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Ich bin gerne ein sparfauler Typ

Lorenz Heim, der Leiter Hypotheken im VZ Vermögenszentrum, schreibt in den «VZ-News»: «Die Negativzinsen haben viele Hypothekarnehmer sparfaul gemacht.»

Sparfaul? Das Wort gefällt mir. Ich wäre auch ein sparfauler Typ, wenn ich eine Hypothek bräuchte. Deshalb wage ich hier den Versuch, seine Aussagen zu zerpflücken, als ob ich ihm einen Leserbrief schreiben würde.

 

Lorenz Heim in den «VZ-News»: «Weil lang laufende Festhypotheken extrem günstig sind, geben sich sparfaule Hypothekarnehmer zufrieden mit dem ersten Angebot ihrer Bank.»

Gopfried Stutz: Logisch. Was will ich von Bank zu Bank hausieren, wenn ich von meiner Hausbank ein gutes Angebot bekomme?

 

Heim: «Den wenigsten ist bewusst, wie viel Geld ihnen dadurch entgeht.»

Stutz: Stimmt: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

 

Heim: «Wer sein Eigenheim von 2009 bis 2019 mit einer Festhypothek finanzierte, hat im Durchschnitt 224 000 Franken bezahlt. Mit einer Geldmarkthypothek waren es nur 64 000 Franken. Das sind 160 000 Franken weniger.»

Stutz: Wow. In der Tat eine grosse Summe. Siehe oben: Was ich nicht weiss... Und überhaupt: Lieber Lorenz Heim, hätten Sie mir 2009 garantiert, dass ich mit einer Geldmarkthypothek in zehn Jahren 160 000 Franken sparen werde?

 

Heim: «Banken empfehlen am liebsten Festhypotheken für drei bis fünf Jahre, denn daran verdienen sie am meisten.»

Stutz: Aha. Mich interessiert, ob das Angebot für mich stimmt.

 

Heim: «Fünfjährige Festhypotheken sind zu einem Zins von etwas über einem Prozent zu haben. Das ist verlockend günstig – und trotzdem zu teuer.»

Stutz: Sie sagen es: verlockend günstig.

 

Heim: «Grundsätzlich eignen sich Festhypotheken für Kreditnehmer, die hohe Budgetsicherheit suchen oder mit steigenden Zinsen rechnen.»

Stutz: Voilà. Da sind Sie bei mir. Hohe Budgetsicherheit. Das ist es, was ich will. Gut schlafen, gut essen und sich nicht ständig den Kopf darüber zerbrechen, wie sich die Zinslandschaft verändern wird.

 

Heim: «Wer den Zins lange anbindet, geht grosse Risiken ein. Eine berufliche Veränderung, eine Krankheit oder eine Scheidung können dazu führen, dass man sein Eigenheim verkaufen und die Hypothek vorzeitig auflösen muss – das ist meistens sehr teuer.»

Stutz: Scheidung? Üble Sache. Doch bei diesem tiefen Zins muss man das Haus nicht zwingend verkaufen, wenn der eine Elternteil auszieht. So können die Kinder weiterhin im Haus wohnen. Krankheit? Man muss ja nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen. Berufliche Veränderung? So pendelt man halt. Oder soll man mit den Kindern womöglich noch ins teure Zürich umziehen, dass die Kinder «Züritüütsch» reden?

 

Naja, zumindest dieser letzte Punkt mag etwas gewagt sein. Ich will doch nur meine Sparfaulheit rechtfertigen. Sicher ist sicher. Budgetsicherheit wäre für mich das Ein und Alles.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 9. Februar 2020

Claude Chatelain