Gopfried Stutz: «Wenn es so weiter geht, wird für jede Quittung eine Gebühr verlangt.»

Diese fünf Herren sparen bei der Quittung. Die Mitglieder der Geschäftsleitung der Berner Kantonalbank.
Diese fünf Herren sparen bei der Quittung. Die Mitglieder der Geschäftsleitung der Berner Kantonalbank.

Ein Leser aus Pieterlen im Kanton Bern staunte nicht schlecht. Er ging wieder einmal zur Berner ­Kantonalbank (BEKB), um Bargeld auf das Konto seiner Frau einzuzahlen. «Zu meiner Überraschung zeigte mir die Schalterangestellte aber nur den Eintrag auf dem Bildschirm und sagte, es gebe jetzt keine Quittungen mehr, man wolle Papier sparen.»

Da ich nur selten in der Schalterhalle einer Bank ­aufkreuze, war mir dieser Spareifer entgangen. Bekannt ist mir natürlich, dass die monatlichen Auszüge je nach Kontotyp und Bank nicht mehr gratis zu ­haben sind. Aber die Quittung nach einer Einzahlung?

Was nützt mir der Blick auf den Bildschirm? Wer sagt mir, dass dieser Eintrag später bei einem Absturz nicht einfach verschwindet?

 

Auf Verlangen gibt es weiterhin eine Quittung

 

Die Fachspezialistin Unternehmenskommunikation bei der BEKB – früher sagte man Sprecherin – bestätigt mir den Sachverhalt. Sie meint jedoch, dass es auf «explizites Verlangen hin weiterhin problemlos möglich sei», am Schalter ­einen Beleg zu erhalten.

Offenbar hat der Mann zu wenig darauf gepocht, einen Beleg zu erhalten. Er meinte nur: «Wenn es so weitergeht, wird mit der Zeit bei den Banken für jede Quittung noch eine Gebühr verlangt.»

 

Rührend finde ich die Begründung der Fachspezialistin Unternehmenskommunikation: «Mit dieser Massnahme senken wir im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Umwelt unseren ­Papierverbrauch.»

 

Darüber kann der Mann aus dem Seeland nur lachen. «Ein totaler Witz» sei das, sagt er mir und verweist auf Depot­auszüge, die Ende Jahr im Briefkasten landen. Von den rund zehn Seiten, die man in der Regel etwa erhält, könne man höchstens die Hälfte gebrauchen. All die Aufteilungen nach Regionen, Währungen, Anlagekategorien liessen sich mühelos auf einer Seite auflisten und seien sowieso nutzlos.

 

Die ZKB verwendet Recyclingpapier

 

Ich wollte wissen, wie das andere Banken handhaben. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sagte mir: «Bei einer Bareinzahlung auf das eigene Konto an einem Schalter erhalten Kundinnen und Kunden immer eine physische Quittung.» Die ZKB verwende für die Quittungen 100 Prozent Recyclingpapier. Auch die CS erklärt, dass bei Bareinzahlungen Belege ausgehändigt würden. Es gebe keine Pläne, daran etwas zu ändern. Auch UBS-Kunden erhalten automatisch einen unterzeichneten Beleg.

 

Bei Raiffeisen  schliesslich versicherte mir ein Sprecher, dass derzeit die Schalterbelege standardmässig auf Papier ­unterschrieben würden. «Wir prüfen jedoch die Prozesse für die Zukunft genau – dazu gehört auch die Art und Weise der Unterzeichnung solcher Belege.»Geht es wirklich um einen umweltschonenden Papier­verbrauch? Oder um die Einsparung von Papierkosten oder ­sogar um etwas anderes? «Man will die Leute weg vom Schalter haben», sagt mir ein pensionierter Bankdirektor, mit dem ich Golf spiele, sofern es mein lädierter Rücken erlaubt. Soll mir noch einer sagen, Golf sei nicht gut fürs Networken.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 17. Juni 2018

Claude Chatelain