Gopfried Stutz: Tut mir leid, jetzt wirds kompliziert...

Der Arzt wird zu einem dringenden Hausbesuch gerufen. An der Haustür empfängt ihn die schluchzende Witwe: «Sie sind umsonst gekommen, Herr Doktor.» – «Nicht umsonst, nur vergebens!»

Der Arzt wird zu einem dringenden Hausbesuch gerufen. An der Haustür empfängt ihn die schluchzende Witwe: «Sie sind umsonst gekommen, Herr Doktor.» – «Nicht umsonst, nur vergebens!»

 

Nicht vergebens sind die Krankenkassenprämien, nur etwas hoch. Mit dem Wechsel zu einer günstigeren Kasse lässt sich womöglich einiges sparen. Sparen kann man aber auch mit der Wahl der optimalen Franchise.

 

Gemäss einer Faustregel sollte man bei Krankheitskosten von unter 2000 Franken die höchste Franchise von 2500 Franken wählen. Ich stelle diese Regel in Frage: Sie hilft nur jenen, die wissen, dass ein Spitalbesuch bevorsteht oder wegen eines chronischen Leidens mehr als 2000 Franken für Arzt- und Medikamentenkosten aufzuwerfen sind.

 

Meistens weiss man nicht im Voraus, wie hoch die Krankheitskosten des kommenden Jahres ausfallen. Deshalb interessiert mich vor allem das finanzielle Risiko bei der Wahl der «falschen» Franchise. «Falsch» ist die 2500er-Franchise nämlich verblüffenderweise dann, wenn die Krankheitskosten mehr als 2000 Franken betragen. Und die 300er-Franchise ist zu teuer, wenn man für Arzt und Medikamente keinen Franken ausgeben muss.

 

Nehmen wir das Beispiel eines erwachsenen Bewohners der Stadt Zürich: Bei einer Franchise von 300 Franken zahlt er für das Standardprodukt der Helsana Fr. 479.90 pro Monat = 5759 Franken pro Jahr. Wählt er stattdessen die höchste Franchise, zahlt er im Jahr 4327 Franken, 1432 Franken weniger als mit der tiefen Franchise. Den Betrag von 1432 Franken muss man sich merken. So viel hätte man bei der Wahl der 2500er-Franchise sparen können.

 

Nehmen wir den umgekehrten Fall: Der Zürcher entscheidet sich für 2500 Franken Franchise und muss plötzlich ins Spital – mit Kosten von über 10 000 Franken. Insgesamt zahlt er 2500 Franken Franchise, 700 Selbstbehalt und 4327 Franken Krankenkassenprämien, also 7527 Franken.

 

Hätte er die 300er-Franchise gewählt, würden sich die Gesamtkosten «bloss» auf 6759 Franken belaufen. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 300 Franken Franchise, 700 Franken Selbstbehalt und 5759 Franken Prämienvolumen.

 

Also: 6759 Franken Gesamtkosten bei der 300er-Franchise versus 7527 Franken Gesamtkosten bei der 2500er-Franchise – ergibt eine Differenz von 768 Franken. Auch diese Zahl gilt es sich zu merken: Es ist der Betrag, den man bei hohen Krankheitskosten mit der 2500er-Franchise im Vergleich zur 300er-Franchise zu viel bezahlt hat.

 

Diese 768 Franken sind deutlich tiefer als die oben genannten 1432 Franken. Deshalb mein Tipp: Im Zweifelsfall die hohe Franchise von 2500 Franken wählen.

 

Das war Ihnen zu kompliziert? Tut mir leid. Ich hab das System nicht erfunden.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 5. November 2017

Claude Chatelain