Die Mobiliar wächst erneut stärker als der Markt

Der Markt der Motorfahrzeug- und Sachversicherungen ist 2016 um 1,1 Prozent gewachsen. Fast die Hälfte dieses Wachstums absorbierte die genossenschaftlich organisierte Mobiliar.

«Mit einem Gewinn von 439,5 Millionen Franken für das Geschäftsjahr 2016 weist die Mobiliar ein sehr gutes Ergebnis aus», sagte gestern Markus Hongler, CEO der Mobiliar. «Damit ist es uns einmal mehr gelungen, schneller als der Gesamtmarkt zu wachsen.»
Schweizweit wuchs der Markt im Nichtlebengeschäft um 1,1 Prozent oder 168,8 Millionen Franken. Davon flossen 74,2 Millionen zur Mobiliar. Oder wie es Finanzchef Peter Brawand ausdrückte: «Jeder zweite Neukunde wählte die Mobiliar.» Noch krasser war es im Jahr zuvor: Da verzeichnete die Mobiliar ein höheres Wachstum als der Markt insgesamt.
Insgesamt konnte die Mobiliar im letzten Jahr 34 000 neue Kunden begrüssen. Davon stammen nicht wenige von der Konkurrenz. Denn auch beim Marktanteil legt der grösste Sachversicherer der Schweiz weiter zu: Er stieg im Nichtlebenbereich von 18,2 auf 18,5 Prozent. In der Sach-, der Motorfahrzeug- wie auch in der Haftplichtversicherung ist die Mobiliar Marktführerin.
Nachfrage übersteigt Angebot
Im Lebengeschäft, das im waadtländischen Nyon angesiedelt ist, ist die Mobiliar ein vergleichsweise kleiner Player. Der Marktanteil beträgt gerade mal 4,5 Prozent. Doch auch hier zeigt der Trend aufwärts: «Die Mobiliar wächst – der Markt schrumpft», bringt es Michèle Bergkvist-Rodoni, die Leiterin Vorsorge, auf den Punkt.
Bemerkenswert ist hier der Umstand, dass bei der Sparversicherung mit wiederkehrenden Einzelprämien die Nachfrage stärker wächst als das Angebot. Aufgrund der angespannten Finanzsituation hatte die Mobiliar entschieden, bei der «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung» die Sparprämie auf maximal 3000 Franken pro Kunde zu begrenzen.
Wie schafft es die Genossenschaft, in einem weitgehend gesättigten Markt zu wachsen und die Konkurrenz hinter sich zu lassen? Finanzchef Peter Brawand beantwortete die Frage mit einer Grafik mit dem Titel «Kundenzufriedenheit». Sie zeigt, dass die Mobiliar seit 2012 ununterbrochen mit Abstand an der Spitze liegt. Durchgeführt wurde die Befragung durch Demoskope.
Zufriedene Kunden schafft man etwa mit einer unbürokratischen Schadenabwicklung. Hier hat die Mobiliar den Vorteil, dass die Generalagenturen über eigene Schadenexperten verfügen, die bei Bedarf sofort vor Ort sein können.
Genossenschaft als Vorteil
Ein weiterer Vorteil liegt in der Rechtsform. Erzielt eine Aktiengesellschaft hohe Gewinne, so profitieren die Aktionäre in Form hoher Dividenden. Bei der genossenschaftlich organisierten Mobiliar profitieren hingegen die Versicherten in Form von Prämienreduktionen. So kommen die Inhaber einer Haushalt- und Gebäudeversicherung ab Mitte 2017 in den Genuss einer Prämienreduktion von 20 Prozent. 155 Millionen Franken werden somit den Versicherten zurückerstattet. Das ist der gleiche Betrag wie im Vorjahr, nur dass letztmals die Inhaber einer Motorfahrzeugversicherung mit einer Prämienreduktion beglückt werden konnten.
Vom guten Geschäftsgang profitieren aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Mobiliar kann es sich leisten, der Pensionskasse einen patronalen Zuschuss von 72 Millionen Franken zu überweisen. Damit können die laufenden Renten auf dem tieferen Zinsniveau ausfinanziert und Quersubventionierungen der Rentnerinnen und Rentner durch die aktiven Versicherten vermieden werden.
Neue Versicherung deckt Schäden bei Datenverlust
Die Mobiliar lanciert eine Cyberschutzversicherung als Baustein zur Hausratversicherung. Das Angebot kostet für eine Person 60 Franken im Jahr und deckt unter anderem Schäden bei Datenverlust oder Missbrauch von Kreditkarten und Onlinekonten.
Wie aber wird der Schaden verlorener privater Daten beziffert? «Der persönliche finanzielle Schaden beim Datenverlust ist individuell und steht nicht im Vordergrund», sagt Patric Deflorin, Leiter Nichtleben. «Wir schätzen eine Wiederherstellung der Daten für den Kunden als wertvoller ein.» So arbeitet die Mobiliar mit Spezialisten zusammen, die bei der Suche verlorener Daten helfen können. Zudem beinhaltet das Versicherungspaket eine Datenspeicherlösung mit einer Partnerfirma, wo man private Daten bis zu 20 Gigabytes speichern kann.
Erschienen in der BZ am 7. April 2017

Claude Chatelain