Mit dem Schiff zu einem rostigen Unesco-Welterbe

Bei einem Unesco-Welterbe denkt man unweigerlich an die Pyramiden Ägyptens oder das Great Barrier Reef in Australien – wohl kaum aber an eine Ansammlung von Rost. Genau das bietet aber das stillgelegte Eisenwerk Völklingen im Saarland.

 

Die Besichtigung dieses Industriedenkmals am zweiten Tag einer neuntägigen Flusskreuzfahrt, die über die Saar, Mosel und den Rhein führt, sei einer der ganz grossen Höhepunkte, meint unser Reiseleiter. Die Saarländer Völklinger Hütte ist das einzi-ge vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung: 1873 gegründet, 1986 stillgelegt, seit 1994 ein Weltkulturerbe – und ein Touristenliebling.

 

Warum aber eine Flusskreuzfahrt? Städtereisen sind im Trend. Und Flusskreuzfahrten sind häufig auch Städtereisen – Städtereisen mit Zugabe, könnte man sagen. Zudem mit dem grossen Vorteil, dass nicht ständig die Koffer gepackt und ausgepackt werden müssen. Das Hotelzimmer schwimmt mit.

 

Wir besichtigen Saarbrücken und Trier. Saarbrücken verfügt mit St. Johann über ein schmuckes, autofreies Zentrum. Gut beraten ist, wer die Landeshauptstadt zu Fuss statt mit dem Bus erkundet.

 

In Mettlach ist Villeroy & Boch zu Hause. Mit Keramiksachen lockt man mich nicht hinter dem Ofen hervor. Doch der Besuch des Erlebniszentrums in der ehemaligen Abtei am Hafen sollte ich dennoch nicht bereuen – auch wegen der eindrücklichen Historie des Familienunternehmens.

 

Mein Highlight ist jedoch die Saarschleife: Der Bus führt uns von Mettlach den Hügel hinauf. Dort geht es auf einen 42 Meter hohen Turm. Und wenn wir schon bei den Höhepunkten sind: Nichts ist so erholsam, wie auf Deck zu sitzen und die vorbeiziehende Landschaft zu bewundern, besonders auf der kurvenreichen Mosel mit ihren romantischen Rebbergen.

 

Erschienen im Blick am Abend am 21. September 2018

Claude Chatelain