Gopfried Stutz: Die Grossbanken sind immer noch zu gross

Wo alles begann: Das UBS-Gebäude in New York.
Wo alles begann: Das UBS-Gebäude in New York.

Dieser Tage erinnern wir uns an das düstere Jubiläum der UBS: das Zehnjährige ihrer Rettung durch die Eidgenossenschaft.

 

Ich will hier einen anderen Skandal in Erinnerung rufen, der ein gutes halbes Jahr vor der UBS für Schlagzeilen sorgte, im Januar 2008: Ein mit der Informatik und dem Sicherheitssystem vertrauter Händler der Société Générale setzte mit spekulativen Geschäften fünf Milliarden Euro in den Sand und brachte die zweitgrösste Bank Frankreichs an den Rand des Abgrunds.

Damals schrieb ich in einem Kommentar: Wenn man das Sicherheitssystem täuschen und fünf Milliarden unentdeckt verspekulieren könne, wären es beim nächsten Mal vielleicht 20, 30 oder gar 50 Milliarden. Selbst die Kapitalkraft einer UBS oder CS reichten nicht aus, ein 50-Milliarden-Loch zu stopfen.

 

«‹Too big to fail› würde es dann heissen.» Zu gross, um scheitern zu dürfen. Der Steuerzahler müsste einspringen. Und weiter: «Es wird langsam unheimlich, zwei globale Bankenmonster im Land zu wissen, für deren mangelhafte Kontrollen wir womöglich die Zeche bezahlen müssen.»

 

Uiuiuiui! Was musste ich mir daraufhin anhören. Es sei «billiger Populismus und Aufhetzerei, den einzelnen Steuerzahler zum letzten Retter in der Not emporzustilisieren», meinte ein Leserbriefschreiber in der «Berner Zeitung».

 

Am 12. Oktober 2008 bewahrheitete sich leider meine Befürchtung: Die UBS musste durch Bund und Nationalbank gerettet werden. Also mit unserem Geld. Hat mir damals jemand für meine Warnung gratuliert? Es müsste mir entgangen ein.

 

Nun sind unsere beiden Bankenmonster nicht mehr ganz so monströs wie vor Ausbruch der Finanzkrise und ihre Kapitaldecke nicht mehr ganz so dünn; das risikoträchtige Investmentbanking wurde heruntergefahren, zudem wurden Notfallpläne erstellt. Die sollen sicherstellen, dass bei einer erneuten Krise der systemrelevante Teil nicht mit in den Abgrund gerissen wird.

 

Systemrelevant sind Bereiche, die für die Volkswirtschaft unentbehrlich sind, etwa der Zahlungsverkehr und das Kreditgeschäft. Würden sie bei einer zu grossen Bank kollabieren, könnte die ganze Volkswirtschaft kollabieren.

 

Ob Notfallpläne im Krisenfall funktionieren, wissen wir aber erst, wenn sie den Tatbeweis erbracht haben. Ich habe da meine Zweifel: Wie will man das systemrelevante Kreditgeschäft retten, wenn es selber in die Krise gerät?

 

Einen tubelisicheren Plan gäbe es allerdings. Man müsste nur dafür sorgen, dass gar keine Bank so gross und mächtig wird, eben «too big to fail». Wir hätten nicht erlauben dürfen, dass Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS fusionieren. Wird eine Bank systemrelevant, sodass wir Steuerzahler sie in der Not retten müssen, so hat der Markt versagt.

Wir können nicht ruhig schlafen, solange wir Banken haben, die «too big to fail» sind.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 14. Oktober 2018

Claude Chatelain