Gopfried Stutz: Der dritte Beitragszahler lebt

Heute wollen wir uns dem dritten Beitragszahler widmen. Sie wissen schon: Pensionskassen werden aus Beiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Neben diesen zwei Beitragszahlern gibt es noch einen dritten: den Finanzmarkt mit all den Kursgewinnen, Zinsen und Dividenden, die dem Konto gutgeschrieben werden. Da er gemeinhin für tot erklärt wird, könnte Ihnen das jedoch entgangen sein.

Roland Kriemler, KGast
Roland Kriemler, KGast

Gewiss, der dritte Beitragszahler ist nicht so putzmunter wie einst, aber tot ist er auch nicht. Daran erinnerte mich kürzlich Roland Kriemler, Geschäftsführer von KGast, der Konferenz der Geschäftsführer von Anlagestiftungen.

 

Es stört ihn gewaltig, dass man oft nur von einer Anlagerendite von einem Prozent spricht: jener Rendite, welche die Vorsorgeeinrichtungen im Jahr 2015 im Schnitt zu erwirtschaften vermochten. «Es ist falsch, dieses eine Prozent auf die Folgejahre zu extrapolieren», sagt Kriemler. Massgebend sei die langfristige Betrachtung.

 

In den zurückliegenden fünf Jahren – von 2012 bis 2016 – haben die Pensionskassen im Schnitt eine Rendite von fünf Prozent erzielt. Und auch im laufenden Jahr deutet einiges darauf hin, dass der Trend nicht abreissen wird. Nach drei Quartalen verzeichnen die Pensionskassen laut Erhebungen von Swisscanto ein Plus von 4,71 Prozent.

 

Aber ja: Da war noch das rabenschwarze Jahr 2008, in dem die Pensionskassen im Schnitt ein Minus von 12,6 Prozent hinnehmen mussten. Da wir laut Roland Kriemler die Renditen langfristig betrachten sollten, nehmen wir die Periode von 2006 bis 2016: In diesen elf Jahren lag die durchschnittliche Rendite immerhin bei drei Prozent. Von wegen toter dritter Beitragszahler!

 

In den Neunzigerjahren war er tatsächlich besser in Form. Er sorgte dafür, dass sich das Freizügigkeitsguthaben in der zweiten Säule Jahr für Jahr schön vermehren konnte und die Pensionskassen trotz Alterung locker in der Lage waren, einen Umwandlungssatz von 7,2 Prozent zu finanzieren.

 

Doch dann war plötzlich Schluss mit jährlichen Renditen von bis zu zehn Prozent. Um die Jahrtausendwende platzte die Technologieblase und acht Jahre später platzte die Hypothekenblase in den USA, die zur weltweiten Finanzkrise führte.

 

Die Zinsen sanken und sanken. Der Bundesrat senkte nach und nach den gesetzlichen Mindestzins, mit dem das obligatorische Pensionskassenguthaben im Minimum verzinst werden muss. Gesenkt wurde auch der gesetzliche Mindestumwandlungssatz: von 7,2 auf 6,8 Prozent. Auf ein Alterskapital von 100 000 Franken gibts statt 7200 Franken heute noch 6800 Franken im Jahr.

 

Nichtsdestotrotz: Der dritte Beitragszahler ist besser als sein Ruf. Doch das Dilemma der zunehmenden Alterung, die unsere Pensionskassen zunehmend in Schieflage bringt – dieses Problem vermag auch er nicht zu lösen.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 26. November 2017

Claude Chatelain