Gopfried Stutz: Wenn zwei sich streiten, ärgert sich der Dritte

Das Univesitätsspital Basel streitet mit Krankenversicherern über Tarife in der Zusatzversicherung.
Das Univesitätsspital Basel streitet mit Krankenversicherern über Tarife in der Zusatzversicherung.

Stellen Sie sich vor, Sie zahlen jahrzehntelang die nicht gerade günstige Prämie für eine Spitalkostenzusatzversicherung halbprivat oder privat. Dann müssen Sie ins Spital und wissen nicht, ob die Krankenkasse Ihren Spitalaufenthalt bezahlt. Dies aus dem irritierenden Grund, dass sich die Krankenkasse und das Spital nicht auf einen Tarifvertrag einigen können.

Stellen Sie sich vor, Sie zahlen jahrzehntelang die nicht gerade günstige Prämie für eine Spitalkostenzusatzversicherung halbprivat oder privat. Dann müssen Sie ins Spital und wissen nicht, ob die Krankenkasse Ihren Spitalaufenthalt bezahlt. Dies aus dem irritierenden Grund, dass sich die Krankenkasse und das Spital nicht auf einen Tarifvertrag einigen können.

 

Das könnte Zusatzversicherten von Helsana, Concordia oder Sympany passieren, wenn sie sich im Basler Universitätsspital (USB) behandeln lassen. Wobei die Krankenkasse womöglich schon einen Teil der Kosten übernehmen wird; nur weiss man nicht, wie viel. Und das Spital schickt die Rechnung nicht der Kasse, sondern direkt an Sie. Sie müssen dann mit der Kasse selber schauen, wie weit sie die Kosten übernimmt.

 

Böse Überraschungen dieser Art sind nicht ganz neu. Vor zweieinhalb Jahren verfuhren Helsana und die CSS mit Versicherten aus dem Kanton Solothurn ähnlich.

 

Verständlich, dass Sie dann hässig sind auf Ihre Krankenkasse. Dennoch will ich hier für die Kassenversicherer eine Lanze brechen. Man muss wissen, dass der Mehrwert einer Zusatzversicherung im Vergleich zur obligatorischen Grundversicherung mehr und mehr erodiert. Halbprivatversicherte haben das Privileg, nicht in einem Vierer- oder Sechserschlag liegen zu müssen. Dumm nur, dass Spitalzimmer mit mehr als zwei Betten immer seltener werden und mit jedem Neubau verschwinden. Also reduziert sich der Mehrwert einer Spitalkostenzusatzversicherung auf die freie Arztwahl. Hinzu kommt, dass mehr und mehr Operationen ambulant durchgeführt werden. Die Halbprivat- oder Privatversicherung zahlt aber nur bei stationären Aufenthalten.

 

Es kann doch nicht sein, dass Spitäler und vor allem Ärzte an den überhöhten Tarifen für Zusatzversicherungen festhalten, wenn doch deren Mehrwert – wie soeben beschrieben – gegenüber der obligatorischen Grundversicherung stetig abnimmt.

 

Doch wie man hört und liest, feilschen Kassen und Spitäler nicht bloss um die Höhe der Tarife, sondern insbesondere auch über die Tarifstruktur. Häufig geht daraus nicht hervor, was über die obligatorische Grundversicherung und was über die Zusatzversicherung abgegolten wird. Deshalb streben die Kassen einheitliche Tarifverträge an, damit sich das Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Spitäler vergleichen lässt. Nur so lassen sich unberechtigte Tariferhöhungen der Spitäler verhindern.

 

Opfer dieses Streits sind die Versicherten. Und die Bösen sind in deren Augen die Krankenversicherer, obschon sie sich im Interesse der Versicherten für tiefere Prämien einsetzen. Na ja, mich persönlich betrifft es nicht. Schon alt Bundesrätin Ruth Dreifuss sagte, mit der obligatorischen Grundversicherung sei man genügend versichert.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 8. Juli 2018

Claude Chatelain