Bergbahnen profitieren vom frühen Schnee

Nie zuvor wurden auf der Handelsplattform der BEKB so vielae Abschlüsse getätigt wie im ablaufenden Jahr. Unter den Berner Werten stachen Loeb und Espace Real Estate hervor.

42 Jahre stand Rolf Bigler in den Diensten der Berner Kantonalbank (BEKB). Nun tritt Mister OTC-X auf Ende Jahr in den Ruhestand – und dies erst noch nach einem Rekordjahr. Bis gestern hat die Handelsplattform der BEKB 10 270 Abschlüsse getätigt, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Handelsumsatz stieg um 77 Prozent auf 245,5 Millionen Franken.

Rolf Bigler, 42 Jahre bei der BEKB.
Rolf Bigler, 42 Jahre bei der BEKB.

Dies ist zum Teil der Versandapotheke Zur Rose geschuldet, deren angekündigter Börsengang für eine grosse Nachfrage sorgte. Aber auch der frühe Schnee beschert Impulse, zumindest bei den Bergbahnen. Freilich ist nicht immer klar, ob der Käufer die Aktien in der Hoffnung auf Kursgewinne oder in freudiger Erwartung einer Gratistageskarte ersteht, wie sie gewisse Bergbahnen als Naturaldividende abgeben. Klar ist hingegen, dass der OTC-X-Bergbahnen-Index ein Plus von 25,8 Prozent verzeichnet. In diesem Index sind 70 Bergbahnen enthalten, die auf der OTC-X gehandelt werden.

 

Die meisten Bergbahnaktien sind klassische Liebhaberwerte. Einige davon, etwa die Seilbahn Pischa in Davos oder die von den Jungfraubahnen kontrollierte Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren, verzeichnen im ablaufenden Jahr null Franken Umsatz.

 

Auf der OTC-X sind aber nicht nur Liebhaberwerte zu haben. Man findet auch Unternehmen, deren Aktien rege gehandelt werden und eine ansprechende Liquidität aufweisen. Acht Berner Unternehmen erzielten 2017 einen Handelsumsatz von über einer Million Franken. In der nebenstehenden Tabelle sind nur deren sieben aufgeführt. Es fehlt die Linde Holding, die Mitte Jahr die Umsatzrangliste noch anführte. Doch nachdem Hirslanden das Bieler Privatspital einverleibte, werden deren Aktien nicht mehr gehandelt.

 

Wie im letzten Jahr führen Loeb und Espace Real Estate die Umsatzstatistik an. Doch der Geldkurs des Loeb PS kommt nicht über die 200 Franken hinaus, wo er schon vor zwanzig Jahren stand, als man die Partizipationsscheine noch gebührenfrei beim Kundendienst kaufen konnte und es als Naturaldividende eine Eintrittskarte für eine Vorstellung im Circus Knie gab.

Doch wer Loeb-Papiere kauft, tut dies nicht wegen des in einem widrigen Umfeld kämpfenden Warenhausgeschäfts, sondern wegen der unterbewerteten Liegenschaften an bester Lage.

An Liegenschaften interessiert sind auch die Investoren der Espace Real Estate. Interessant an dieser Immobiliengesellschaft mit Sitz in Biel ist die Ausschüttung, die auch in Zukunft für Privatpersonen steuerfrei aus Kapitaleinlagereserven getätigt werden kann.

 

Vielversprechend ist die Ausschüttung auch bei der BiellaGruppe, die im Jahr 1900 als Schreibbücherund Papierwarenfabrik AG gegründet wurde. Die Dividendenrendite beträgt 3,7 Prozent. Laut Björn Zern von Zern & Partner liegt der Kurs derzeit auf einem attraktiven Niveau, «vorausgesetzt, dass die Biella-Gruppe den digitalen Transformationsprozess erfolgreich bestreiten wird».

 

Hervorzuheben ist zudem die Schilthornbahn. «Sie gehört zur Minderheit der Schweizer Bergbahnen, welche in den letzten Jahren ihre Ertragskraft verbessert hat», steht in einer Unternehmensanalyse von OTC-X-Research zu lesen. Die Verluste an Wintersportlern konnten mit asiatischen Gästen mehr als kompensiert werden.

 

 

Den Regionalbanken werden wegen strengerer Auflagen und tiefer Zinsen schwierige Zeiten vorausgesagt – und das seit Jahren. Und doch halten ihnen die Aktionäre die Treue. Das liegt vielleicht auch daran, dass Aktionäre Bankbilanzen lesen und somit feststellen können, dass die kleineren Banken tendenziell besser aufgestellt sind, als man das als unbedarfter Beobachter meinen könnte. Björn Zern macht zudem darauf aufmerksam, dass Regionalbanken zum Teil bis zu 50 Prozent unter dem ausgewiesenen Buchwert gehandelt werden.

 

Erschienen in der Berner Zeitung am 19. Dezember 2017

Claude Chatelain