Gopfried Stutz: Ist Ihr mündiges Kind versichert?

Fährt ein Velofahrer einen Fussgänger über den Haufen, so ist das ein Fall für die Privathaftpflicht.
Fährt ein Velofahrer einen Fussgänger über den Haufen, so ist das ein Fall für die Privathaftpflicht.

Es lohnt sich abzuklären, wie es sich mit dem Versicherungsschutz des volljährigen Kindes verhält. 

Schon von der PH gehört? Die meisten denken bei diesem Buchstabenpaar an die Pädagogische Hochschule. Nun, das ist nicht mein Gebiet. Ich bewege mich berufsbedingt vorab auf dem Feld der Versicherungen. Und hier ist mit PH die Privathaftpflichtversicherung gemeint. Die Autohaftpflicht ist obligatorisch; die Privathaftpflicht ist freiwillig, dennoch ist sie für die meisten ein Muss.

 

Am Dienstag erklärte die Mobiliar an ihrer Jahresmedienkonferenz, dass sie im vergangenen Jahr den Marktanteil bei der Haftpflichtversicherung von 19,2 auf 19,7 Prozent zu steigern vermochte. Das Verkünden von Marktanteilsgewinnen gehört bei der genossenschaftlichen Versicherung schon fast zum jährlichen Ritual. Seit 2004 tut sie dies ohne Unterbruch.

Doch bleiben wir bei der PH. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie beansprucht wird, ist nicht wirklich gross. Sehr gross ist aber das Schadenspotenzial. Das gilt insbesondere bei Wintersportlern oder Velofahrern.

 

Patric Deflorin ist Leiter Versicherungen. Er erzählte mir am Rand der Medienkonferenz von einem Fall, bei dem der Versicherte einen Fussgänger über den Haufen fuhr (er sagte zwar «kollidierte», aber das tut nichts zur Sache). Der Fussgänger erlitt einen komplizierten Beinbruch. Auch Handy und Brille sind kaputt.

 

Weil die Schuld der Kollision beim Fahrradfahrer liegt, zahlte die Mobiliar für die Heilbehandlung, den Lohnausfall, das Handy und die Brille über 20'000 Franken.

Wesentlich teurer kam ihr jener Versicherungsnehmer zu stehen, der auf der Piste seine Kurven zog und ein Kind übersah, welches hinter einer Kuppe im Stemmbogen talabwärts fuhr. Das Kind wurde schwer verletzt und mit dem Heli ins Spital geflogen. Für die Rettungskosten der Rega, die Spital- und Arztkosten zahlte die Versicherung weit über 100'000 Franken.

 

Es hätte noch schlimmer kommen können: Vor einigen Jahren ereignete sich ein vergleichbarer Fall, bei dem das Kind ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit bleibenden Schäden erlitt. Die Mobiliar zahlte über fünf Millionen Franken. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der fehlbare Skifahrer über keinen Versicherungsschutz verfügt hätte.

 

Am häufigsten wird die PH jedoch für Mieterschäden beansprucht. Aus diesem Grund zahlen Hausbesitzer je nach Versicherung tiefere Prämien als Mieter. Doch zwingend ist die PH auch für Hundehalter und Eltern. Was passiert, wenn ein Kind oben auf der Rutschbahn sein Gschpänli runterschubst?

 

Kinder unter 18 Jahren sind in der Police der Eltern mitversichert. Sind sie jedoch volljährig, so könnte es je nach Anbieter durchaus sein, dass sie nicht mehr versichert sind, obschon sie im gleichen Haushalt leben. Das könnte böse enden. Es lohnt sich abzuklären, wie es sich mit dem Versicherungsschutz des mündigen Kindes verhält.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 14. April 2019

Claude Chatelain