Gopfried Stutz: Die Bschiss-Rendite: weniger als ein Prozent

Skandia erwirtschaftete weder 4, noch 7 noch 9 Prozent, sondern nicht mal ein einziges Prozent pro Jahr. 

Ich erzähle hier die Geschichte von Urs Müller. In Wahrheit heisst der 62-Jährige anders. Aber das tut nichts zur Sache.

 

1998 wars. Der damals 43-Jährige, wohnhaft im Speckgürtel von Bern, will etwas für die Vorsorge tun: Doppelverdiener. Kinderlos. Horrende Steuerlast. Also will Urs Müller nicht nur in die Vorsorge investieren, er will auch Steuern sparen. Der Versicherungsmakler empfiehlt ihm einen Skandia Life Plan 3b.

 

Bei dem Produkt mit dem nichtssagenden Namen handelt es sich um eine Einmalprämienversicherung. Man zahlt der Versicherungsgesellschaft einmalig die vereinbarte Summe, bei Ablauf der Versicherung erhält man das Geld – steuerfrei – samt aufgelaufenen Dividenden, Zinsen und Kursgewinnen zurück.

Steuersparvehikel

Damit die Steuerfreiheit gewahrt ist, muss das Produkt einen Versicherungsschutz bieten. Stirbt der Kunde vor Ablauf der Versicherung, erhalten die begünstigten Personen ein Todesfallkapital ausbezahlt. Meist ist es nicht viel grösser als die einbezahlte Prämie: ein Hinweis darauf, dass solche Produkte als Steuersparvehikel konzipiert sind – und nicht als Versicherungsschutz.

 

Der Abschluss einer solchen Versicherung ist natürlich nur sinnvoll, wenn das Geld auch erfolgreich angelegt wird und dem Versicherten schöne Gewinne beschert. Doch gerade hier hapert es.

 

Urs Müller zahlte eine Einmalprämie von 195'000 Franken. Skandia rechnete ihm vor, dass er nach 17 Jahren mit Alter 60 rund 558'800 Franken erhalten werde. Dies bei einem durchschnittlichen Fondswachstum von sieben Prozent.

Keine sichere Vorhersage

In den Unterlagen ist noch eine Tabelle zu finden, in welcher Skandia dem pessimistischere und optimistischere Prognosen gegenüberstellt. Bei einer jährlichen Wertzunahme von vier Prozent könne es 342'000 Franken geben; bei einer durchschnittlichen Performance von neun Prozent 768'000 Franken. Und irgendwo steht da noch: «Beachten Sie, dass dieses keine sichere Vorhersage für die Zukunft sein kann.»

 

Doch Skandia erwirtschaftete weder vier noch sieben noch neun Prozent pro Jahr, sondern nicht mal ein einziges Prozent. Das Sparkapital nach 17 Jahren betrug gerade mal 197'500 Franken. Somit erhielt Urs Müller Ende 2015 bloss 2403 Franken mehr, als er 17 Jahre zuvor einbezahlt hatte.

 

Sehr gut verdient hat dafür der Makler: Er erhielt für diesen Bschiss 12'207 Franken. Zudem stellte Skandia Verwaltungskosten von 6514 Franken in Rechnung. Und für die Verwaltung des Fondsportfolios zwackte das Unternehmen weitere 8219 Franken ab.

 

 

Wie konnte es so weit kommen? Erstens erzielte Skandia mit den Fonds nur gerade eine Jahresrendite von 1,34 Prozent. Zweitens sind da die horrenden Kosten, die der Makler dank seiner Überredungskünste einsackte. Häatte Skandia nicht vier, sieben oder neun Prozent Rendite versprochen, hätte Urs Müller diese Versicherung nie abgeschlossen.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 5. Mai 2018

Claude Chatelain