Gopfried Stutz: Über die Suva und über Fussballer

Die Fussballweltmeisterschaft 2022 in Katar findet während der Adventszeit statt. Für viele eine Schnapsidee. Zumindest aus der Sicht der Unfallversicherer hat der Zeitpunkt der Austragung auch Vorteile. 

Versicherungsgesellschaften, die nicht von Aktionären beherrscht sind, geben jeweils einen Teil ihrer Gewinne den Versicherten zurück. Bekannt dafür ist die genossenschaftliche Mobiliar, die einem Teil ihrer Kundschaft auf der nächsten Prämienrechnung eine Reduktion gewährt. Dieses Jahr kommen Inhaber ­einer Haushalt- und Gebäudeversicherung in den Genuss ­einer Prämienreduktion von 20 Prozent. 155 Millionen Franken werden auf diesem Weg den Versicherten zurückerstattet.

 

Auch die halbstaatliche Suva, bei welcher jeder zweite Arbeitnehmer der Schweiz gegen Unfall ersichert ist, operiert nach diesem Muster. Aufgrund des vorteilhaften Geschäftsgangs der vorangegangenen Jahre kommen den Versicherten 44,9 Mil­lionen Franken zugute. Freilich nicht allen, sondern nur Unternehmen solcher Branchen, bei denen die Prämieneinnahmen deutlich über dem Schadenvolumen liegen. Um welche Branchen es sich handelt, will die Suva aus unverständlichen Gründen nicht verraten.

 

Das Prämienniveau insgesamt soll jedoch stabil bleiben, nachdem es in den zurückliegenden sieben Jahren rückläufig war. Doch wenn ich bedenke, dass die Suva einen komfortablen Deckungsgrad von nahezu 140 Prozent aufweist, so möchte ich doch davon ausgehen, dass künftig eine breitere Prämiensenkungsrunde anstehen müsste. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass das Unfallrisiko zumindest bei den Berufsunfällen abnehmend ist.

Auf tiefere Prämien können wir auch deshalb hoffen, weil der Verwaltugnsrat paritätisch zusammengesetzt ist: aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. Beide haben nicht nur ein Interesse an einer finanziell gesunden Suva, sondern auch an möglichst tiefen Prämien. 

Problem für Unfallversicherer: Die Verletzungsgefahr an Grümpelturnieren ist gross.
Problem für Unfallversicherer: Die Verletzungsgefahr an Grümpelturnieren ist gross.
Gewusst? Am meisten Nichtberufsunfälle ereignen sich beim Fussballspiel. Wer schon mal an einem Grümpelturnier Knochen und Bänder strapazierte, wird darob nicht erstaunt sein. Von den rund 500'000 Freizeitunfällen gingen letztes Jahr 45'000 aufs Konto Fussball. Auf Ski und Snowboards verunfallten 33'000 Personen. Wobei Schneesportunfälle in der Summe höhere Kosten verursachen. 

 

Nun gibt es punkto Fussball noch ein neckisches Phänomen: Während Europa- oder Weltmeisterschaften registriert die Suva verhältnismässig geringe Fussballverletzungen, wie ich am Freitag am Rande der Medienkonferenz in Luzern vernehmen durfte. Kaum hat der Schiedsrichter den Final abgepfiffen, steigen die Unfälle sprunghaft an.
Das lässt sich nur damit erklären, dass sich der Hobbyfussballer von seinen Vorbildern übermotivieren lässt. Aus der Sicht der Suva und anderer Unfallversicherer wäre daher zu wünschen, dass Fussball-Weltmeisterschaften im Winter stattfänden, sodass sich Fussballer gedulden müssen und sich abkühlen können, ehe sie den Messis und Ronaldos nacheifern.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass ich dem Austragungsort der Fussball-WM 2022 etwas Positives abgewinnen könnte. Sie findet bekanntlich in Katar während der Adventszeit statt. War Sepp Blatter eben doch ein ­Visionär?

 

Erschienen im SonntagsBlick am 11. Juni 2017

Claude Chatelain