Gopfried Stutz: Vergesst die Performance! Was zählt, sind die Kosten

Nennen wir ihn MisterX: Er ist Fondsmanager und hat es geschafft, Jahr für Jahr eine um 0,5 Prozent höhere Performance zu erzielen als der Durchschnitt. Chapeau, sollte man sagen – nur die wenigsten schaffen es, regelmässig den Markt zu schlagen.

Nennen wir ihn MisterX: Er ist Fondsmanager und hat es geschafft, Jahr für Jahr eine um 0,5 Prozent höhere Performance zu erzielen als der Durchschnitt. Chapeau, sollte man sagen – nur die wenigsten schaffen es, regelmässig den Markt zu schlagen.

 

Kann man einen solchen Aktienfonds vorbehaltslos empfehlen? Nein. Denn mich interessiert nicht, welche Performance Fondsmanager erzielten, mich interessiert die Rendite unterm Strich, die Rendite nach Kosten.

 

Um das Kunststück zu schaffen, über mehrere Jahre den Marktdurchschnitt zu übertreffen, muss Mister X viel Geld ausgeben. Er und sein Team müssen Bilanzen studieren, Analysen erstellen, Unternehmensberichte wälzen, Studien lesen, mit Wirtschaftsführern reden und einiges mehr. Dazu braucht es ausgebildete Frauen und Männer, die nicht gerade billig sind.

 

Irgendwer muss sie bezahlen. Doch wer? Natürlich der Anleger. All diese Aufwendungen werden dem Fondsvermögen belastet. Sie schmälern die Rendite.

 

Die Fachwelt nennt solche Kosten TER, Total Expense Ratio. Dieser Betrag wird auf den monatlich aktualisierten Faktenblättern ausgewiesen. In einem aktiv bewirtschafteten Fonds betragen sie gegen zwei Prozent.

 

Doch es geht auch günstiger – und zwar, indem ein Computerprogramm dafür sorgt, dass der Aktienfonds exakt einen Börsenindex abbildet. Für den Fondsmanager ist das so etwas wie eine Messlatte. Davon gibt es unzählige. Bekannt und relevant sind etwa der Swiss Performance Index (SPI), der Standard & Poor’s 500, der Euro Stoxx 50 oder der MSCI World. Die UBS hat im Frühling solche Indexfonds fürs breite Publikum geöffnet. Die TER beträgt bei diesen Angeboten 0,2 Prozent.

 

Man rechne: Wenn Mister X mit seinem Team den Börsenindex um 0,5 Prozent zu übertreffen vermag, dafür aber Kosten von zwei Prozent verursacht, liegt die Performance um 1,5 Prozent unter dem Index.

 

Wenn der entsprechende Indexfonds dagegen mit einer TER von 0,2 Prozent auskommt, liegt dieser im Vergleich zum Markt nur um 0,2 Prozent zurück. Eine Differenz von 1,3 Prozent über mehrere Jahre – das geht ins Geld!

 

Diese versteckten Kosten sind mit ein Grund, weshalb mehr und mehr Anleger auf Indexfonds schwören. Man spricht von passiven Anlagen oder von indexiertem Investieren.

 

Deshalb mein Tipp: Kaufen Sie keine Fondsanteile, bevor Sie sich auf dem Factsheet über die Höhe der TER vergewissert haben. 0,2 Prozent beträgt sie bei den Indexfonds der UBS oder CS. Die von Postfinance vertriebenen Indexfonds von Pictet dagegen weisen eine TER auf von 0,74 Prozent. Das ist definitiv zu hoch.

 

Erschienen im SonntagsBlick am 8. Oktober 2017

Claude Chatelain