Gopfried Stutz: Apple soll nachhaltig sein? Dass ich nicht lache!

Die Pensionskassen geraten von verschiedenen Seiten unter Druck. Sie sollen unser Erspartes nachhaltig anlegen. Auch ich gerate von einschlägigen Organisationen unter Druck. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ich zu einem Vortrag über nachhaltige Anlagen eingeladen werde: Rund um diesen Megatrend hat sich eine wahre Industrie gebildet. Das stimmt mich skeptisch.

Blenden wir zurück: Ende der Neunzigerjahre kamen Ökofonds in Mode. Man konnte sich ungefähr vorstellen, welche Aktien in solchen Finanzprodukten stecken. Wobei paradoxerweise auch Unternehmen wie der Ölmulti BP als grün galten – jedenfalls, bis uns die Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko die grösste Ölpest der Geschichte bescherte. BP galt als grün, weil das Unternehmen damals angeblich die grössten Anstrengungen aller Ölmultis unternahm, um ökologische Sünden in Grenzen zu halten – mit mässigem Erfolg, wie wir inzwischen wissen.

 

«Best of class» nennt sich dieser Ansatz. Salopp könnte man sagen, es werden auch Dreckschleudern ins ökologische Aktienportefeuille aufgenommen, sofern sie nur weniger mit Dreck werfen als ihre Mitbewerber.

 

Andere grüne Fonds definieren Ausschlusskriterien. Sie versprechen zum Beispiel, aus Prinzip nicht in Tabakund Rüstungsaktien zu investieren. Doch diese Fonds haben das Problem, dass sie im Renditevergleich mit konventionellen Fonds kaum Schritt halten konnten.

 

Heute spricht man kaum noch von grünen Fonds, dafür von nachhaltigen. Nachhaltig ist ein Unternehmen, wenn es sich punkto Umwelt, sozialer Verantwortung und guter Unternehmensführung vorbildlich verhält. Das sind die ESG-Kriterien: Environmental, Social, Governance. Das Kriterium Umwelt ist um zwei weiteren Kriterien ergänzt worden.

 

Wie weit ein Unternehmen ökologisch agiert, sollte man halbwegs beurteilen können. Aber gibt es überhaupt börsenkotierte Unternehmen, die sozial sind? Soziale Multis sind nicht nur für linke Ideologen schwarze Schimmel. Nehmen wir als Beispiel den F&C Responsible Global Equity. Dieser Fonds wird unter anderem von Postfinance vertrieben, die bei der Zusammenstellung ihres beschränkten Fondssortiments hohe Anforderungen stellt. In diesem Nachhaltigkeitsfonds stellt Apple mit 4,7 Prozent die grösste Position. Amazon kommt auf 3,3 Prozent. Dass ich nicht lache!

 

Apple, Google, Microsoft, Facebook und Amazon sind die «Big Five» der Techbranche. Kein ernst zu nehmender Ökonom wird abstreiten, dass diese Machtballung in der Hand einzelner Unternehmen mit grossen Risiken verbunden ist. Der Markt hat hier versagt. Es ist ein Oligopol entstanden, in gewissen Bereichen sogar ein Monopol.

 

Gemessen an den ESG-Kriterien mögen Apple und Konsorten nachhaltig sein. Ich verstehe unter Nachhaltigkeit etwas anderes.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 18. November 2018

Claude Chatelain