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Gopfried Stutz: «Ich bin so etwas wie der Festhypotheken-Typ»

Als bodenständigen Kerl fühle mich dann wohl, wenn ich nicht den Launen der Finanzmärkte ausgesetzt bin und wenn ich weiss, dass ich mit meinem Einkommen in der Lage bin, den Schuldzins zu bezahlen.
Als bodenständigen Kerl fühle mich dann wohl, wenn ich nicht den Launen der Finanzmärkte ausgesetzt bin und wenn ich weiss, dass ich mit meinem Einkommen in der Lage bin, den Schuldzins zu bezahlen.

Die häufigste Frage, mit der ich im Kollegenkreis konfrontiert werde, lautet: «Du Clödu, was rätst Du mir für eine Hypothek?»

Die Frage wird mir gestellt, obschon alle wissen, dass ich über keine hellseherischen Fähigkeiten verfüge. Sie wissen, dass ich nicht weiss, ob die Zinsen für Festyhypotheken steigen oder fallen werden, ob sich in zehn Jahren herausstellt, dass man mit einer zehnjährigen Festhypothek besser gefahren wäre als mit der Liborhypothek. Und doch traue ich mir durchaus zu, eine hilfreiche Antwort zu liefern: «Schliess die Hypothek ab, mit der Du Dich am wohlsten fühlst.»

 

Als bodenständigen Kerl fühle mich dann wohl, wenn ich nicht den Launen der Finanzmärkte ausgesetzt bin und wenn ich weiss, dass ich mit meinem Einkommen in der Lage bin, den Schuldzins zu bezahlen. Ich bin also so etwas wie der Festhypotheken-Typ.

 

Als ich 1997 ein Haus kaufte, konnte ich die Hypothek des Verkäufers übernehmen. Sie lief noch acht Jahre und hatte einen Zins von 5,25 Prozent. Auf dem Markt hätte ich für jene Hypothek einen Zins von 6 Prozent bezahlen müssen. Befreundete Banker rieten mir: Nimm die Hypothek.

 

Ich nahm sie. Wenig später zeichnete sich ab, dass das ein Fehler war. Die Zinsen sanken und sanken. Mit einer Hypothek mit variablem Zins wäre ich besser gefahren. Nicht eine Nacht habe ich deshalb schlecht geschlafen, zahlte gewissenhaft die Zinsen und genoss das Familienleben im eigenen Haus.

 

Als dann die Hypothek abgelaufen war, wurde mein Jahresbudget im Nu um über 10’000 Franken entlastet. Wow. Das spürte ich. Darüber freuten wir uns.

Es ist wie im Sport: Alles eine Sache des Kopfes.

 

Nun rechnen die Banken für 2018 wieder mit steigenden Zinsen. Das taten sie in der Vergangenheit immer wieder, nur um dann nach einer vorübergehenden Erholung wieder mit fallenden Zinsen überrascht zu werden. Aktuell bewegen sich die Hypothekarzinsen wieder nahe ihren Tiefständen. Laut Einschätzung von Lorenz Heim vom VZ Vermögenszentrum wird das aber vorläufig so bleiben.

 

Und wenn wir schon beim Thema sind: «Der Immobilienmakler erklärt seinem Kunden bei der Hausbesichtigung: «Ich will Ihnen nichts verheimlichen. Das Haus hat ein paar Nachteile. Im Norden befindet sich eine Mülldeponie, im Osten liegt eine Kläranlage, im Süden gibt es eine Stinktierzucht und im Westen eine Fischfabrik.»

 

Darauf der Käufer: «Oh Gott. Hat das Haus auch Vorteile?»

 

Der Makler: «Sie wissen immer, aus welcher Richtung der Wind kommt.»

 

Erschienen im SonntagsBlick am 28. Januar 2018

Claude Chatelain