Gopfried Stutz: Unfallzusatz nicht vergessen. Oder eine Abredeversicherung abschliessen

Es ist auch meinem Sohn passiert: Nach der Rekrutenschule hatte er einen Monat frei, ehe er seinen neuen Job antrat.

Ihm war bewusst, dass er während der RS bei der Militärversicherung gegen Unfall versichert ist, hatte aber nach der Entlassung nicht daran gedacht, die Unfalldeckung bei der Krankenkasse einzuschliessen.

 

Warum sollte er? Schliesslich hat er einen Vater, der sich in solchen Dingen auskennen sollte. Dumm nur, dass auch der nicht daran dachte. Nach etwa zehn Tagen kam mein Sohn von selbst darauf.

 

Subito rief er bei der Krankenkasse an und schilderte sein Begehren. Der Mann am anderen Ende der Leitung lachte und meinte, das komme immer wieder vor. Der Unfallzusatz für diesen einen Monat werde ihm mit der nächsten Prämienrechnung belastet.

 

Viele denken nicht daran, viele wissen es auch nicht: Armeeangehörige sind nur für die Dauer des Dienstes versichert, zudem für die Urlaube und den Hin- und Rückweg zum Dienst.

Ich liess mir sagen, dass häufig nicht nur nach der RS, sondern auch nach dem Lehrabschluss vergessen wird, den Unfallschutz bei der Krankenkasse anzumelden. Vielleicht liegt es daran, dass der Schutz während der Stifti oder einem anderen Arbeitsverhältnis erst 31 Tage nach dem letzten Arbeitstag erlischt.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, anstelle des Unfallzusatzes bei der Krankenkasse eine Abredeversicherung beim bisherigen Unfallversicherer abzuschliessen. Man wäre dann weiterhin gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) versichert statt nach dem Krankenversicherungsgesetz (KVG).

 

Dass das UVG deutlich bessere Leistungen verspricht als das KVG, da neben den Heilungskosten auch der Lohnausfall versichert ist, habe ich an dieser Stelle wiederholt betont.

 

Bei der Suva zum Beispiel kostet die Abredeversicherung 45 Franken. Das ist nur unwesentlich mehr als der Unfallzusatz bei der Krankenkasse, der je nach Franchise zwischen 15 und 30 Franken kostet. Wobei man wissen muss, dass man die Abredeversicherung nur auf maximal sechs Monate abschliessen und dann nicht mehr erneuern darf.

Ich fragte die Sprecherin der Suva, wie man auf die nichtssagende Bezeichnung Abredeversicherung gekommen sei. Sie wusste es nicht, werde das aber gerne abklären.

 

«Nicht nötig», erwiderte ich, konsultierte Wikipedia und fand heraus, dass Abrede für Leugnung steht, siehe: Lüge. Ein Schelm, der daraus schliesst, der Begriff «Abrede» für eine Versicherungslösung könnte nicht treffender sein.

 

Im UVG steht zu lesen: «Der Versicherer hat dem Versicherten die Möglichkeit zu bieten, die Versicherung durch besondere Abrede bis zu sechs Monate zu verlängern.»

Um sich auf den seltsamen Begriff «Abredeversicherung» einen Reim machen zu können, muss man allerdings Jurist sein.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 24. Juni 2018

Claude Chatelain