Gopfried Stutz: Wenn der Computer über Anlagen entscheidet

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) stellt ihre Anlageberatung um. An der Medienkonferenz von letzter Woche war sogar von einem Paradigmenwechsel die Rede. Bei anderen Finanzhäusern sind ähnliche Bestrebungen im Gang.

Neu wird bei der ZKB nicht nur die Anlageberatung computerunterstützt vonstatten gehen. Als Folge der digitalen Unterstützung sollen auch andere Anlageentscheide getroffen werden als heute. Die Berater empfehlen ihren Kunden nicht länger einzelne Aktien oder bestimmte Fonds – das wird künftig Sache des Computers sein.

 

Der ermittelt, ähnlich wie bis anhin, zunächst das Risikoprofil des Anlegers. Dies lässt sich etwa dadurch berechnen, wann er oder sie auf das Vermögen zugreifen möchte. Es ergibt sich aber auch aus der Frage, ob es sich generell um einen risikoscheuen oder eher risikofreudigen Typ handelt.

 

Die Anlagestrategie leitet sich von fünf Risikoprofilen ab. Ist dieses Risikoprofil bei Kunde X und Kunde Y identisch, wird deren Vermögen in die exakt gleichen Wertschriften investiert. Das bedeutet, dass Anleger mit dem gleichen Risikoprofil die gleiche Rendite erzielen. Bisher liessen sich laut ZKB auch bei identischen Risikoprofilen zum Teil bedeutende Renditeunterschiede feststellen.

 

Investoren mit einem Anlagevermögen ab 100 000 Franken haben nun die Möglichkeit, das Portefeuille nach eigenem Gusto anzupassen.

 

Man kann zum Beispiel einen nachhaltigen Ansatz wählen und sagen, dass man diesen und jenen Liebhaberwert im Depot haben möchte. Oder dass man partout keine US-amerikanischen Aktien wünscht.

 

Interessant: Das Computerprogramm passt bei solchen Spezialwünschen das Portefeuille automatisch ans vorgegebene Risikoprofil an.

 

Bankkunden, die weniger als 100'000 Franken auf die Waage bringen, bekommen wie bis anhin Anlagezielfonds empfohlen. In der Regel führen Bankhäuser fünf gemischte Fonds mit unterschiedlichen Aktienund Obligationenanteilen im Sortiment. Je höher Risikoneigung und Risikofähigkeit, desto grösser der Aktienanteil.

 

Wer den Verantwortlichen zuhört, kann den Eindruck gewinnen, es handle sich bei all diesen Strategien um exakte Wissenschaft. Zwar haben sie Methoden entwickelt, wie man das Risiko eines Wertpapiers messen kann. Den Praxistest muss ihr Verfahren aber erst noch bestehen.

 

So kommt es öfter vor, dass vermeintlich risikoarme Anlagen höhere Renditen abwerfen als risikoreiche. Eine treffsichere Methode zur Vorhersage von Börsencrashs ist mir jedenfalls nicht bekannt.

 

Bekannt ist mir jedoch, dass auf jede Baisse eine Hausse folgt und umgekehrt. Deshalb: Kaufe in der Baisse und verkaufe in der Hausse! Das ist zwar nicht wirklich wissenschaftlich, vermutlich aber nicht weniger erfolgversprechend.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 10. Dezember 2017

Claude Chatelain