Gopfried Stutz: Wie man die Progression bricht

Vielleicht haben auch Sie im Dezember einen Aufruf Ihrer Bank erhalten, noch im alten Jahr aufs 3a-Konto einzuzahlen, denn damit könnten Sie Steuern sparen. Ich wiederhole: Steuern sparen.

Dabei ist Steuern sparen gar nicht der Sinn dieser Einrichtung, sondern vielmehr die Selbstvorsorge. In Artikel 111 der Bundesverfassung heisst es: «Der Bund fördert in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Selbstvorsorge, namentlich durch Massnahmen der Steuern- und Eigentumspolitik.»
Dieser Verfassungsartikel wurde auch umgesetzt. Der Bund fördert die Selbstvorsorge, damit wir neben der AHV als erster Säule und der beruflichen Vorsorge als zweite auch noch eine dritte Säule aufbauen. Um zu verhindern, dass wir im Alter in finanzielle Abhängigkeit vom Staat geraten.
Offenbar braucht es Steuererleichterungen, um die Schweizerinnen und Schweizer zum Vorsorgesparen zu bewegen. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, kann jährlich bis zu 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen.
Daran hat sich im laufenden Jahr nichts verändert. Je nach Einkommen und Steuerprogression lässt sich die Steuerrechnung weiterhin locker um 2000 Franken entlasten. Bei Erwerbstätigen ohne Pensionskasse beträgt das Maximum 33 840 Franken oder 20 Prozent des Reineinkommens.
Ich selber nehme das Steuergeschenk gerne an und zahle seit Jahren in die Säule 3a ein. Aber nicht erst Ende Jahr, sondern Anfang Jahr, damit ich länger vom Zins- und Zinseszinseffekt profitieren kann. Der Zinsertrag ist zwar derzeit nicht gerade märchenhaft. Aber irgendwann werden wieder bessere Zeiten kommen.
Aus Steuergründen lohnt es sich, mehrere Konti 3a zu haben. Denn beim Bezug des Geldes muss eine einmalige Steuer bezahlt werden; in den meisten Kantonen ist sie progressiv. Und da man keine Teilbeträge beziehen darf, zahlt es sich aus, vom 60. Geburtstag an jedes Jahr ein 3a-Konto aufzulösen. Man nennt das die Progression brechen.
Der Kanton St. Gallen hat vor zwei Jahren einen proportionalen Steuersatz eingeführt. Dort funktioniert das Brechen der Progression nur bei der bescheidenen Bundessteuer.
Ausserhalb St. Gallens sieht das ganz anders aus. Bezieht etwa ein verheirateter Stadtberner fünfmal nacheinander jedes Jahr 20 000 Franken, addiert sich seine Steuerschuld inklusive Bundessteuer auf 2990 Franken. Bezieht er die 100 000 Franken hingegen auf einen Schlag, beträgt die Steuer 3926 Franken. Mit dem Brechen der Progression spart man also in der Stadt Bern 936 Franken. In Aarau beträgt die Steuerersparnis bei unserem Rechenbeispiel 1434 Franken, in der Stadt Basel 2144 und in Luzern sogar 2586 Franken.
In Zürich hingegen spart man im Beispielsfall lediglich bei der Bundessteuer. In diesem Kanton setzt die Progression bei Verheirateten erst ab einem Betrag von 369 000 Franken ein.
Wenn schon Steuern sparen, dann richtig.
Erschienen im SonntagsBlick am 21. Januar 2018

 

Claude Chatelain