A/B/C - Finanzen

All-in-fee

Die All-in-fee hat sich als die wichtigste Kennziffer etabliert, um die Kosten eines Anlagefonds zu beurteilen. Denn Anlagefonds enthalten auch unsichtbare, so genannte innere Kosten, die dem Fondsvermögen belastet werden und somit die Rendite schälern. Enthalten in dieser All-in-Fee sind Kosten für:

  • die Verwaltung,
  • den Vertrieb,
  • Gebühren und Kosten für die Bewilligung und die Aufsicht über den Fonds in der Schweiz und im Ausland,
  • Gebühren der Aufsichtsbehörden im In- und Ausland,
  • den Druck der Reglemente und Prospekte sowie der Jahres- und Halbjahresberichte,
  • Preispublikationen und Veröffentlichungen von Mitteilungen an die Anleger,
  • Gebühren, die im Zusammenhang mit einer allfälligen Kotierung des Fonds und mit dem Vertrieb im In- und Ausland anfallen,
  • Kommissionen und Kosten der Depotbank für die Verwahrung des Fondsvermögens, die Besorgung des Zahlungsverkehrs,
  • die Auszahlung des Jahresertrages an die Anleger,
  • Honorare der Revisionsstelle,
  • Werbekosten.

Nicht enthalten in der All-in-Fee sind die Transaktionskosten, also die Courtage, die die Fondsleitung der Bank für Kauf und Verkauf der im Fonds enthaltenen Wertschriften bezahlen muss.


Alpha

Das Alpha ist bei Anlagefonds relevant. Es steht für die risikobereinigte Performance eines Anlagefonds. Gemeint ist die abweichende Wertentwicklung gegenüber einem Vergleichsindex. Ein positives Alpha heisst, dass der Fonds  besser rentiert hat als der Gesamtmarkt. Man spricht auch von einer Überrendite.


Arbitrage

Arbiträr heisst beliebig, willkürlich, nach Ermessen. Wenn aber der Börsianer von Arbitrage spricht, meint er die Ausnutzung unterschiedlicher Preise für denselben Gegenstand zum selben Zeitpunkt an verschiedenen Finanzplätzen. So kann der über schnellste Informationsmittel verfügende Börsianer gelegentlich dieselbe Aktie an der Börse X günstiger erwerben, als er sie zum selben Zeitpunkt an der Börse Y verkaufen kann.


Bärenmarkt

Haben die Börsenkurse seit ihrem Höchstkurs über 20 Prozent verloren, spricht man von einem Bärenmarkt. Häufig fallen die Verluste krasser aus: Von seinem Höchst von 9548 Punkten am 4. Juni 2007 verlor der Swiss Market Index (SMI) bis zum 9. März 2009 über 55 Prozent.


Bärenmarktrallye

Der Begriff Bärenmarktrallye hört sich an wie ein schwarzer Schimmel: Von einem Rallye spricht der Börsianer bei stark steigenden Kursen. Ein Bärenmarkt hingegen steht für eine Marktsituation mit fallenden Kursen. Was stimmt jetzt im Bärenmarktrallye? Steigen oder fallen die Kurse? Die Antwort: Sie steigen kurzfristig und sinken langfristig. Anders gesagt: Die Kurse steigen während eines langfristigen Abwärtstrends. Es ist gewissermassen ein kurzfristiges Aufbäumen während eines abwärtsgerichteten Börsentrends.

Laut Definition darf ein Börsenmarktrallye die vorherige Abwärtsbewegung nicht um mehr als 50 Prozent wieder ausgleichen, sonst spricht man von einem Bullenmarkt – der Börsensituation mit steigenden Kursen.


Beta

Die Risikokennzahl Beta zeigt, um wie viel eine Aktie stärker oder schwächer schwankt als der Gesamtmarkt. Liegt das Beta über 1, so schwankt die Aktie stärker als der Vergleichsindex. Liegt das Beta zwischen 0 und 1, so schwankt die Aktie weniger stark als der Gesamtmarkt. Man kann auch sagen, das Beta bezeichnet die Sensitivität eines einzelnen Titels gegenüber Marktschwankungen.


Bluechips

Bluechips sind grosse, international bekannte Aktiengesellschaften. Sie zeichnen sich an den Aktienmärkten durch eine hohe Liquidität aus. Laut Wikipedia ist die Wortschöpfung auf die Verbreitung von blauen Jetons bei Pokerspielen in Casinos zurückzuführen, da diese stets den höchsten Wert hatten. Häufig wird das «Blue» auch mit dem blauen Blut von Adligen in Verbindung gebracht. So werden Blue Chips auch etwa als «Blaublüter-Aktien» bezeichnet.


Bondfloor

Der Bondfloor ist die untere Grenze, auf die der Wert der Wandelanleihe sinken kann. Diese Grenze wird dann erreicht, wenn der Aktienkurs derart stark sinkt, dass das Wandelrecht praktisch keinen Wert mehr aufweist.


Coco-Bonds

Der Begriff Coco-Bonds ist keine Hommage an Coco Chanel, die legendäre Pariser Modeschöpferin. Coco steht für Contingent Convertible. Im deutschen Sprachraum spricht man von Pflichtwandelanleihen.

 

Coco-Bonds sind als Folge der Finanzkrise von 2008 entstanden. Sie werden in Aktien umgewandelt, sobald die Eigenkapitalquote eines Unternehmens unter einen bestimmten Wert gefallen ist. Damit soll verhindert werden, dass bei einem Crash die Besitzer von Obligationen ungeschoren davonkommen, während der Staat das illiquide Unternehmen mit all seinen Risiken retten muss. Um ein solches Vorgehen zu vermeiden, wie es die Schweiz mit der UBS erlebt hatte, müssen die Geldhäuser in Zukunft schärfere regulatorische Auflagen erfüllen. Zum Teil können sie das mit Coco-Bonds bewerkstelligen.


Contrarian

Beim Contrarian-Ansatz macht man immer das Gegenteil dessen, was die Masse macht. Man kauft Aktien, wenn sie niemand mehr besitzen will. Man verkauft, wenn in der Euphorie selbst Putzfrauen Aktien kaufen.

Der Contrarian-Ansatz ist jedoch nur in extremen Börsenphasen sinnvoll, also nach einer langen Periode steigender Kurse und nach einem abrupten Kurszerfall. Man kann diesen Ansatz nicht dauernd durchhalten, vor allem nicht bei langfristig steigenden Kursen. Permanent antizyklisches Verhalten fordert dem Anleger eine fast unmenschliche Psyche ab.


Derivate

Der Duden übersetzt Derivat mit «abgeleitetes Wort». Sprachwissenschaftlich ist das Wort Schönheit ein Derivat von schön. In der Biologie ist das Derivat ein Organ, das sich auf ein älteres Organ zurückführen lässt. Und in der Chemie ist das Derivat eine Verbindung, die aus einer anderen entstanden ist.

 

Folgerichtig leitet sich auch in der Finanzwissenschaft das Derivat von etwas anderem ab – und zwar von einem Basiswert. Das kann eine Aktie sein oder eine fremde Währung. Bekannte Beispiele sind Optionen oder Futures. So gibt es praktisch auf allen stark gehandelten Aktien auch Optionen. Deren Kurse verändern sich mit dem Aktienkurs, dank einem Hebeleffekt allerdings viel stärker.


Diversifikation

Unter Diversifikation versteht man die Aufteilung des Gesamtvermögens auf unterschiedliche Anlagen wie Aktien, Obligationen, Immobilien oder Geldmarktpapiere – und dies in verschiedenen Währungen und Märkten der Welt. Dies mit dem Ziel, das Risiko auf verschiedene Anlagetypen zu verteilen. Wenn die US-Börse in die Tiefe sackt, verlieren in der Regel alle Aktien rund um die Welt an Wert. Deshalb wird das Risiko nur dann reduziert, wenn die einzelnen Anlagen nicht zu stark voneinander abhängig sind, das heisst, wenn sie nicht vollkommen miteinander korrelieren


Double Dip

Dips kennt man vom Apéro. Solche Dips rufen wiederholt in Erinnerung, wie schlechte Manieren insbesondere VIP-Gäste haben. Dann nämlich, wenn das Dip-Gemüse in die Sauce getaucht, abgebissen und wiederholt eingetaucht wird. Doch vom Knigge-ABC zum Börsen-ABC: Der Double Dip bedeutet ein erneutes Abtauchen der Weltwirtschaft in eine Rezession.

Man könnte Double Dip mit Doppelrezession umschreiben. Wirtschaftsrückgang, kurzer Aufschwung, um wenig später wieder in eine Rezession abzutauchen. Im Liniendiagramm der Konjunkturkurve entspricht dies einem W-förmigen Verlauf.


Eidgenossen

Ein Eidgenosse ist ein durch einen Eid Verbündeter, ein Verschworener. So definiert der Duden diesen Begriff. Spricht der Börsianer vom Eidgenossen, schwingt nichts Nostalgisches mit, allenfalls etwas Bodenständiges: Eidgenossen sind Bundesanleihen. Muss also die Tresorerie des Bundes Geld beschaffen, gibt sie Anleihen heraus, eben Eidgenossen. Investoren kaufen diese Papiere und erhalten dafür einen Zins.

 

Besonders im Fokus ist die zehnjährige Bundesobligation. Sie ist so etwas wie der Leithammel, auf Englisch Bellwether. Deshalb nennen die Amerikaner ihre wegweisende Obligation Bellwether Treasury Bond.

 

Die Renditen des zehnjährigen Eidgenossen – und eben des Bellwether Treasury Bond – gelten als Massstab für langfristige Zinsen. Diesen Massstab brauchen Ökonomen für Wirtschaftsprognosen.


Eurobonds

Mit Eurobonds, auch EU-Anleihen oder Euro-Staatsanleihen genannt, nehmen die EU-Staaten gemeinsam Kredite am Finanzmarkt auf. Sie haften damit gesamthaft für die Rückzahlung und die Zinsen. Interessant sind solche Papiere für wirtschaftlich schwächeren Länder Sie profitieren damit von einem tieferen Zins, wenn nicht nur sie selber, sondern auch die stärkeren Länder des Nordens haften


Forward Pricing

Mit dem Kauf von Fondsanteilen kauft man die Katze im Sack. Der Inhalt, all die im Fonds befindlichen Wertschriften, sind zwar bekannt. Nicht bekannt ist jedoch der Preis, der für den Fondsanteil zu bezahlen ist. Der Preis, der sogenannte Inventarwert, wird am Abend zu den Schlusskursen ermittelt. Zeichnet man am Mittag Fondsanteile, weiss man nicht, wie sich die Kurse bis zum Abend entwickeln werden. Dieser Mechanismus nennt man Forward Pricing.


Gegenparteienrisiko

Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 wurde plötzlich manchem bewusst, dass es so etwas wie ein Gegenparteienrisiko gibt. Tausende von Investoren hatten wegen dieses Kollapses Geld verloren, ohne vorher gewusst zu haben, dass sie Papiere von Lehman Brothers im Portefeuille hatten. Seither wollen vorsichtige Investoren wissen, wer hinter einem Finanzprodukt steckt, wie es sich also mit dem Gegenparteienrisiko verhält.

 

Problematisch sind etwa die von Banken herausgegebenen Indexzertifikate. Sie bilden einen bestimmten Index ab, genauso wie ein gewöhnlicher Indexfonds. Doch im Unterschied zum Fonds sind die Aktien beim Zertifikat nicht hinterlegt. Hier trägt die Bank das Risiko. Beim Kollaps der Bank sieht auch der Inhaber solcher Zertifikate alt aus. Genau gleich wie Besitzer von Kassenobligationen.

 

Wer mehrere Papiere mit einem Gegenparteienrisiko besitzt, sollte zumindest dafür sorgen, dass das Risiko auf mehrere Gegenparteien verteilt ist.


Hedge Funds

Hedge Funds sind Investmentfonds, die bezüglich ihrer Anlagepolitik keinerlei gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen unterworfen sind. Sie werden eingesetzt, um unabhängig von der jeweiligen Marktsituation positive Erträge zu erzielen.

 

Um dem Gebot der Diversifikation Genüge zu tun, wären Anlagen in Hedge Fonds durchaus sinnvoll. Häufig bricht nicht nur ein einzelner Aktienmarkt ein, sondern alle zusammen. Das Gleiche ist bei den Obligationen zu beobachten. So wäre es zur Streuung der Risiken wünschenswert, man hätte auch Produkte im Portefeuille, welche nicht der allgemeinen Marktentwicklung folgten. Dazu wären Hedge Funds gedacht. Schliesslich steht das Wort «Hedge» für Absicherung. Leider vermochten Hedge Funds diesem Anspruch nicht immer zu genügen. Um ihr Ziel zu erreichen, setzen Hedge Funds häufig Fremdkapital ein, was das Risiko erhöht. Hedge Funds haben einen schlechten Ruf, weil sie völlig intransparent und überdurchschnittlich teuer sind.


IPO

Geht eine Aktiengesellschaft an die Börse, spricht die Fachwelt von einem Initial Public Offering, kurz IPO. Sie haben dann Hochkonjunktur, wenn auch die Börse boomt.


KBV

Mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) können Anleger nach Schnäppchen Ausschau halten. Das KBV setzt die Marktkapitalisierung mit dem ausgewiesenen Eigenkapital ins Verhältnis. Bei einem Wert von 1 wird das Unternehmen genau gleich bewertet wie in der Bilanz. Ein Wert unter 1 kann eine Unterbewertung signalisieren. Ein tiefes KBV allein bedeutet aber nicht automatisch eine Unterbewertung. So kann das KBV auch ein Warnsignal für künftige Abschreibungen ein.


KGV

Die Swisscom-Aktie kostet über 300 Franken; ABB ist für rund 20 Franken zu haben. Bei oberflächlicher Betrachtung wird man sagen: Swisscom ist teurer als ABB. Doch der absolute Frankenwert hat keine Bedeutung. Was teuer und billig ist, ist nicht eine Frage des Frankenbetrags, sondern der Bewertung. Dazu braucht es Kennziffern, eine davon ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), auch Price-Earnings-Ratio oder kurz PE genannt. Das PE ist das Verhältnis zwischen dem Aktienkurs und dem geschätzten Gewinn pro Aktie. Es  wird errechnet, indem der Kurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert wird. Beispiel: Der Kurs einer Aktie liegt bei 200 Franken. Das Unternehmen erwirtschaftet 10 Franken Gewinn pro Aktie. 200 durch 10 macht 20. Das KGV beträgt 20.


Das KGV wird nicht nur für einzelne Aktien, sondern auch für ganze Märkte berechnet. Solche KGV sind im historischen Vergleich vielsagend, wobei die Höhe des KGV immer auch mit anderen Indikatoren interpretiert werden sollte.  


Kickback

siehe Retrozession.


Libor

Die London Interbank Offered Rate ist der täglich festgelegte Referenzzinssatz im Interbankengeschäft, der an jedem Arbeitstag um 11 Uhr Londoner Zeit fixiert wird. 


Pari

Der Preis eines Wertpapieres wird als «pari» bezeichnet, wenn Ausgabepreis und Nennwert identisch sind. Liegt der Preis über dem Nennwert, so wird die Obligation über pari herausgegeben.


Preisindex

Der Swiss Market Index (SMI) ist ein Preisindex; der Swiss Performance Index (SPI) dagegen ein Total-Return-Index. Der Unterschied: Der Preisindex misst lediglich die Kursentwicklung; der Total-Return-Index misst dagegen zusätzlich auch die Dividenden.  Experten finden daher, der SMI sei unzulänglich. Er stelle die Aktionäre ärmer dar als sie effektiv sind. In der Zeitperiode von 1970 bis 2012 machten die Dividendenausschüttungen 40 Prozent der Gesamtrendite aus. Wenn die Börse als neuen Leitindex den SMI inklusive Dividenden verwenden würde, hätte der Aktionär in den Nullerjahren statt eines Kursverlusts von 7,5 Prozent einen Gewinn von immerhin 17,5 Prozent ausgewiesen. Noch besser sähe es aus, wenn man die Dividenden in die Punkteberechnung des SMI seit seiner Lancierung Mitte 1988 einfliessen liesse. Dann stünde der SMI Mitte 2012l nicht mehr bei 6200 Punkten, sondern bei 10'200 Punkten.


Put-Option

Mit dem Kauf einer Put-Option erwirbt man das Recht, das Wertpapier während einer bestimmten Frist zu einem vorgegebenen Preis zu verkaufen. Sollten die Kurse nicht in der vorgesehenen Frist fallen, verfällt die Option. 


Rating

Das Rating misst die Bonität einer Obligation. Für diese Notengebung sind private Ratingagenturen besorgt. Die bekanntesten sind Moody’s und Standard & Poor's (S&P). Sie geben nicht die Noten eins bis sechs, sondern D bis AAA Je besser das Rating, desto bessere Konditionen erhalten die Firmen auf dem Kapitalmarkt.

 

Die Notenskala kann man in zwei Kategorien aufteilen: Anleihen mit hoher Kreditqualität sowie Anleihen mit spekulativem Charakter. Erstere heissen im Börsenjargon Investmentgrade, Letztere werden als High-Yield-Obligationen oder – populärer – als Junk-Bonds bezeichnet. Für Investment-Grade-Anleihen vergibt die Ratingfirma Standard & Poor´s die Noten AAA bis BBB, bei Moody´s bewegt sich die Notenskala von Aaa bis Baa. Was darunter liegt, ist «junk».


Retrozession

Kauft eine Bank im Auftrag eines Kunden Anlagefonds, so erhält sie dafür von der Anlagefondsgesellschaft eine Provision, genannt Retrozession oder Kickback. Der Bankkunde weiss in der Regel nichts davon. Nun hat das Bundesgericht Anfang November 2012 einen wegweisenden Entscheid gefällt. Der Entscheid verpflichtet die Banken, über die erhaltenen Kickbacks Transparenz zu schaffen. Grundsätzlich gehören diese Provisionen dem Kunden und nicht der Bank. 


Risikoaversion

Statt risikoavers könnte man auch risikoscheu sagen. Risikoscheue Marktteilnehmer bevorzugen einen möglichst sicheren Gewinn. Man könnte auch sagen: Sie haben lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. 


Risikoprämie

Der Begriff der Risikoprämie hat in der Finanztheorie nicht immer die gleiche Bedeutung. Meistens ist damit die Differenz zwischen der Aktien- und der Obligationenrendite gemeint. Ein Anleger wird nur in Aktien investieren, wenn der erwartete Ertrag höher ist als bei Obligationen. Die Risikoprämie ist daher ein Ausdruck der Risikobereitschaft der Anleger.

 

Wer höhere Risiken eingeht, will dafür eine Entschädigung in Form höherer Renditen. Ohne die Erwartung einer zusätzlichen Rendite würde kein rationaler Investor zusätzliche Risiken eingehen. Da Aktien als risikoreicher gelten als Obligationen, müssen also höhere Renditen resultieren.

 

Auch beim Vergleich zwischen Anleihen mit Staatsgarantie und Unternehmensanleihen spricht man von Risikoprämie. Es ist dies der Zinsaufschlag, den Anleger für eine Anlage in risikobehaftete Obligationen fordern. Je grösser das Verlust- oder Ausfallrisiko ist, desto höher wird der Aufschlag sein, desto höher somit die Risikoprämie.

 

Die Risikoprämie wird in Basispunkten angegeben. Verlangen Bundesobligationen einen Zins von 2,5 Prozent, Unternehmensobligationen von 3,8 Prozent, so beträgt die Risikoprämie 130 Basispunkte.


Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio vergleicht die Rendite eines Anlagefonds mit einer risikolosen Anlage – und dies unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos. Technisch gesprochen heisst das: Die Sharpe Ratio misst die Überschussrendite pro Risikoeinheit.

 

Als Überschussrendite wird jene Rendite bezeichnet, die über der Rendite einer risikolosen Anlage steht. Erzielt man also auf dem Sparkonto eine Rendite von 1 Prozent und mit Aktienanlagen eine solche von 4 Prozent, so beträgt die Überschussrendite für diese Aktien 3 Prozent. Diese Überschussrendite wird in Beziehung gesetzt zum Risiko, ausgedrückt als Volatilität. Je höher diese Volatilität, desto grösser das Risiko und damit desto kleiner die Sharpe Ratio.

 

Anders ausgedrückt: Je höher die Sharpe Ratio, desto vorteilhafter die Finanzanlage.

 

Namensgeber dieser Kennzahl ist der US-Amerikaner William F. Sharpe. Er erhielt 1990 gemeinsam mit Merton Miller und Harry Markowitz den Nobelpreis für Wirtschaft


Stop Loss

Stop-Loss-Aufträge sind eine kostenlose Versicherung gegen einen Kurssturz. So gehts: Man legt einen Kurs unterhalb des heutigen Niveaus fest. Sobald der Kurs diese Limite erreicht, wird ein Verkaufsauftrag ausgelöst. Der Kurs sollte nicht zu knapp unter dem heutigen Niveau liegen. Befürchtet man eine grössere Korrektur, so ist die Limite zum Beispiel auf 10 Prozent unter dem heutigen Kurs zu setzen. Wer im Mai 2007 für Schweizer Aktien solche Stop-Loss-Aufträge mit Kursen von 10 Prozent unter dem damaligen Niveau platzierte, war gut beraten. Der Swiss Market Index (SMI) fiel in der Folge innerhalb von anderthalb Jahren von gut 9500 auf unter 4500 Punkten, minus 52 Prozent. 


Strategiefonds

Beim Strategiefonds verfolgt der Anleger eine konkrete Anlagestrategie, mit welcher die Gewichtung der Aktien- und Obligationenanteile vorgegeben wird.


Swap

Swap heisst wörtlich Austausch. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, in der Zukunft Zahlungsströme auszutauschen. Die Vereinbarung definiert dabei, wie die Zahlungen berechnet werden und wann sie fliessen. Der Swap ist damit ein Zins auf Termin. Er ist die massgebende Grösse für die Berechnung der Zinssätze von Festhypotheken.


Thesaurierende Fonds

Thesaurieren heisst horten. Bei thesaurierenden Fonds werden die Zinsen und Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern in den Fonds reinvestiert. Vor allem für Steueroptimierer waren diese Fonds interessant. Da keine Dividenden und Zinsen ausbezahlt wurden, gab es auch keinen Abzug für die Verrechnungssteuer. Das war früher der Fall: Heute müssen in der Schweiz auch thesaurierende Fonds die Verrechnungssteuer abliefern. Sie haben dadurch an Bedeutung verloren.


Tracking Error

Will man wissen, wie stark ein Fonds in seiner Anlagestrategie vom Vergleichsindex abweicht, schaut man auf den Tracking Error. Somit spiegelt diese Prozentzahl die Differenzrendite zwischen einem Fondsportfolio und einer Benchmark. Je niedriger die Prozentzahl ausfällt, desto stärker orientiert sich das jeweilige Fondsmanagement an dem zu Grunde liegenden Index. Ist dagegen die durchschnittliche Abweichung zwischen der Wertentwicklung des Fonds und der Benchmark hoch, so wächst proportional auch der Tracking Error.

 

In der Praxis bedeutet dies, dass reine Indexfonds meist einen Tracking Error gegen null aufweisen. Auch die Exchange Traded Fonds (ETF) zählen meist zu dieser Kategorie. Aktiv gemanagte Fonds weisen dagegen einen eher hohen Tracking Error auf.

 

Auf den Faktenblättern der Anlagefonds sucht man den Tracking Error vergebens. Die Transparenz, die in der Fondsbranche so hoch gehalten wird, lässt hier zu wünschen übrig.


Überwiegende

Einmalverzinsung

Eine überwiegende Einmalverzinsung gibt es bei Obligationen - und zwar wenn die Couponrendite weniger als die Hälfte der Rendite auf Verfall ausmacht. Dabei ist immer der Emissionszeitpunkt massgeblich. Ob eine überwiegende Einmalverzinsung vorherrscht, ist vor allem aus steuerlichen Gründen relevant.


Volatilität 

Der Begriff Volatilität wird häufig mit  Kursschwankungen übersetzt. Doch in der Finanzmarkttheorie ist der Fachausdruck Volatilität vielmehr ein Synonym für Risiko. Je höher die Volatilität eines Wertpapiers ist, desto risikoreicher ist dieses. So wird die Volatilität in der Regel auf eine bestimmte Laufzeit bemessen. Eine Volatilität von 20 Prozent sagt beispielsweise aus, dass der Kurs eines Wertpapiers über die Laufzeit zwischen 80 und 120 Prozent des aktuellen Kurswertes geschwankt hat.

Laut Duden ist Volatilität das «Ausmass der Schwankung von Preisen, Aktien- und Devisenkursen, Zinssätzen oder auch ganzen Märkten innerhalb einer kurzen Zeitspanne». Sind Märkte volatil, deutet das auf eine grosse Unsicherheit hin.


Wandelanleihe

Die Wandelanleihe oder Convertible ist eine Kombination einer Anleihe mit einer Call-Option. Letztere gibt einem das Recht, einen Basiswert, also eine Aktie, zu einem bestimmten Preis und zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwerben.


Wandelparität

Wandelparität: Wenn der Preis des Wandlers mit dem Preis der Aktie übereinstimmt (Bruttoparität). Nettoparität: Bruttoparität bereinigt um Kommissionen, Gebühren und entgangenen Marchzins.


Wandelprämie

Die Wandelprämie ist der Aufpreis, den der Anleger bezahlen muss, wenn er die Aktie über die Wandelanleihe und nicht direkt am Aktienmarkt erwirbt.


Wandelpreis

Wandelpreis: Zu diesem Preis kann die Wandelobligation in ein entsprechendes Beteiligungspapier gewandelt werden. Auch Ausübungspreis genannt.


Zerobond

Der Anleger erhält keinen Zins. Dafür liegt der Emissionspreis deutlich unter dem Nennwert. Davon profitiert man bei der Rückzahlung. Auch reine Diskontobligationen genannt.


Claude Chatelain