Gopfried Stutz: Was an Zahnspangen uncool ist

Wenn es eine Krankenzusatzversicherung gibt, die man vorbehaltlos empfehlen kann, so ist das die Zahnversicherung für Kinder. Aber Achtung: nicht die klassische Zahnversicherung für die Therapie von Karies, das Ziehen von Weisheitszähnen oder andere schmerzhafte Behandlungen! Ich spreche von der Versicherung, die Kosten für Zahnstellungskorrekturen mit Spangen und kieferorthopädische Behandlungen abdeckt.
 
Zahnspangen waren in meiner Jugend überhaupt nicht lässig (damals sagte man nicht «cool»). Heute sind die farbigen Gummeli Kult. Fällt ein Zahn aus dem Rahmen, schlägt die Stunde der Kieferorthopäden.
Also, liebe Eltern: Achten Sie darauf, dass Zahnspangen versichert sind – und dass die Versicherung bis zum vierten Altersjahr abgeschlossen ist. Denn sobald sich abzeichnet, dass bei Ihrem Kind gröbere Zahnstellungskorrekturen anstehen, kann man diese nicht mehr versichern. Logisch: Brennende Häuser kann man auch nicht mehr versichern.
Auf das Thema Zahnspangen brachte mich kürzlich Morena Hostettler Socha, die Leiterin der Ombudsstelle Krankenversicherung. Was sie mir erzählte, hätte ich einer mir unbekannten Person nicht geglaubt.
Wie wir wissen, ist es nicht unüblich, dass Versicherungsmakler bei Familien vorsprechen, um sie zum Wechsel der Krankenkasse zu überzeugen. Und da es für Makler vorteilhaft ist, wenn die ganze Familie beim gleichen Anbieter versichert ist, kommt es laut Ombudsfrau Hostettler Socha immer wieder vor, dass ein Makler die Kündigung der ganzen Versicherungspalette nahelegt, inklusive der Zahnversicherung für das Kind.
Wenn die neue, angeblich günstigere Versicherung die Deckung für das Kind mit den schrägen Zähnen ablehnt – Pech gehabt! Und so gelangen viele geprellten Eltern zur Ombudsfrau, die daran auch nichts mehr ändern kann.
Nicht vergessen, liebe Leser: Bald fallen die Blätter von den Bäumen – das ist die Saison der Makler, die Sie zum Wechsel Ihrer Krankenkasse bewegen wollen! Wechseln Sie dann meinetwegen die Grundversicherung, behalten Sie aber die Zusatzversicherung Ihres Kindes.
Und sollte der Makler einen unterschriebenen Vertrag der neuen Zusatzversicherung vorlegen, so haben Sie laut Morena Hostettler Socha immer noch keine Gewähr, dass der Versicherer im Schadensfall tatsächlich zahlt und nicht eine Anzeigepflichtverletzung geltend macht.
Wo wir beim Thema sind: Treffen sich drei Wale. Der erste: «Ich habe vor der französischen Küste einen Makler verschluckt, der war voller Rotwein – ich war zwei Tage blau.» Meint der zweite: «Ich habe vor Amerika einen Makler verschluckt. Der war voller Hasch – ich war sieben Tage high.» Der dritte: «Ich habe vor Helgoland einen deutschen Makler verschluckt, der war so hohl – ich konnte zwei Wochen lang nicht tauchen.»
Erschienen im SonntagsBlick am 27. August 2017

Claude Chatelain