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Postfinance-Fonds sind teuer

Heute wollen wir uns mit Anlagefonds beschäftigen. Fast 10'000 verschiedene Produkte sind in der Schweiz zum Verkauf zugelassen, viele davon sind «Me too»-Produkte.

Welcher Fonds ist nun der beste? Banken empfehlen die eigenen Exemplare oder jene von Partnerbanken. Postfinance machts besser: Sie bietet nur eine Handvoll eigener Fonds an und dann für jede Fondskategorie einen der Klassenbesten.

 

Also von all den Technologiefonds nur den Fidelity Global Technology, von den Osteuropafonds den Schroder Emerging Europe, von den Nachhaltigkeitsfonds den BMO Responsible Global Equity.

 

Wenn ein Anlagefonds die Erwartungen nicht erfüllt, wird er ausgewechselt. Dieses Schicksal ereilte zum Beispiel den Asienfonds von Templeton, den Europafonds von Blackrock oder den Osteuropafonds von DWS.

 

Die auf Fondsanalyse spezialisierte Better Value AG (Bevag) ist um die Vorselektion besorgt. Das verleiht dem Ganzen eine Prise Glaubwürdigkeit. Sie muss dabei bestimmte Kriterien beachten, damit die empfohlenen Produkte «Postfinance-kompatibel» sind. Zum Beispiel sollte man bei jedem einzelnen Fonds die Möglichkeit haben, mit einem Fondssparplan zu investieren. Bei Postfinance sind Fondssparpläne bereits ab 20 Franken möglich.

 

Ich rühme diese Strategie nicht zum ersten Mal – doch dieses Mal nicht ohne Einschränkung. Die geringen Kosten waren immer ein positiver Aspekt. Postfinance verlangt als einziges namhaftes Institut keine Depotgebühr. Ab 2022 wird das anders.

 

Diese Depotgebühr ist aber nicht das Problem. Delikat erachte ich die inneren Kosten, die für die Bewirtschaftung eines Fonds anfallen. Diese sogenannte Total Expense Ratio (TER) wird in Prozenten des Fondsvermögens ausgewiesen. Bei den von der Bevag ausgesuchten Fonds, die angeblich die besten sein sollen, ist diese im Quervergleich überdurchschnittlich hoch.

 

Am besten vergleichen lässt sich die TER bei Indexfonds. Bei solchen passiv verwalteten Produkten, bei denen die Auswahl der Wertschriften automatisch erfolgt, beträgt die TER um 0,2 Prozent. Doch die von Postfinance vertriebenen Indexfonds aus dem Hause Pictet weisen eine TER von 0,74 Prozent aus. Für Indexfonds ist das extrem hoch.

 

«Als Kunde interessiert mich die TER nicht, mich interessiert die Rendite nach Abzug der Kosten», sagte mir Daniel Mewes, Leiter Investment Solutions bei Postfinance. Da gehörten die Indexfonds von Pictet zu den besten.

 

Das tönt nach einer Schutzbehauptung. Ich stütze mich nicht auf das, was man mir sagt. Ich orientierte mich an Zahlen, die transparent gemacht werden. Dies ist die TER, eine in der Branche geläufige Kennziffer. Je höher die Kosten, desto tiefer die Rendite. Das ist ziemlich unbestritten.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 2. August 2020

Claude Chatelain