Gopfried Stutz: Bargeld sollte bei Einbrüchen nicht versichert sein

Es gibt zwischendurch auch positive Nachrichten. Zum Beispiel der statistische Befund, dass die Zahl der Einbruchdiebstähle weiter rückläufig ist. Experten erklären das mit Präventionsmassnahmen, die sich im Verlauf der Jahre verbessert hätten.

Strafrechtsprofessor Martin Killias sieht einen anderen Grund. Er sagte in der Nachrichtensendung «10 vor 10», dass sich Einbrechen nicht mehr lohnt. Das klassische Diebesgut sei weniger wert als früher. Man könne es kaum mehr verkaufen.
Damit sich das Einbrechen definitiv nicht mehr lohnt, müssten Mieter und Wohneigentumsbesitzer ihr Verhalten ändern. Dann sollten sie kein Bargeld herumliegen lassen und den Goldschmuck im Tresor lagern.
Ich trage das Bargeld stets auf mir. Maximal 300 Franken. Wenn es mir ausgeht, bediene ich mich am Postomaten. Pech für jene Einbrecher, die vor fünf Jahren durchs Balkonfenster in meine damalige Wohnung im Hochparterre eindrangen. Sie hatten schnell gemerkt, dass hier ein Mann mit seinem Teenagersohn wohnt und dass nichts zu holen ist. Die Kleider liessen sie im Schrank, ohne sie zu durchwühlen. Sämtliche Bilder waren abgehängt und ordentlich hingelegt. Es muss wohl Leute geben, die ihr Geld hinter Bildern verstecken. Mein Laptop interessierte sie nicht. So gingen die Schurken mit leeren Taschen von dannen. Die Versicherung musste schliesslich nur für die kaputte Balkontür aufkommen.
Schadenexperten von Versicherern bestätigen mir, dass es die Gauner allein auf Geld und Gold absehen. So war ich ziemlich verblüfft, als mir die Sachbearbeiterin am Telefon offenbarte, dass Bargeld bis 5000 Franken versichert sei. Das gehöre zum Standardangebot.
Ich finde das falsch. Möchten die Versicherungen ihren Beitrag zu einer weiteren Senkung der Einbruchsrate leisten, sollten sie gestohlenes Bargeld nicht versichern. Und Schmuck nur bis zu einem relativ bescheidenen Betrag von ein paar Tausend Franken. Das könnte Mieter und Hauseigentümer vielleicht davon abhalten, ihre Wertsachen zu Hause zu verstecken. Davon wollen die Versicherer jedoch nichts wissen. Sie sagen, die Versicherungsdeckung entspreche einem Kundenbedürfnis.
Wohl eher einem Kundenanliegen entsprächen tiefere Prämien, wenn man bedenkt, dass bei Einbruchdiebstählen 40 bis 50 Prozent der Schadensumme auf Bargeld und Schmuck entfallen. Die Axa Winterthur kommt diesem Bedürfnis zumindest teilweise entgegen. Beim Basisangebot sind Bargeld und Schmuck maximal mit 1000 Franken versichert. Das macht die Prämie um 40 Prozent günstiger.
Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Einbrecher kommt erneut hinter Schloss und Riegel. Fragt der Gefängnisdirektor: «Warum sind Sie denn schon wieder hier?» Antwort des Einbrechers: «Geburtsfehler! Finger zu lang, Beine zu kurz.»
Erschienen im SonntagsBlick am 2. April 2017

Claude Chatelain