Das neue 3a-Produkt der Mobiliar läuft besser als erwünscht

Die vor anderthalb Jahren lancierte «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung» der Mobiliar verkauft sich gut, vielleicht sogar zu gut. Die garantierte Leistung wurde gesenkt und die Höhe der Prämie limitiert.                  

Auf den 1. Mai 2015 brachte die Mobiliar eine neuartige Lebensversicherung auf den Markt. Der Produktname heisst etwas sperrig «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung». Der Markt hatte kaum auf eine weitere 3a-Police gewartet, auch wenn das Mobi-Produkt in seiner Konstruktion einzigartige Elemente enthält. Entsprechend verhalten war der Applaus von Branchenbeobachtern.

1000 Abschlüsse pro Monat

Auch die Mobiliar scheint nicht allzu hohe Erwartungen in ihren neuen Wurf gesteckt zu haben, wurde aber positiv überrascht. Für die acht Monate im Jahr 2015 rechnete Michèle Bergkvist-Rodoni mit rund 1000 Abschlüssen. Doch es wurden 10'000, wie die Leiterin Vorsorge der Mobiliar-Grupp verrät. Im zurückliegenden Jahr bestätigte sich der Erfolg: Im Durchschnitt verzeichnete die Mobiliar 1000 Abschlüsse pro Monat, 12'000 im Jahr.

Die Freude über die hohe Nachfrage hält sich jedoch in Grenzen. «Die weiterhin angespannte Finanzmarktsituation veranlasst uns, die Sparprämie auf maximal 3000 Franken pro Kunde zu begrenzen», schreibt die Mobiliar ihren Maklern. Zudem ist die Garantie bei Neugeschäften von 100 auf 97 Prozent gesenkt worden.

Garantiert sind 97 Prozent

Frau Bergkvist, wie erklären Sie sich diesen Erfolg? «Wir garantieren den Kunden, dass sie von ihrer einbezahlten Sparprämie bei Ablauf mindestens 97 Prozent zurückerhalten. Gleichzeitig haben sie durch die Beteiligung am Anlageerfolg der Mobiliar Leben gute Chancen, deutlich mehr zu erhalten.» Das sei fair und entspreche der Tradition der genossenschaftlich verankerten Mobiliar, ihre Kunden am Erfolg zu beteiligen. «Für viele Ziele und Wünsche unserer Kunden ist die neue Sparversicherung ein sehr gutes Produkt, das im Markt einzigartig ist», ist Bergkvist-Rodoni überzeugt.

Einzigartig ist die «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung» insofern, als sie einen Rückkaufswert von 97 Prozent auf der Sparprämie garantiert. Damit will die Mobiliar dem Postulat der Transparenz Rechnung tragen. Wobei sich die genannten 97 Prozent bei der Mobiliar nicht auf die einbezahlte Prämie, sondern lediglich auf die Sparprämie beziehen, was auch nicht jedem auf Anhieb klar sein dürfte.

Zur Erinnerung: Die Gesamtprämie setzt sich aus der Sparprämie, der Risikoprämie für den Schutz gegen Tod oder Erwerbsunfähigkeit sowie den Abschlusskosten zusammen. Die Abschlusskosten werden über die ganze Laufzeit verteilt.

«Unser Erfolg ist Ihr Erfolg»

Das zweite Einzigartige am Mobi-Produkt ist die transparente Erfolgsbeteiligung. Bei Vertragsende gibts mindestens 100 Prozent der Sparprämie zurück, hiess es bei der Lancierung Mitte 2015. Wie gesagt, wurde nun diese Mindestgarantie als Folge der negativen Zinsen auf 97 Prozent gesenkt.

Doch wenn nicht alle Stricke reissen, müsste die effektive Rendite über dem garantierten Minimum von 100 oder neu 97 Prozent liegen. Versprochen wird den Kunden eine Rendite, die einen Prozentpunkt unter jener der Mobiliar Leben liegt. Erzielt also die Mobiliar auf ihrem Lebenportefeuille eine Rendite von zum Beispiel 3 Prozent, so gibt es bei Vertragsablauf für den Kunden 102 Prozent der Sparprämie. «Der Kunde befindet sich im gleichen Boot wie wir», sagte Michèle Bergkvist-Rodoni bei der Lancierung des Produktes vor anderthalb Jahren. «Unser Erfolg ist Ihr Erfolg» lautet daher der Slogan. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Police nicht vorzeitig gekündigt wird. Für diese Fälle gibts – wie gesagt – 97 Prozent der Sparprämie.

Doch wenn schon bei Vertragsabschluss davon auszugehen ist, dass man die einbezahlte Sparprämie vorzeitig zurückbezahlt haben will, so ist auch das Mobi-Produkt nicht das Gelbe vom Ei. Da könnte man das Geld ebenso gut auf einem Sparkonto deponieren, solange den Sparern noch keine Strafzinsen aufgebrummt werden. Hier gibts – vorläufig noch – 100 Prozent zurück. Und falls man sich gegen Tod oder Erwerbsunfähigkeit versichern möchte, bieten sich reine Risikoversicherungen ohne Sparteil an. Diese Variante ist noch transparenter als Mobis «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung».

INFOTHEK

Gemischte Versicherung, Sparversicherung, Kapitalversicherung. Drei Begriffe für vergleichbare Produkte. Die Bezeichnung «gemischte Versicherung» bringt es am besten auf den Punkt: Das Produkt vereinbart Sparen mit einer Lebensversicherung, sprich mit einem Versicherungsschutz gegen Tod oder Erwerbsunfähigkeit, oder beides zusammen. Die Prämie, die der Versicherung überwiesen wird, setzt sich aus drei Teilen zusammen: Sparteil, Risikoteil Kostenteil. Nur der Sparteil, die sogenannte Sparprämie, wird angespart. Die Risikoprämie dient zur Abgeltung des Versicherungsschutzes gegen Tod oder Erwerbsunfähigkeit. Der Kostenteil entschädigt den Makler oder den Aussendienst sowie den administrativen Aufwand.
Gemischte Versicherungen kann man mit einer Einmalprämie oder mit periodischen Prämien finanzieren. Im vorliegenden Fall ist lediglich von periodisch finanzierten Vorsorgelösungen die Rede. Diese wiederum gibt es in den Varianten 3a oder 3b.
• Beim Vorsorgesparen 3a kann man die jährliche Prämie bis zu einem bestimmten Höchstbetrag vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen, zahlt dafür beim Bezug des Erlebensfallkapitals eine einmalige Steuer zu einem besonderen Tarif.
• Beim Vorsorgesparen 3b kann man die Prämie steuerlich nicht geltend machen, dafür ist der Bezug des Kapitals bei einer Vertragsdauer von mindestens fünf Jahren steuerfrei. 

NEUE VORSORGELÖSUNG

Auch Allianz Suisse lanciert eine neue Vorsorgelösung. Im Vergleich zur «Sparversicherung mit transparenter Erfolgsbeteiligung» der Mobiliar ist die Allianz-Lösung nicht leicht zu verstehen. Comfort Saving, so der Name, garantiert im Erlebensfall 100 Prozent der Sparprämie. Zudem partizipiert man gemäss Prospekt «an steigenden Zinsen und am Geschäftsergebnis der Allianz Suisse». Wie der Partizipations-mechanismus funktioniert, liest man erst in der Offerte. Massgeblich ist der Kassazinssatz der Nationalbank für zehnjährige Bundesobligationen. Steigt dieser Zinssatz, sind aber höhere Überschüsse trotzdem nicht garantiert: «Allianz Suisse kann jederzeit sämtliche Partizipationserträge, soweit diese noch nicht zugeteilt sind, auf null setzen, selbst wenn der oben erwähnte Kassazinssatz positiv ist», steht in der Offerte.
Hinzu kommt, dass der Zinsüberschuss aus mehreren Komponenten besteht und die Höhe der Überschussbeteiligung nicht nur vom Zinsniveau, sondern ebenfalls vom Risikoverlauf und von der Kostenentwicklung abhängig ist.

 

Neben Comfort Saving lanciert Allianz Suisse auch eine Lösung mit dem Namen Comfort Saving Plus. Hier erhöhen sich gemäss Verkaufsprospekt die Renditechancen, weil 10 Prozent der Sparprämie in einen Anlagebaustein aus 100 Prozent Aktien investiert werden.
Erschienen in der BZ am 10 Januar 2016 

Claude Chatelain