Gopfried Stutz: Die 13 Folgen der Lehman-Pleite

Vor zehn Jahren ging die US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs. Die USA, wo alles begonnen hatte und die Hauptverantwortlichen sitzen, funktionieren fast wieder im Courant normal. In Europa geht das Leiden weiter. Diese 13 Punkte sollte man nie vergessen.

1. Nachdem die Lehman-Pleite eine globale Finanzkrise auslöste, warfen die Zentralbanken rund um den Globus die Notenpresse an.

 

2. Das neu gedruckte Geld floss nicht in die Industrieproduktion, sondern in die Aktien-, Obligationen- und Immobilienmärkte. Als Folge stiegen deren Preise.

 

3. Der US-Aktienmarkt verzeichnete am 22. August den längsten Aufschwung seiner Geschichte. Der Börsenindex S&P-500, der die Kursentwicklung der 500 grössten US-Firmen abbildet, stieg seit 2009 um 230 Prozent in die Höhe.

 

4. Weil das Geld in die inanzmärkte und nicht in die Industrieproduktion floss, gabs keine Inflation und die Zinsen sanken.

 

5. Leidtragende tiefer Zinsen sind die Sparer, exemplarisch die Eigenheimbesitzer: Wer sein Heim abzahlt, wird kaum belohnt. Belohnt mit tiefen Hypothekarzinsen wird, wer Schulden macht.

 

6. Die tiefen Zinsen belasten auch unsere Vorsorgewerke. Sichere Anlagen, etwa Staatsanleihen mit einer hohen Bonität, werfen kaum mehr Erträge ab.

 

7. Lebensversicherungen können keine akzeptablen Garantien abgeben. Rentenversicherungen sind nur zu hundsmiserablen Bedingungen zu haben, wenn überhaupt.

 

8. Geschädigt wurde auch Postfinance, die keine Möglichkeit hat, die ihr anvertrauten Milliarden sicher und gewinnbringend anzulegen. Sie möchte daher ins Hypothekargeschäft einsteigen, was ihr bisher gesetzlich verwehrt ist.

 

9. Die europäischen Banken haben es im Unterschied zu den amerikanischen nicht geschafft, ihr Kapital wieder ausreichend aufzustocken.

 

10. Die schwache Kapitalisierung der Banken bekamen auch die Griechen zu spüren. Ein Schuldenerlass wurde ihnen verwehrt, weil die deutschen und französischen Banken sonst ihre griechischen Anleihen hätten abschreiben müssen und dadurch in Notlage geraten wären. Die Rettung Griechenlands war eine Rettung europäischer Banken.

 

11. Die Eidgenossenschaft hat den Grossbanken im Eiltempo strengere Auflagen gemacht. UBS und CS stockten das Kapital auf, redimensionierten das risikoträchtige Investmentbanking und entwarfen Notfallpläne. Doch beide Banken sind nach wie vor zu gross, um fallen gelassen zu werden, eben: too big to fail.

 

12. In den USA sitzt keiner der Verantwortlichen im Gefängnis, und Präsident Donald Trump ist drauf und dran, den Bankensektor wieder zu deregulieren.

 

13. Es kann von vorne losgehen. Oder, wie es Professor Marc Chesney von der Uni Zürich in der NZZ formuliert: «Die Party der Finanzoligarchie geht weiter.»

 

 

Erschienen im SonntagsBlick am 16. September 2018

Claude Chatelain