Vierte Säule: Wie Berater mit Studien PR machen

Wer hätte das gedacht: «Die meisten Schweizer möchten am liebsten in der Agglomeration oder am Stadtrand leben. Das Leben im Stadtzentrum finden besonders die Jungen attraktiv, während es viele Ältere aufs Land zieht.» Diese verblüffende Erkenntnis lieferte uns kürzlich die in der Hypothekenund Vorsorgeberatung tätige Moneypark.

Zwei Wochen zuvor veröffentlichte die gleiche Beratungsfirma eine weitere Umfrage. Sie stellte fest, dass in jedem dritten Schweizer Haushalt tierische Mitbewohner leben – auf dem Land sogar deutlich mehr. Die Tierliebe der Schweizer gehe so weit, dass rund ein Viertel von ihnen auf den Bezug einer Wohnung beziehungsweise eines Hauses verzichten würde, wenn dieses für Haustiere ungeeignet sei. Man höre und staune.

 

Nur eine Woche zuvor, am 1. November, wusste uns Moneypark zu erzählen, dass jeder vierte Befragte sein Erspartes abheben würde, sollten negative Zinsen eingeführt werden. Moneypark habe dies «erstmals für die Schweiz untersucht».

 

Es kommt noch besser: Am 12. Oktober enthüllte die Hypothekenberatungsfirma, wie man «erstmals anhand von vier Immobilienkategorien unterschiedliche Käuferprofile identifiziert und untersucht» habe. Der Renditemaximierer sei auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten für das hohe Vermögen, derweil der emotionale Käufer als Individualist nach einem Liebhaberobjekt suche. Darauf wäre ich nie gekommen.

 

Vielleicht, liebe Leser, wussten Sie gar nicht, dass es eine Firma namens Moneypark gibt. Nun wissen Sie es: Ziel erfüllt. Eben erst wurde bekannt, dass die Helvetia-Versicherung 70 Prozent von Moneypark erworben hat. Wir freuen uns auf die kommende bahnbrechende Umfrage. Das Ergebnis könnte zum Beispiel lauten, dass die Ü-20 kein Vertrauen in unsere Vorsorgewerke haben. Das wäre ein gefundenes Fressen für all die Versicherungsverkäufer der Helvetia. Sie könnten hemmungslos jungen Eidgenossen der Generation Y gebundene 3a-Policen schmackhaft machen – mit einer Laufzeit von 40 Jahren.

Erschienen in der BZ am 20. Dezember 2016

Claude Chatelain