So findet man den passenden Nachhaltigkeitsfonds

Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern berücksichtigen 315 nachhaltige Fonds die Sozial- und Umwelt-verträglichkeit. Das Angebot ist doppelt so schnell gewachsen wie der Markt insgesamt.

 

 

Dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen vor allem seitens institutioneller Anleger im Steigen begriffen ist, ist schon länger bekannt. Diesen Trend bestätigt auch eine aktuelle Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern, die letzte Woche in Zug vorgestellt wurde. Doch laut Studienleiter Manfred Stüttgen ist auch bei Privatanlegern ein wachsendes Interesse festzustellen. Das gelte für Jüngere, Frauen und Personen mit höherem Bildungsgrad oder zivilgesellschaftlichem Engagement. «Damit aber noch mehr Anleger nachhaltig investieren, sollten die Anbieter ihre Produkte besser erklären und transparenter die positiven sozialen Wirkungen der Geldanlage darstellen», sagt Studienleiter Manfred Stüttgen.

Studenleiter Manfred Stüttgen.
Studenleiter Manfred Stüttgen.

Unklarer Begriff

 

Das wird bestätigen, wer schon mal ein Investment in nachhaltige Anlagen ins Auge fasste. Es fängt schon mit dem Begriff der Nachhaltigkeit an, der unterschiedlich definiert wird. Und wenn man klare Vorstellungen darüber hat, nach welchem Nachhaltigkeitsansatz das Geld angelegt sein soll, steht man vor einer Flut von Nachhaltigkeitsfonds, deren Transparenz zu wünschen übrig lässt. Gemäss der genannten Studie sind in der Schweiz 315 nachhaltige Fonds zum Vertrieb zugelassen. Vor zehn Jahren waren es «bloss» 131 gewesen. Sie verwalten ein Vermögen von 103 Milliarden Franken.

 

Der Klassenbeste

 

Unter diesen Fonds gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen. Beim Best-in-Class-Ansatz sucht der Fondsmanager jene Aktien heraus, die innerhalb ihrer Branche punkto Sozial- und Umweltverträglichkeit am besten – oder am wenigsten schlecht – abschneiden. So kann man in einem Nachhaltigkeitsfonds durchaus auch Dreckschleudern finden, wenn sie etwas weniger Dreck verschleudern als Mitbewerber. Das mag umweltpolitisch sinnvoll sein, ist aber nicht immer im Interesse von umweltbewussten Anlegerinnen und Anlegern.

 

Ausschlusskriterien

 

Beliebter sind Nachhaltigkeitsfonds, welche gewisse Branchen kategorisch ausschliessen. Bekannt ist etwa der Ausschluss von Herstellern von Streumunition, was nicht sonderlich originell ist. Einschneidender ist der Ausschluss fossiler Energie, wie das Umweltverbände auch seit längerer Zeit fordern. Gemäss der genannten Studie schliessen insgesamt 76 Prozent der Nachhaltigkeitsfonds gewisse Branchen aus.

 

 

Interessant ist die Entwicklung jener Fonds, die sich auf ein bestimmtes Nachhaltigkeitsthema konzentrieren. «Die Entstehung solcher Themenfonds geht meist Hand in Hand mit Trends in Wirtschaft und Gesellschaft», erklärt Manfred Stüttgen. Als die Rohstoffmärkte in den Nullerjahren einen Aufschwung erzielten, fand in der Folge ein breiter Diskurs über Ressourcen- und Rohstoffknappheit statt. So entstanden in den Jahren 2002 bis 2010 viele Wasser- und Energiefonds. Doch seit 2010 hat sich laut Stüttgen der Fokus in Richtung Klima und CO2 verlagert. Die Hälfte der Themenfonds, die über die letzten sechs Jahre entstanden sind, fokussieren auf den Schutz des Klimas und der Umwelt.

 

Fondssuche einfach gemacht

Es ist nicht einfach, im üppigen Angebot an Nachhaltigkeitsfonds ein Produkt nach dem eigenen Geschmack zu finden. Die Fondsgesellschaften führen zwar Fact-sheets mit einer Vielzahl von Kennziffern. Doch Angaben über den Nachhaltigkeitsansatz und allfällige Ausschlusskriterien sind nur rudimentär.

Eine Hilfestellung dazu bietet die auf Fondsratings spezialisierte Partners for Sustainability in Küsnacht. Auf ihrem Fundfinder kann man gezielt jene Fonds suchen, die gewisse Branchen ausschliessen. Die acht Ausschlusskriterien heissen:

  1. Alkohol, Herstellung
  2. Rüstung, Produktion
  3. Kohle abbauen
  4. Glücksspiel
  5. Gentechnik (Landwirtschaft)
  6. Kernenergieerzeugung
  7. Pornografie
  8. Tabak, Herstellung

 

Man kann ein Ausschlusskriterium anklicken. Man kann aber auch alle acht anklicken.

 

 

Nehmen wir als Beispiel die drei Ausschlusskriterien Rüstung, Kohleabbau und Kernenergieerzeugung. Bei diesen Vorgaben steht bei Partners for Sustainability der Oeko Sar Equity von Safra Sarasin zuoberst. In den zurückliegenden Jahren erzielte er eine Rendite von 34,5 Prozent. Wobei die Rendite nicht das alleinige Kriterium dafür ist, beim Fondsrating obenaus zu schwingen.

 

Zweites Beispiel: Will man alle Gesellschaften ausgeschlossen haben, die in einem der acht genannten Geschäftsfelder tätig sind, so liegt der WHEB Sustainability Fund an der Spitze.

 

Erschienen in der BZ am 28. November 2017


Claude Chatelain