Gopfried Stutz: So kommen Sie auch ohne Job zu einer Rente

Man könnte meinen, wir stimmen am 24. September nur darüber ab, ob künftige Rentnerinnen und Rentner 70 Franken mehr AHV erhalten sollen. Deshalb will ich einen anderen Punkt herausgreifen, der einen Fortschritt bedeutet und unbestritten ist. 
Es geht um Folgendes: Ältere Arbeitnehmer, die ohne Aussicht auf eine neue Stelle entlassen werden, bekommen heute in der beruflichen Vorsorge ein gröberes Problem. Sie müssen ihr Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto überweisen und erhalten im Alter keine Rente. Sie müssen das Kapital beziehen.
Nun haben sich die Sozialpartner darauf geeinigt, dass geschasste Ü58 bis zum ordentlichen AHV-Alter in der Pensionskasse versichert bleiben und im Alter nicht nur eine Rente erhalten, sondern sie auch noch aufbessern dürfen.
Allerdings müssen sie dazu nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberbeitrag zahlen. All das können sie vom steuerbaren Einkommen abziehen.
Fehlen die erforderlichen Mittel, sollte man sich mit der Vorsorgeeinrichtung auf einen tieferen versicherten Lohn einigen. Dadurch fällt die Rente zwar weniger hoch aus, aber immerhin.
Diese Übung ist aber nur sinnvoll, wenn man mit dem Aufschub der Rente in den Genuss eines höheren Umwandlungssatzes kommt. Falls die Vorsorgeeinrichtung den Umwandlungssatz senken sollte, bezieht man die Rente lieber zu früh als zu spät.
Fortschrittliche Vorsorgeeinrichtungen ermöglichen diese Weiterversicherung schon heute. Sie sind aber gesetzlich nicht dazu gezwungen. Im Gegenteil, das geltende Recht setzt den Pensionskassen sogar Schranken und limitiert die Weiterversicherung auf zwei Jahre.
Was viele nicht wissen: Wenn die Pensionskasse die Möglichkeit der Weiterversicherung nicht anbietet, kann man sich heute bei der Auffangeinrichtung BVG weiterversichern lassen. Mehr und mehr Menschen machen davon Gebrauch: 2015 waren es 725 Personen, 2016 bereits 1014 – eine Zunahme von 40 Prozent.
Das Aufschieben der Rente, wie es bei einer Zustimmung zur Altersreform ermöglicht würde, hat noch einen weiteren Vorteil: Bezieht man die Rente oder das Kapital, so wird dies beim Arbeitslosentaggeld angerechnet. Bei einer Aufschiebung der Rente oder einer späteren Auszahlung des Kapitals gibt es von der Arbeitslosenversicherung mehr Geld.
Hier muss man jedoch aufpassen: Frührentner haben nur Anspruch auf Arbeitslosentaggelder, wenn sie unfreiwillig gehen müssen. Wenn man sich aber bei einer Restrukturierung des Unternehmens mit dem Arbeitgeber auf eine Frühpensionierung einigt, bekommt man unter Umständen ein Problem. Wohlgemerkt: unter Umständen.
Die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn wir hier eine einheitliche Praxis hätten.
Erschienen im SonntagsBlick am 3. September 2017

Claude Chatelain