen Sparteil enthalten. Dieser wird vor der Pensionierung, häufig mit Alter 60, ausbezahlt. Und dieser Sparteil ist eben dank dem Konkursprivileg gesichert. In manchen Fällen ist es nicht zweckmässig, allein wegen des Konkursprivilegs eine gemischte Versicherung mit einer langen Laufzeit abzuschliessen. Finanzplaner raten daher häufig zur Gründung einer GmbH. Mit einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung kann man das Privatvermögen noch besser schützen als mit einer gemischten Versicherungspolice. Bei der GmbH haftet die Firma nur mit dem eingesetzten Kapital. Das Privatvermögen des Besitzers wird hingegen bei einem Konkurs nicht angetastet.


Kapitalversicherung

Auch Spar- oder gemischte Versicherung genannt. Nach Ablauf der Laufzeit wird die Erlebensfallleistung plus allfälliger Überschussanteile an den Versicherten ausbezahlt. Beim Tod während der Laufzeit wird die Todesfallsumme an die Begünstigten ausbezahlt.


Leibrente

Rentenversicherungen funktionieren nach einfachem Muster: Man bezahlt der Versicherungsgesellschaft eine Prämie und erhält dafür bis ans Lebensende eine Rente ausbezahlt. Die Branche nennt solche Produkte Leibrenten.

Einfach ist das Prinzip, komplizierter sind dagegen die verschiedenen Formen: Man kann

- die Prämie auf einen Schlag oder gestaffelt überweisen;

- die erste Rente sofort oder erst in späteren Jahren beziehen;

- die Versicherung auf ein oder auf zwei Leben abschliessen;

- die Versicherung mit oder ohne Rückgewähr haben. Bei der Variante «mit Rückgewähr» wird beim Tod das verbleibende Kapital den Erben ausbezahlt.

Rentenversicherungen kommen in der Offerte mit einer garantierten Rente und nicht garantierten Überschüssen daher. Gut beraten ist, wer nur auf die garantierten Leistungen baut. Denn Überschüsse werden häufig gekürzt, manchmal auch gestrichen. Wie weit Überschüsse gekürzt werden, hängt vom Anlageerfolg der Versicherungsgesellschaft ab.

Die Leibrente ist nur zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern, derweil AHV- und Pensionskassenrenten zu 100 Prozent versteuert werden müssen.


Moral Hazard

Moral Hazard  beschreibt  die Gefahr, dass ein Vertragspartner dank eines Vertrags grössere Risiken eingeht als wenn er keinen Vertrag hätte. Typische Beispiele gibt es bei den Versicherungen: Der Versicherungsnehmer ist vor finanziellem Risiko geschützt und geht deshalb ein grösseres Risiko ein, als wenn er den allfälligen Schaden selber tragen müsste.
Auch in der Krankenversicherung spricht man von Moral Hazard: Solange die Solidargemeinschaft der Krankenversicherung für die Behandlungskosten aufkommt, fehlt zumindest aus finanzieller Sicht der Anreiz, risikoreiche Freizeitbeschäftigungen oder eine ungesunde Lebensweise einzuschränken. Gesundheitsökonomen nenen das Ex-Ante-Moral-Hazard.
 


Prämienbefreiung

Die Prämienbefreiung ist eine Zusatzversicherung bei Sparversicherungen. Wird der Versicherungskunde aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig, wird er von der Prämienzahlung befreit. Das heisst, die Versicherung zahlt an seiner Stelle die Prämie, und er bleibt damit gegen Tod versichert und wird bei Vertragsschluss das garantierte Erlebensfallkapital ausbezahlt erhalten.

Nicht zu verwechseln ist die Prämienbefreiung mit der Prämienfreistellung.


Prämienfreistellung

Bei Sparversicherungen kann der Versicherungskunde die Prämie auf Wunsch auch freistellen. Das heisst, man zahlt keine weitere Prämie mehr. Und das Geld, das bisher bei der Versicherung für den Sparprozess angelegt wurde, wird zum technischen Zins verzinst. Massgebend ist dabei nicht der technische Zins, der bei Neuabschlüssen gilt. Es gilt der technische Zins beim Abschluss des Vertrages, der unter Umständen höher liegt. Durch die Prämienfreistellung einer Versicherung wird die Versicherungssumme reduziert und alle Zusatzversicherungen erlöschen.

Nicht zu verwechseln ist die Prämienfreistellung mit der Prämienbefreiung.


Rückgewähr

Leibrentenversicherungen kann man mit oder ohne Rückgewähr abschliessen.  Bei Rückgewähr  wird beim Ableben des Versicherten das noch nicht verbrauchte Kapital den Erben zurückerstattet. Dieses sogenannte Rückgewährskapital setzt sich aus den Einzahlungen des Versicherungsnehmers abzüglich bereits geleisteter Renten und abzüglich des Kostenteils zusammen.

Bei Leibrentenversicherungen ohne Rückgewähr bleibt beim Tod das eben definierte Rückgewährskapital bei der Versicherung. Sie zahlt dafür lebenslänglich eine höhere Rente.

80 bis 90 Prozent der Abschlüsse sind ohne Rückgewähr, obschon diese Variante eine bis zu 20 Prozent höhere Rendte abwirft und auch steuerliche Vorteile hat: 

• Auf der Einmalprämie ist bei der Variante mit Rückgewähr eine Stempelsteuer von 2,5 Prozent zu bezahlen, was die Rendite zusätzlich schmälert;

• Wird beim Tod den Erben das Rückgewährkapital ausbezahlt, müssen sie dieses zum Vorsorgetarif als Einkommen versteuern.

• Der Rückkaufswert unterliegt der Vermögenssteuer. Diese Besteurung galt bisher nur für die Aufschubphase. Ab 2013 ist der Rückkaufswert auch dann als Vermögen zu besteuern, wenn die Zahlung der Renten begonnen hat. Dies gilt nur für die Variante mit Rückgewähr. Die Variante ohne Rückgewähr unterliegt nicht der Vermögenssteuer.


Rückkaufswert

Lebensversicherungen, welche auch über ein Sparkapital verfügen – sogenannte gemischte Versicherungen oder auch Sparversicherungen – haben einen Rückkaufswert. Das heisst, man kann sie zurückkaufen.

Auch Rentenversicherungen mit Rückgewähr haben einen Rückkaufswert.


Schadenversicherung

Bei Erwerbsunfähigkeitsversicherungen oder der Krankentaggeldversicheurng wird zwischen dem Summen- und dem Schadenprinzip unterschieden. Bei der Schadenversicherung läufg man Gefahr, dass der Versicherer die versicherte Rentenleistung kürzt. Hier ist nur der effektive Schaden, also der Erwerbsausfall versichert. Ist dieser tiefer als die versicherte Rente, so wird die Rente gekürzt. 

Gerade bei Selbstständigerwerbenden sind Schadenversicherungen mit grossen Makeln behaftet. Krankheiten brechen nicht immer akut aus. Häufig ist der Krankheitsverlauf schleichend. Und nicht selten korreliert der Krankheitsverlauf mit dem Geschäftsgang. Wenn nun das Geschäft während Jahren harzt und sich der Selbstständige nur einen kleinen Lohn auszuzahlen vermag, ist bei einer krankheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit eben nur der entgangene Lohn versichert, falls es sich um eine Schaden- und nicht um eine Summenversicherung handelt. Das ausbezahlte Taggeld wird daher unter Umständen deutlich unter dem vertraglich vereinbarten Wert zu stehen kommen.


Summenversicherung

Inhaber von Erwerbsunfähigkeits- oder Krankentaggeld-Versicherungen sollten wissen, ob sie eine Summen- oder eine Schadenversicherung abgeschlossen haben. Bei der Summenversicherung wird ein bestimmtes Taggeld vereinbart, welches bei Erwerbsunfähigkeit in jedem Fall zu bezahlen ist. Man weiss, mit welchem Taggeld zu rechnen ist.

Bei der Schadenversicherung wird auch ein bestimmtes Taggeld vereinbart, freilich mit dem Vorbehalt, dass der Versicherer das Taggeld kürzen kann, falls die Lohneinbusse kleiner ausfällt. Bei der Schadenversicherung wird also nur der Erwerbsausfall entschädigt.


Unterversicherung

Schlaumeier könnten der Versuchung erliegen, bei der Hausratsversicherung eine Versicherungssumme zu versichern, die unter dem Wert des effektiv vorhandenen Hausrats liegt. Damit liessen sich Prämien sparen, denn je kleiner die Versicherungssumme, desto geringer die Prämie.

Dass nämlich der gesamte Hausrat total zerstört wird, kommt doch eher selten vor, allenfalls bei einem Brand. Und dann gibt es Fälle, bei welchen der Versicherte nicht so sehr an seinem Mobiliar hängt, welches er in der Brocki erstanden hat. Warum also das gesamte Mobiliar versichern, wenn es günstiger auch geht? Wer diese Rechnung macht, macht sie ohne den Wirt beziehungsweise ohne den Schadenexperten der Versicherung. Der Schadenexperte wird eine Unterversicherung geltend machen und nicht den ganzen Schaden ersetzen. Er wird nach der Proportionalregel die Leistung kürzen. Das heisst, er kürzt die Leistung im Verhältnis der Versicherungssumme zum Ersatzwert.

Eine Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme tiefer liegt als der Wert des versicherten Gegenstandes im Zeitpunkt des Schadens, dem sogenannten Ersatzwert.


Claude Chatelain