Swiss Health geht die Luft aus

Das Grand Resort Bad Ragaz ist noch Mitglied von Swiss Health.
Das Grand Resort Bad Ragaz ist noch Mitglied von Swiss Health.
Zur Vermarktung der Gesundheitsdestination Schweiz ist Ende 2008 Swiss Health gegründet worden. Der Verein kommt nicht vom Fleck. Auch wegen des fehlenden Engagements von Schweiz Tourismus.
Das Reiseland Schweiz hat im Ausland einen ausgezeichneten Ruf und eine lange Tradition. Man denke nur an all die noblen Herbergen in den Alpen und all die Engländer, die schon im 19. Jahrhundert die schöne Landschaft entdeckten.
Auch die Gesundheitsdestination Schweiz hat im Ausland einen guten Ruf und eine lange Tradition. Man denke nur an die Höhenkliniken in Davos, die nicht zuletzt dank dem «Zauberberg» von Thomas Mann berühmt wurden. Man denke auch an all die betuchten Italiener, die ihre Gelenke beim berühmten Berner Orthopäden Maurice Müller reparieren liessen.
Für das Standortmarketing des Reiselandes Schweiz ist Schweiz Tourismus zuständig. Und für die Gesundheitsdestination Schweiz wäre es Swiss Health.
80'000 Franken Jahresbudget
Schweiz Tourismus verfügt über ein Jahresbudget von rund 100 Millionen Franken. Ungefähr 55 Prozent werden vom Steuerzahler berappt. Swiss Health muss mit einem Budget von 80'000 Franken auskommen. Vom Bund erhält der Verein nichts mehr.
Ende 2008 wurde Swiss Health unter Mitwirkung von Schweiz Tourismus, dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und der Osec gegründet. Die Osec, die sich heute Switzerland Global Enterprise (S-GE) nennt, sagt es so: «Das Ziel dieses Vereins war es, das Schweizer Gesundheitswesen und dessen Leistungen international zu vermarkten und ausländische Patienten in die Schweiz zu bringen.» Die Aufgabe von S-GE sei es gewesen, den Prozess anzuschieben und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
1,4 Millionen Steuergelder
Zu diesem Zweck ist auch Geld geflossen. Insgesamt erhielt Swiss Health vom Bund 1,4 Millionen Franken. Wie eine Seco-Sprecherin erklärt, habe man stets betont, dass die finanzielle Unterstützung als Anschubfinanzierung zu verstehen sei.
Switzerland Global Enterprise ist seit 2011 nicht mehr in den Gremien von Swiss Health vertreten. Auch Gründungsmitglied Schweiz Tourismus hat sich aus dem Vorstand von Swiss Health verabschiedet. Heute darf man ernüchtert feststellen: Das Projekt ist gescheitert.
Da waren es nur noch 16
Am Scheitern sind auch die Nutzniesser, sprich Spitäler und Rehakliniken, mitschuldig. Heute zählt der Verein noch 16 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von je 5000 Franken bezahlen. Darunter sind fünf Unispitäler, diverse Kantonsspitäler, die Uniklinik Balgrist, das Kinderspital Zürich, das Therapiezentrum Küsnacht Practice oder auch die Leukerbad Clinic. Es waren aber auch schon mal 35.
«Viele Mitglieder glaubten, Swiss Health sei eine Patientenvermittlungsorganisation», bedauert Vereinspräsident und Gründungsmitglied Peter Kappert. Bis vor vier Jahren war Kappert Direktor und Verwaltungsratspräsident der Sonnenhof-Kliniken in Bern, die mittlerweile zur Lindenhof-Gruppe gehören. Letztere ist nicht Mitglied von Swiss Health. Das gleiche gilt für die Gruppierung Swiss Leading Hospitals, die von Kappert bis Ende 2016 präsidiert wurde.
Hirslanden sagte Adieu
Die Privatklinikgruppe Hirslanden, nach eigenen Angaben «das grösste medizinische Netzwerk der Schweiz», hat die Mitgliedschaft per Ende 2014 gekündigt, weil man die «Ausrichtung der Aktivitäten und deren Fokus geändert habe», so die offizielle Darstellung.
Inoffiziell ist indes zu erfahren, dass Hirslanden ausgestiegen ist, weil sich Schweiz Tourismus zu wenig engagierte.
Ohne Geld geht nix
Das Swiss Medical Network, wie sich die Genolier-Gruppe heute nennt, war gar nie mit dabei. «Mit Genolier International haben wir unsere eigene Organisation. Der Verein Swiss Health hätte mehr von uns profitiert als wir von ihm», sagt Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan. Er findet, das Standortmarketing für den Gesundheitstourismus müsste bei Schweiz Tourismus angesiedelt werden. «Das finde ich auch», sagt Präsident Peter Kappert. Doch Schweiz Tourismus will davon nichts wissen.
Genau deshalb hatte ja Schweiz Tourismus zusammen mit Partnern vor acht Jahren den selbstständigen Verein Swiss Health aus der Taufe gehoben. Eine separate Organisation sei nötig, so ein Sprecher, weil bei Schweiz Tourismus und auch bei ihren touristischen Partnern die Fach-Kompetenz für medizinische Beratung und Betreuung nicht in genügendem Masse vorhanden sei.
Mag sein, dass eine separate Organisation nötig ist. Doch ohne Geld kann keine Organisation funktionieren.

GRAUBÜNDEN HEALTH

Während auf eidgenössischer Ebene wenig bis gar nichts für den Gesundheits-tourismus getan wird, sieht es auf kantonaler Ebene besser aus. So hat die Bündner Regierung den Gesundheits-tourismus zu einem Schwerpunkt ihrer Tätigkeit für die kommenden vier Jahre gemacht. «Der Kanton Graubünden verfügt über eine dezentrale und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung», schreibt Philipp Gunzinger im aktuellen «Graubünden Exclusiv». Gunzinger ist FDP-Grossrat und Präsident der regierungsrätlichen Steuerungsgruppe Gesundheitstourismus. An der «1. Konferenz zum Gesundheits-tourismus in Graubünden», die im September 2015 in Pontresina abgehalten wurde, nannten Experten Onkologie, Orthopädie, Kardiologie, Urologie und Psychosomatik als Fachgebiete mit Potenzial. Dazu komme eine breite Palette an Rehabilitations-programmen. Bekannt über die Kantonsgrenzen hinaus sind etwa die Klinik

Gut in St. Moritz, die Therme Vals oder die  Bäderlandschaft Bad  Scuol. Aufgabe der eben gegründeten Steuerungs-gruppe wird es sein, Konzepte und Strategien zur Förerung export-orientierter Gesundheitsdienst-leistungen zu entwickeln. Geplant ist unter anderem die Internetplattform Graubünden Health. Vorgesehen ist auch die Unterstützung von Medical-Wellness-Hotelprojekten durch fachliche Beratung im medizinischen Bereich.

 

Wie viel diese Übung den Steuerzahler kosten wird, ist laut Gunzinger noch nicht bekannt. Geplant ist eine Anschubfinanzierung durch den Kanton. Un eine Parallele zur nationalen Vermarktungsorganisation gibt es: Geschäftsführer ist Andrey Reljic. Er ist auch Geschäftsführer von Swiss Health.

 

 

Erschienen in der BZ am 1. Februar 2017


Claude Chatelain