Gopfried Stutz: Der Pictet-Indexfonds ist viel zu teuer

Heute befassen wir uns mit Fonds von PostFinance. Der Staatsbetrieb hat 30 Obligationen-, Länder- und Themenfonds von 14 verschiedenen Gesellschaften im Angebot, darunter auch drei Indexfonds von Pictet.
 Hohe Kosten schmälern die Rendite. Weil solche Fonds aber bloss einen Index abbilden, sind sie kostengünstig. Mit Kosten meine ich die «Total Expense Ratio». Die TER umfasst alles, was für die Bewirtschaftung eines Fonds anfällt.
Mir fiel auf, dass die Indexfonds von Pictet eine unverschämt hohe TER von 0,74 Prozent aufweisen. Also schreibe ich Pictet: «Wie kommt es, dass Ihre Indexfonds (Europa, Japan, USA) eine TER von 0,74 Prozent aufweisen; vergleichbare Produkte der CS weisen eine solche von 0,20 Prozent auf?» Pictet antwortet, die von mir genannten Fonds hätte eine TER zwischen 0,41 und 0,44 Prozent.
Also schreibe ich PostFinance: «Die Indexfonds von Pictet haben gemäss Ihrer Website eine TER von 0,74 Prozent, laut Pictet aber nur eine TER von 0,41 bis 0,44 Prozent. Wie erklären Sie diesen Unterschied?» Auch PostFinance antwortet umgehend: «Gemäss unseren Fondsspezialisten werden die TERs der entsprechenden Fonds auf der Website von Pictet ebenfalls mit 0,74 Prozent angegeben. Woher stammen ihre Zahlen?»
Zähneknischernd maile ich Pictet: «Sie finden im Link das Factsheet des Pictet Europe Index. Dort beträgt die TER 0,74 Prozent. Wie erklären Sie sich den Unterschied zu Ihren Angaben?»
Die Antwort von Pictet: «Wir können nur bestätigen, dass die normalen Anteilsklassen für Privatanleger (P Klasse) die bereits kommunizierten TER aufweisen. Für den Pictet Europe beträgt dieser 0,42 Prozent.»
Ich gelange erneut an PostFinance und erhalte folgende Antwort: «Pictet hat Ihnen unserer Meinung nach ein ‹falsches› Factsheet gegeben oder war sich nicht bewusst, dass es um den Retailfonds geht. (...) Wie es zu den verschiedenen Pricings zwischen dem Index-P und dem Index-R kommt, müsste Ihnen nun wieder Pictet erklären.»
Das tat Pictet postwendend: «Die Post benützt die R-Klasse des Fonds mit dem Pricing für Retail- oder Kleinstkunden. Diesen Kunden steht in der Schweiz aber auch die P-Klasse mit einer tieferen Gebühr zur Verfügung. (...) Der Entscheid, welche Fondsklasse die Post ihren Kunden anbietet, liegt nicht bei Pictet, sondern bei der Post.»
Ich kapituliere.
Hier nur so viel: Eine TER von 0,74 Prozent ist für einen Indexfonds definitiv zu hoch. Und es ist in keiner Weise einzusehen, weshalb die innerhalb eines Fonds anfallenden Kosten von Tranche zu Tranche derart abweichen.
Liebe PostFinance: Sind Sie sicher, dass Sie mit den Indexfonds von Pictet aufs richtige Pferd setzen?
Ich bezweifle es.
«Liebe Postfinance, sind Sie sicher, dass Sie mit den Pictet-Indexfonds aufs richtige Pferd setzen?»
Erschienen im SonntagsBlick am 10. September 2017

Claude Chatelain