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Gopfried Stutz: «Juhui – ein Fonds-Sparplan!»

Panda-Münzen neueren Datums sind nicht mehr ganz so vielversprechend wie auch schon.
Panda-Münzen neueren Datums sind nicht mehr ganz so vielversprechend wie auch schon.

Saisonbedingt rauschen derzeit allerlei Geschenkideen durch den vom Absterben bedrohten Blätterwald. Ich komme also kaum umhin, auch meinen Beitrag zu leisten – nein, natürlich nicht zum Absterben...

In einer materiell gesättigten Gesellschaft ist das Beschenken von Kindern besonders anspruchsvoll. Das Plüschtier gabs bereits bei der Geburt; für Spielzeug ist im Kinderzimmer kaum noch Platz und an Kleidern haben eher die Mütter Freude.

 

Aufgrund des Konzepts dieser Kolumne sollte ich mich ohnehin auf Geschenke konzentrieren, die einen monetären Mehrwert versprechen. Der Zielkonflikt dabei ist allerdings unübersehbar: Wenn statt einer Playmobilstation oder der aufgebrezelten Barbiepuppe ein ödes Sparbuch zum Vorschein kommt, darf man beim Auspacken kaum Freudensprünge erwarten. Gänzlich unvorstellbar, dass der Ohrwurm «Jingle Bells», der leise das Wohnzimmer beschallt, durch den Jubelschrei «Juhui, ein Fonds-Sparplan» übertönt werden könnte.

 

Dabei wäre es gerade das, was der oder die Beschenkte viele Jahre später mit Erreichen der Mündigkeit am meisten freuen würde.

 

Zahlt man immer den gleichen Betrag in einen Fondssparplan, gibt es bei höheren Kursen weniger Anteile und bei tieferen Kursen mehr Anteile fürs Geld. Durchschnittskosteneffekt nennt sich das.

 

Aber eben: Am Fest der Freude möchte man ja Freude bereiten, was bei einem Kind mit einem Fonds-Sparplan kaum klappen wird. Schon eher gelingt das mit einem Goldvreneli. Es sei nicht im Mindesten verstaubt und werde immer noch nachgefragt, sagt mir Beat Kummer vom Münzen & Raritätenshop in Bern.

 

Wobei die Nachfrage nach Goldmünzen in der Vorweihnachtszeit nicht gross ansteige. Es sei vielmehr der Goldpreis, der die Nachfrage bestimme. Das 20-Franken-Vreneli kostet derzeit um die 250, das Zehner-Vreneli um die 166 Franken.

 

Beliebt als Geschenke für Kinder sind etwa Chinas Panda-Münzen. Dabei ist es der Panda, der beim Kind für Glücksgefühle sorgt. Sie sind bereits ab 75 Franken zu haben – und jedes Jahr kommt eine neue Prägung heraus.

 

Leider haben die Chinesen die Auflage gesteigert. Panda-Münzen neueren Datums sind deshalb nicht mehr ganz so vielversprechend wie auch schon.

 

Beat Kummer empfiehlt daher Münzen aus Afrika. Oft sind darauf die jeweiligen Herrscher abgebildet. Da diese mitunter nicht ewig an der Macht sind, haben die Münzen nur eine Auflage von wenigen Tausend Stück. Ihr Wert steigt also nicht nur mit dem Goldpreis, sondern – im Unterschied zum Vreneli – auch durch das knappe Angebot.

 

Ob die Augen des beschenkten Kindes dann mit dem Gold in der Plastikhülle um die Wette leuchten, ist schwer zu prognostizieren.

 

Ich kann nur sagen: Glücklich all jene, die der Ware Weihnacht abgeschworen haben und sich auf die wahre Weihnacht freuen können.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 17. Dezember 2017

Claude Chatelain