Gopfried Stutz:  Was die Mobiliar anders macht

Irgendetwas macht die Mobiliar besser als die andern. Wie sonst ist zu erklären, dass die Mobi bei den Sachversicherungen Jahr für Jahr den Mitbewerbern Kunden abluchsen und den Marktanteil steigern kann?

Die Mobiliar ist eine Genossenschaft. Das ist ihr Vorteil. Sie braucht sich nicht um aufmüpfige Aktionäre zu kümmern, die einzig am Kursgewinn und an der Dividende interessiert sind. Und da eine Genossenschaft keine Dividenden ausschütten muss, lässt sie ihre Versicherten mit Prämienvergünstigungen am Gewinn teilhaben. Das kommt immer gut an. 
Das allein vermag die Marktanteilsgewinne kaum zu erklären. Ich vermute, dass die Mobiliar vor allem auch in der Schadenabwicklung der Konkurrenz den Rang abläuft. Das erinnert mich an einen Fall, über den der «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens kürzlich berichtete.
Er handelt von einer Frau, die nach einer zweijährigen Mietdauer bei der Wohnungsübergabe vom Vermieter über den Tisch gezogen wurde. Die Wohnung verzeichnete übliche Abnützungen, hatte einen Hick im Laminatboden. Auch auf dem Plättliboden in der Küche gab es ein paar «Näggi». All das steht im Protokoll. Sie meldete die Schäden per Mail ihrer Haftpflichtversicherung.
Und jetzt der Hammer: Der Vermieter verlangte für die Schäden unglaubliche 8000 Franken.  Allein wegen eines lächerlichen Hicks im Fussboden will er den Wohnzimmerboden von 56 Quadratmetern vollständig ersetzt haben. Und das nicht gerade im neusten Haus, wie der Fernsehzuschauer sehen kommen.
Hier machte natürlich die Versicherung nicht mehr mit. Der Sachbearbeiter beruhigte die Mieterin und versicherte ihr, sich der Sache anzunehmen. Das tat er auch. Er einigte sich mit dem Vermieter auf eine Pauschale von 5000 Franken. «Geits no?»
Da ist immer noch viel zu viel. So folgt der Hammer Nummer zwei. Die Generali kündigte der Kundin die Versicherung: Schäden und Prämie stünden in keinem Verhältnis, lautete die Begründung.
Sobald ein Mitglied eine überproportionale Schadenquote aufweise, belaste dies die anderen Mitglieder übermässig, heisst es bei der Generali. Dies habe zur Folge, dass die gesamten Prämieneinnahmen nicht mehr im Verhältnis zu den versicherten Risiken stünden und das Solidaritätsprinzip nicht aufzugehen drohe. So wurde es vom «Kassensturz» erzählt.
Zur Verteidigung der Generali will ich noch ergänzen, dass die Kündigung nicht allein aufgrund der 5000 Franken erfolgte, sondern «aus einer Gesamtsicht erfolgte», wie mir ein Sprecher versicherte, inklusive Vorschäden aus vergangenen Jahren. 
Na ja. Die Mieterin, die  an den «Kassensturz» gelangte, sollte mit der Kündigung leben können. Es gibt ja nicht nur die Generali. 
Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Mann muss ins Gefängnis und schreibt folgenden Brief: «Hiermit kündige ich meine Haftpflichtversicherung. Ich bin in Haft und brauche deshalb keine Haftpflichtversicherung.» 
Erschienen im SonntagsBlick am 23. April 2017

Claude Chatelain