Banken entdecken den Indexfonds

Indexfonds sind beliebt. Dies vor allem in der börsenkotierten Variante. Es gibt aber auch Indexfonds, die wie ein klassischer Anlagefonds funktionieren. Die Grossbanken haben solche eben erst lanciert.

Börsenkotierte Anlagefonds boomen. Und zwar deshalb, weil ­Anlegerinnen und Anleger den Fondsmanagern nicht zutrauen, dass sie mit einem aktiven Management eine Rendite zu erzielen vermögen, die über dem Marktdurchschnitt liegt. 
Als Folge davon kaufen Anlegerinnen und Anleger vorzugsweise Indexfonds, die einen passiven Anlageansatz verfolgen. Hier wird der Referenzindex möglichst exakt nachgebildet. Dabei setzt man vorab auf börsenkotierte Indexfonds, auf Englisch Exchange Traded Funds oder kurz ETF.
Neu auch fürs Publikum
Als Antwort auf diesen Trend lancierten Swisscanto, Credit Suisse und UBS in den vergangenen Monaten Indexfonds, die nach traditionellem Muster gestrickt sind. Sie werden von Banken heraus­gegeben und nicht an der Börse gehandelt. Konventionelle Fonds haben pro Tag nur einen Kurs. 
Häufig ergibt er sich aus der Summe der Schlusskurse der im Fonds befindlichen Aktien. Dabei gelten die Schlusskurse am Tag des Kaufs. Das heisst, dass man beim Kauf der Fondsanteile den Preis noch nicht kennt. Man nennt dies Forward Pricing.
Die UBS sagte es im Februar so: «Neben einem breiten Angebot an ETF können indexorientierte Privatanleger nun auch mit unserer attraktiven Palette klassischer Indexfonds kosteneffizient an der Wertentwicklung der gewünschten Referenzindizes partizipieren.» 
Spricht man in der Schweiz von Indexfonds, denkt männiglich an ETF. Das erstaunt nicht, war doch die klassische Variante vielfach nur institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und anderen Grossinvestoren vorbehalten. Deshalb sind ETF so etwas wie ein Synonym für Indexfonds geworden.
«Völlig falsch», sagt Ueli Stähli von der Bank EKI in Interlaken. «Auch Fonds, die aktiv verwaltet werden oder einen vom Anbieter selber konstruierten Index abbilden, können börsenkotiert sein. Diese Produkte weisen in der Regel höhere Kosten auf als Standardprodukte und können auch deutlich von der Rendite der bekannten Indizes abweichen.»
ETF versus Indexfonds
Weil das Akronym ETF zu einer Art Gütesiegel geworden ist, haben gewiefte Bankstrategen Anlagefonds kreiert, die zwar an der Börse wie eine Aktie gehandelt werden, aber nie und nimmer eine passive Strategie verfolgen. 
Zu denken sei an Short ETF, mit denen man auf fallende Kurse spekuliert; Hebel-ETF, mit denen man die Rendite vervielfachen kann oder Hedgefonds-ETF, bei denen schon der Name den spekulativen Charakter verrät.
«Kaufen Sie das ganze Heu»
Schliesslich muss man wissen, dass es Indexfonds gab, längst bevor ETF erfunden wurden. 1971 kreierte die US-Bank Wells Fargo einen Indexfonds, der alle 1500 Titel der New Yorker Börse nachbildete. 
Erschienen in der Berner Zeitung am 22. September 2017

Claude Chatelain