Kinder, Kinder

Je mehr Kinder, desto besser der Versicherungsschutz. Doch nicht verheiratete Eltern sollten vorsorgen - beim Tod des einen Elternteils könnte es finanziell eng werden.
Je mehr Kinder, desto besser der Versicherungsschutz. Doch nicht verheiratete Eltern sollten vorsorgen - beim Tod des einen Elternteils könnte es finanziell eng werden.

Immer mehr Unverheiratete haben Kinder. Unser Vorsorge-Experte erklärt, wie man seine Nachkommen auch ohne Ehe finanziell schützt. Und was das kostet.

Mehr und mehr Paare gründen Familien ohne Trauschein. So wird in der Schweiz mittlerweile fast jedes vierte Kind ausserehelich geboren. Das mag Vorteile haben. Aber bei der finanziellen Absicherung hat es Nachteile: Beim Tod gibt es keine Hinterlassenenrente von der AHV und vielleicht nicht einmal eine Paarrente von der Pensionskasse. Zwar sind im Pensionskassenreglement Konkubinatsrenten häufig vorgesehen, gesetzlich vorgeschrieben sind sie aber nicht.

 

Fazit: Stirbt der unverheiratete Vater oder die unverheiratete Mutter, gibts von der AHV pro Kind eine Rente zwischen 470 und 940 Franken pro Monat, dies aber nur, sofern keine Beitragslücken bestehen. Und wenn der Verstorbene bei einer Pensionskasse versichert war, gibts auch aus der zweiten Säule eine Kinderrente und je nach Reglement eine Paarrente. Doch eine Witwenrente von der AHV gibt es nicht.

 

Was tun? Der Versicherungsberater wird nicht zögern und eine Lebensversicherung ans Herz legen. Besser ist es, vorher überschlagsmässig auszurechnen, ob eine solche überhaupt notwendig ist. Das ist einfacher, als es den Anschein macht: Man addiert all die Hinterlassenenrenten, auf die man beim Tod des Partners Anspruch hat. Reicht die Summe nicht aus, um das geschätzte Budget zu decken, ist der Abschluss einer Todesfallversicherung wahrscheinlich nicht das Dümmste.

 

Der Versicherungsverkäufer wird mit grosser Wahrscheinlichkeit eine gemischte Versicherung empfehlen. Gemischt, weil sie Sparen mit Versichern vermischt.

 

Sparen und Versichern in einem – das tönt wie der Fünfer und das Weggli. Viele Schweizerinnen und Schweizer sehen das so. Jahr für Jahr zahlen sie für solche gemischte Versicherungen die stattliche Summe von 5 Milliarden Franken an Prämiengeldern. Der grösste Teil dieser Produkte kommt im Kleid der Säule3a daher. Das heisst, die Prämie lässt sich bei den Steuern abziehen; dafür kann man das Geld erst fünf Jahre vor dem offiziellen AHV-Alter beziehen, von einigen Ausnahmen abgesehen.

 

In vielen Fällen ist es jedoch sinnvoller, eine reine Risikoversicherung abzuschliessen, also ohne gleichzeitiges Sparen. Sie funktioniert wie eine Feuer-, eine Haftpflicht- oder eine Diebstahlversicherung. Das heisst: Es gibt nur Geld bei einem Schaden, eben beim Tod. Wobei natürlich nicht der emotionale Schaden gemeint ist, sondern der finanzielle, hervorgerufen durch den Erwerbsausfall.

 

Mit einer reinen Risikoversicherung ist man flexibler. Man kann sie jederzeit kündigen, ohne Verluste hinnehmen zu müssen. Wer weiss, vielleicht beschafft man sich später doch noch einen Trauschein – und dann wird der Versicherungsschutz möglicherweise obsolet. Zumindest dann, wenn Mann und Frau über eine berufliche Vorsorge verfügen.

 

Die Höhe der Prämie ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Alter, Geschlecht, Beruf, dem Body-Mass-Index und dann natürlich von der Nikotinsucht. Raucher zahlen bis das Doppelte von Nichtrauchern.

 

Nun gibt es verschiedene Versicherungstypen: die einjährige Variante, bei welcher die Prämie mit zunehmendem Alter ansteigt; die Todesfallversicherung mit einer konstanten Todesfallsumme, die man für eine bestimmte Zeitdauer abschliesst, zum Beispiel für 20 Jahre, sowie die Todesfallversicherung mit abnehmender Todesfallsumme.

 

Diese dritte Variante ist weniger bekannt als die Variante mit einer konstanten Todesfallsumme. Sie gründet auf der Annahme, dass der Bedarf nach einer Versicherung mit zunehmendem Alter abnimmt. Je älter die Kinder, desto eher hat die Frau die Möglichkeit, ihr Arbeitspensum zu erhöhen. Weil die versicherte Todesfallsumme von Jahr zu Jahr abnimmt, ist die Prämie deutlich tiefer als bei einer konstanten Versicherungssumme. Gerade Eigenheimbesitzer schliessen häufig eine solche Versicherung ab. In gewissen Fällen wird das von der Bank verlangt.

 

Nehmen wir das Beispiel der Mobiliar, die bei den reinen Risikoversicherungen mit einem Anteil von 25 Prozent klarer Marktführer ist: Ein 40-jähriger kaufmännischer Angestellter, Nichtraucher, zahlt für eine konstante Todesfallsumme auf 20 Jahre eine Jahresprämie von 820 Franken. Wählt der 40-Jährige dagegen die Variante abnehmende Versicherungssumme, reduziert sich die Prämie auf 464 Franken.

 

Nur zum Vergleich: Ist der 40-Jährige der Nikotinsucht verfallen, erhöht sich die Jahresprämie im genannten Beispiel auf 1978 beziehungsweise 1055 Franken. Aber das ist eine andere Story.

 

Der Tod ist ein Armutsrisiko

Spricht man von finanzieller Absicherung, denken viele immer nur an den Mann. Was ist aber, wenn die Frau stirbt, die sich um Kinder und Haushalt sorgt und keiner Pensionskasse angeschlossen ist? Es gibt immer noch viele Frauen, die wegen der Kinder den Job aufgeben oder ihn markant reduzieren und damit auf den Erwerb des Mannes angewiesen sind.

 

In diesem Fall sollten auch Verheiratete für sich die Frage beantworten, ob sie genügend abgesichert sind. Stirbt der Vater oder die Mutter, erhält der überlebende Ehepartner von der AHV eine Witwer- oder Witwenrente und für jedes Kind ebenfalls von der ersten und der zweiten Säule je eine Rente.

 

Bei einer Familie mit drei unterstützungs-pflichtigen Kindern gibts beim Tod eines Ehepartners acht Renten: je vier von der ersten und der zweiten Säule. Die Summe all dieser Renten übersteigt in manchen Fällen das Einkommen des Verstorbenen. Deshalb wird die Pensionskasse die Renten so weit kürzen, bis das Renteneinkommen maximal 90 Prozent des Einkommens des Verstorbenen ausmacht.

 

Erliegt nun die Frau einer Krankheit, wird sich der Mann mit den Renten allein aus der ersten Säule begnügen müssen, da Hausfrauen ja keine berufliche Vorsorge haben. Ob das reicht, um sich eine Fremdbetreuung der Kinder leisten zu können, muss jeder für sich selber beantworten

 

Nicht ganz so einfach ist es, wenn auch der Mann keine berufliche Vorsorge hat, wie das bei Selbständigerwerbenden vorkommen kann. Mit den Witwen- und Kinderrenten allein von der AHV, also ohne Renten der Pensionskasse, lässt sich der gewohnte Lebensstandard in der Regel nicht aufrechterhalten. Auch in diesem Fall gilt die Devise: Bei fehlender Pensionskasse ist der Abschluss einer reinen Risikoversicherung zumindest prüfenswert. 

 

 

Erschienen im SonntagsBlick-Magazin am 25. November 2018


Claude Chatelain