Gopfried Stutz: Aktien hängen auch mal länger als 10 Jahre durch

André Kostolany war immer für einen Börsenspruch gut.
André Kostolany war immer für einen Börsenspruch gut.

Börsenexperten raten: Wegen ihrer Risiken sind Aktien nur als langfristige Anlagen zu empfehlen. Unter langfristig verstehen sie etwa zehn Jahre. Dem Börsenaltmeister André Kostolany (1906–1999) genügten vier. Sein Rat: «In die Apotheke gehen, Schlaftabletten kaufen, sie einnehmen, eine Palette erstklassiger Aktien kaufen, den Wecker auf vier Jahre ein­stellen und dann schlafen.»

Börsenexperten raten: Wegen ihrer Risiken sind Aktien nur als langfristige Anlagen zu empfehlen. Unter langfristig verstehen sie etwa zehn Jahre. Dem Börsenaltmeister André Kostolany (1906–1999) genügten vier. Sein Rat: «In die Apotheke gehen, Schlaftabletten kaufen, sie einnehmen, eine Palette erstklassiger Aktien kaufen, den Wecker auf vier Jahre ein­stellen und dann schlafen.»
Zehn Jahre, vier Jahre? Vergiss es! Das Forschungsinstitut der Credit Suisse stellte diese Woche eine Langfriststudie vor, in der es die Performance von Aktien zwischen 1900 und 2017 analysierte. Der für Laien überraschende Befund: In allen 22 untersuchten Ländern gab es während 117 Jahren Durststrecken von mehr als zehn Jahren.

Die längste Periode mit negativer Rendite in der Schweiz – von 1907 bis 1931 – dauerte 25 Jahre. Pech hatte auch, wer 1961 einen Aktienkorb kaufte, der den Schweizer Markt abdeckte, und das Paket 13 Jahre später wieder verkaufte. 1974 waren Schweizer Aktien in ihrer Gesamtheit weniger wert als 1961. Nicht einmal vier Jahre wirkende Schlaftabletten, wenn es denn welche gäbe, hätten es da gebracht.
Mit diesen 25 Jahren gehört der Schweizer Aktienmarkt zu den eher sicheren Börsenplätzen: In Deutschland, Frankreich, Italien oder auch Japan dauerte die längste Trockenperiode länger als 50 Jahre. Auf dem grössten Ak­tienmarkt der Welt, dem der USA, waren es 16.
Was uns die Credit Suisse hier vorrechnet, ist alles zweifellos interessant und vielsagend. Doch sprechen wir hier von Märkten, nicht von ein­zelnen Aktien. 

Wer am 9. Mai 2000 für CS-Aktien den historischen Höchstkurs von Fr. 89.60 bezahlte, wird es wahrscheinlich gar nie erleben, mit jenem Investment eine positive Rendite zu erzielen. Das Papier kostet heute Fr. 14.89, 84 Prozent weniger als vor 17 Jahren.

Auch bei UBS, Zurich oder Swiss Re liegt der aktuelle um mehr als 50 Prozent unter dem höchsten je bezahlten Kurs.

Um solche Flops zu vermeiden, kauft man am besten Anlagefonds, die einen Markt beziehungsweise einen Börsenindex abbilden. Ich denke dabei an börsenkotierte Indexfonds, besser bekannt als Exchange Traded Funds. Von solchen ETF war in dieser Spalte schon die Rede. Und es wird auch diesmal nicht das letzte Mal sein. 

Solche passiven Fonds, die ohne menschliches Zutun einen Index abbilden, sind zwar günstiger als aktiv bewirtschaftete Aktienfonds. Doch auch ETF enthalten Gebühren. Und wenn zum Beispiel der Swiss Market Index (SMI) in einem Jahr um fünf Prozent zulegt, so wird die Performance des entsprechenden ETF unter diesen fünf Prozent liegen – eben wegen der Gebühren.
Und wenn wir schon beim Thema Indexfonds sind: Bekanntester Verfechter dieser passiven Anlagestrategie ist der US-Amerikaner John Bogle, Gründer der Vanguard Group. Seine Empfehlung: «Suche nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufe das ganze Heu.»
Erschienen im SonntagsBlick am 2. Juli 2017

Claude Chatelain