Liebhaberpapiere mit üpppiger Naturaldividende · Wie Sie mit Bergbahnaktien Kasse machen

Bergbahnaktien sind vor allem Liebhabepapiere. Aktionäre müssen sich mit bescheidenen Dividenden zufriedengeben. Üppiger ist die Naturaldividende in Form von Freikarten.

Um die 650 Frauen und Männer hoffen sehnlichst, dass am übernächsten Donnerstag, dem 24. Mai 2018, die Sonne scheint. Dann lädt die Rigi Bahnen AG zu ihrer jährlichen General­versammlung. Sie findet nicht in ­einem öden Kongresszentrum oder einer schmucklosen Tennishalle statt, sondern im Event-Zelt auf Rigi Staffel auf 1600 Meter über Meer.

 

Für diesen Ausflug erhalten die Aktionärinnen und Aktionäre ein Retourbillett im Wert von 72 Franken. Naturaldividende nennt sich das. Gemessen am Aktienkurs von derzeit rund zehn Franken ergäbe das eine Dividendenrendite von 720 Prozent. «Ergäbe» – und nicht «ergibt». Denn das Retourbillett gibt es pro Aktionär, nicht pro Aktie. Eine Bardividende kommt noch dazu. Vorgeschlagen sind zwölf Rappen pro Aktie. Aber: Das Billett gibts nur für den Tag der GV.

 

Ab 200 Aktien kann man eine Tageskarte beantragen

 

Immerhin: Ab 200 Aktien kann man eine Tageskarte beantragen, die zwei Jahre gültig ist, ohne an der GV anwesend zu sein. Dazu muss man aber auf die Bardivi­dende verzichten. Man rechne: 200 Aktien à zehn Franken sind 2000 Franken; 72 Franken davon entsprechen einer Rendite von 3,6 Prozent. Für Besitzer eines Halbpreisabos halbiert sie sich auf 1,8 Prozent.

 

«Die meisten Bergbahnaktien sind Liebhaberwerte», sagt Björn Zern, Spezialist für nicht kotierte Aktien und Betreiber der Website www.schweizeraktien.net. «Man kauft sie, weil man eine emotionale Bindung zum betreffenden Unternehmen hat.» Und sie sind auch deshalb beliebt, weil sie zum Teil mit verlockenden Naturaldividenden aufwarten. Das tun nicht nur die Rigibahnen.

 

Viele Gesellschaften haben Handel mit eigenen Aktien aufgegeben

 

Behördliche Auflagen erschwerten in den letzten Jahren den Kauf von nicht kotierten Inhaberaktien. Viele Gesellschaften haben deshalb den Handel mit eigenen Aktien aufgegeben. Das gilt auch für die Rigi Bahnen. Ihre Aktien sind seit Sommer 2016 entmaterialisiert. Will heissen, dass sie nicht mehr physisch ausgegeben werden, nur noch elektronisch.

 

Kaufen kann man sie trotzdem. Aber nur bei einer Bank. Da übersteigen die Gebühren schnell mal den Preis einer Aktie. Die Mindestcourtage beträgt in vielen Fällen 80 Franken, einmalig. Eine jährliche Gebühr fürs Wertschriftendepot kommt noch hinzu. Im Fall der Rigi Bahnen, wo eine Aktie zu zehn Franken zu haben ist, lohnt es sich deshalb nicht mehr, nur eine einzige Aktie zu kaufen, um jährlich eine Gratisfahrt finanziert zu bekommen.

 

 

Naturaldividende: Das bringen Schilthorn, Pilatus, Stanserhorn

Bei der Schilthornbahn erhält jeder Aktionär neben der Bardividende von 40 Franken ein Retour­ticket Stechelberg–Schilthorn und Mürren–Allmendhubel im Gesamtwert von 119 Franken. Gültig sind die ­Tickets während einer Woche vor der GV. Bei ­einem Aktienkurs von 2300 Franken ergibt das eine Rendite von 6,91 Prozent.

 

Bei den Pilatusbahnen erhalten nur jene Aktionäre zwei Freikarten im Wert von 72 Franken, die an der GV teilnehmen. «Damit können wir sicherstellen, dass nur solche Aktionäre von der Naturaldividende profitieren, die sich für das Unternehmen inte­ressieren», sagt Tobias Thut, Leiter Marketing und Verkauf. Dafür sind die Freikarten das ganze Jahr gültig. Zudem gibts heuer noch eine Bardividende von 40 Franken. Die Aktie kostet derzeit um die 2800 Franken.

 

 

Noch besser haben es die Aktionäre der Stanserhorn-Bahn, bei der man seit 2012 auf dem Gondeldach aufs 1900 m ü. M. gelegene Stanserhorn fahren kann. Da bekommt man nicht Freikarten pro Aktionär, sondern Freikarten pro Aktie. Und man braucht nicht an die GV zu pilgern, um jährlich in den Genuss der Freikarten im Wert von 74 Franken zu kommen. Allerdings sind sie nicht ganz gratis: Fünf Franken kostet das Stück. Gültig ist das Retourbillett zwei Jahre.

 

Die Stanserhorn-Bahn-Gesellschaft führt Aktien mit unterschiedlichem Nennwert: Die eine kostet derzeit um die 350 Franken. Beim Kauf solcher Aktien mit dem tieferen Nennwert ergibt das eine Traumrendite von über 20 Prozent.

 

 

Erschienen im SonntagsBlick am 13. Mai 2018


Claude Chatelain