Gopfried Stutz: Zu seinem Geburtstag ein Hoch auf den SMI – möge er bald fallen

Gestern vor 30 Jahren, am 30. Juni 1988, ist der Swiss Market Index (SMI) mit 1500 Punkten gegründet worden. Heute zählt er um die 8600 Punkte, fast sechsmal mehr.

Der SMI ist der meistbeachtete Börsenindex der Schweiz. Ist er auch der wichtigste? Zweifellos am wichtigsten ist der SMI für Grossinvestoren. Die 20 im SMI vertretenen Aktien sind sehr liquide. Zudem dient der SMI als Basiswert für Finanzprodukte. Doch wenn es darum geht, die langfristige Rendite des Schweizer Aktienmarktes zu zeigen, ziehe ich den Swiss Performance Index vor, da der SPI im Unterschied zum SMI auch die Dividenden enthält.

 

Der SMI enthält wie gesagt nur 20 Aktien, der SPI dagegen fast alle an der Börsenplattform SIX gehandelten Schweizer Titel. Wobei der SMI mit seinen 20 Titeln 80 Prozent des Marktes abdeckt. Dabei kommen Nestlé, Novartis und Roche allein auf 55 Prozent der Marktkapitalisierung. Die Kapitalisierung ergibt sich aus der Anzahl Aktien multipliziert mit dem Kurs.

 

Die Finanzmedien widmeten dem Index im Hinblick auf seinen Geburtstag bereits längere Beiträge. Die «Finanz und Wirtschaft» zeigte auf, weshalb der SMI im Vergleich zu ausländischen Märkten im Hintertreffen liegt. Es liege an der Dominanz der defensiven Branchen von Pharma und Nahrungsmitteln. Defensive Werte reagieren kaum auf Konjunkturschwankungen, da auch in mageren Zeiten gegessen wird und Pillen geschluckt werden. Im Vergleich dazu sind laut F+W die derzeit starken Sektoren wie Technologie und Energie hierzulande kaum vertreten.

 

Die NZZ erinnerte daran, dass im Geburtsjahr des SMI Ronald Reagan im Weissen Haus regierte, die Sowjetunion mit dem Rückzug aus Afghanistan begann und die kanadische Sängerin Céline Dion für die Schweiz den Eurovision Song Contest gewann. Für Nostalgiker nannte die NZZ altbekannte Namen, die aus dem SMI aus verschiedenen Gründen verschwunden sind: Elektrowatt, Holderbank, Adia, BBC, Jacobs Suchard, Oerlikon-Bührle, Pargesa, Swissair.

 

Statistisches war auf «Cash online» zu lesen. Am 14. Januar 1991, kurz vor Ausbruch des Zweiten Golfkrieges, fiel er sogar unter seinen Anfangswert, nämlich auf 1279 Punkte. Den schlechtesten Handelstag aller Zeiten erlebte der SMI am 16. Oktober 1989 mit einem Minus von 10,54 Prozent. Eine Liquiditätskrise wegen überschuldeter US-Firmen soll der Grund gewesen sein.

 

Den stärksten Börsentag gab es laut «Cash» am 13. Oktober 2008 mit plus 11,39 Prozent. Mitten in der Finanzkrise kündigte Washington die Rettung von Grossbanken an.

 

«Hoch soll er leben und höhergehen», titelte die NZZ am 1. Juni. Das kommt wie eine Gratulation daher. Dabei soll es doch Unglück bringen, wenn man schon vor dem Geburtstag gratuliert. Mir wäre es recht. Sollen die Aktien doch endlich fallen, damit ich sie günstiger ergattern kann.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 1. Juli 2018

Claude Chatelain