Der garantierte Zins auf dem Prüfstand

Die Finma will den technischen Zins abschafffen.
Die Finma will den technischen Zins abschafffen.

Die garantierten Leistungen von Sparversicherungen ­haben in den vergangenen Jahren stets abgenommen. Dies, weil die Finanzmarktaufsicht den technischen Zins stets nach unten korrigierte. Nun steht der garantierte Zins auf dem Prüfstand.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) will den technischen Zins in der Einzellebensversicherung abschaffen oder zeitlich beschränken, wie man von verschiedenen Seiten zu hören bekommt. So will es die Finma zwar nicht bestätigen. Sie räumt nur ein, angesichts des aktuellen Zinsumfelds diesbezüglich mit der Branche im Austausch zu ­stehen. Das bestätigt der Schweizerische Versicherungsverband.

 

Was indessen beide nicht kommunizieren: In der Branche sorgt das Ansinnen der Aufsicht für Kopfschütteln. Die Versicherer wehren sich dagegen. Schliesslich sind Garantien, wie sie eben mit dem technischen Zins gewährleistet werden, das beste Verkaufsargument für Sparversicherungen.

 

Garantierter Zins

 

Der technische Zins ist jener Satz, mit welchem der Sparteil einer konventionellen Sparversicherung verzinst werden muss – und zwar bis zum Ende der Laufzeit. Er ist so gesehen ein garantierter Zins. Nicht selten werden Sparversicherungen schon in jungen Jahren abgeschlossen und haben deshalb eine Laufzeit von gut dreissig Jahren.

 

Wer in den 90er-Jahren eine langjährige klassische Sparversicherung abgeschlossen hatte, machte unter Umständen kein schlechtes Geschäft. Der garantierte Zins lag damals bei 3,5 Prozent. Von solchen Sätzen wagt man heute nicht einmal mehr zu träumen.

 

Wenn dann im Verlauf der Jahre das Zinsniveau sinkt, die Ver­sicherungen aber weiterhin den vereinbarten Zins garantieren müssen, gehen sie Risiken ein. Dem Versicherungsnehmer kann das zwar egal sein. Nicht aber der Versicherungsgesellschaft und somit auch nicht der Finma. Deshalb soll nach Angaben des Schweizerischen Versicherungsverbands das bestehende Regelwerk für die Garantien überprüft werden.

 

Neues Produkt der Mobiliar

 

Die Mobiliar hat diese Überprüfung bereits vorgenommen und mit der «Wandelbaren Sparversicherung» ein Produkt auf den Markt gebracht, das der neuen Entwicklung Rechnung trägt. Es heisst «Wandelbare Sparversicherung». Das Neuartige an diesem Produkt: Die Garantie ist auf zehn Jahre beschränkt. «Nach zehn Jahren bespricht der Berater der Mobiliar die aktuelle Situation und neue Ziele mit dem Kunden», wie im Verkaufsprospekt zu lesen ist. Sodann werde dem Kunden eine neue Anlage­lösung vorgeschlagen.

 

Laut Michèle Bergkvist-Rodoni, bis Juni Leiterin Vorsorge und seither Leiterin Marktmanagement bei der Mobiliar, ist das neue Produkt nicht wegen der Bestrebungen der Finma so konstruiert worden. Es sei vielmehr eine Antwort auf sich verändernde Kundendürfnisse. «Zehn Jahre ist für uns lang­fristig», sagt Michèle Bergkvist-Rodoni. In zehn Jahren könne sich im Leben viel ändern. Daher sei es angebracht, die Strategie regelmässig zu überprüfen.

 

Garantie auf zehn Jahre

 

Für den Versicherungsnehmer bedeutet dies, dass er die Garantien nur für zehn Jahre erhält, obschon solche Verträge nicht selten über dreissig Jahre laufen. Warum also den Versicherungsvertrag nicht auf zehn Jahre auslegen? Der mit Abstand grösste Teil der periodisch finanzierten Sparversicherungen ist gebunden und steuerlich begünstigt. Die steuerliche Begünstigung solcher 3a-Policen ist unter anderem an die Bedingung geknüpft, dass das Kapital frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter ausbezahlt wird – von einigen Ausnahmen abgesehen

 

Die Prämie solcher 3a-Policen setzt sich typischerweise aus drei Teilen zusammen: dem Sparteil, der effektiv angelegt und bei Verfall ausbezahlt wird; dem Risikoteil, der die Risiken Tod oder Erwerbsunfähigkeit abdeckt, sowie dem Kostenteil für die Entschädigung des Vertriebs und der Administration.

 

Zudem setzt sich bei neueren Produkten die Sparprämie häufig aus mehreren Teilen zusammen. Das gilt auch für die «Wandelbare Sparversicherung» der Mobiliar. Sie investiert einen Teil der Sparprämie in eine Anlage mit der genannten zehnjährigen Kapitalgarantie und den anderen Teil in einen Anlagefonds ohne Garantie. Laut Mobiliar ergeben beide Teile zusammen die Anlagelösung. «Diese lässt sich auf die Sicherheits- und Renditewünsche der Kunden sowie seine Sparziele abstimmen.» 

 

Erschienen am 21. November 2017

Claude Chatelain