Vierte Säule: Wählen Sie die höchste Franchise

Je nach Höhe der Krankheitskosten ist in der obligatorischen Grundversicherung die tiefste Franchise von 300 oder die höchste von 2500 Franken vorteilhaft. Wer heute noch die Franchise reduzieren möchte, hat den Zug verpasst. Dies hätte bis Ende November erledigt sein müssen. Der Wechsel in eine höhere Franchise ist dagegen bis Mitte Dezember möglich

Angenommen, Sie entschlossen sich vor einem Jahr für die höchste Franchise von 2500 Franken. Nun passierte, was sich niemand wünscht: Sie mussten sich im Spital einer kostspieligen Operation unterziehen. Für die hohen Kosten legten Sie schon mal 2500 Franken Franchise auf den Tisch und für jeden Franken, der darüber liegt, nochmals 10 Prozent davon als Selbstbehalt. Der maximale Selbstbehalt beträgt 700 Franken. Wenns hoch kommt, zahlten Sie für Franchise und Selbstbehalt 3200 Franken. Wetten, dass Sie sich darüber ärgern, vor einem Jahr nicht die tiefste Franchise von 300 Franken gewählt zu haben?
Zweites Beispiel: Sie entschlossen sich vor einem Jahr für die tiefste Franchise von 300 Franken. Nun passiert, was sich jeder wünscht: Sie mussten nicht ein einziges Mal zum Arzt. Wetten, dass Sie sich nicht darüber ärgern, vor einem Jahr die höchste Franchise von 2500 Franken gewählt und damit massiv Kosten gespart zu haben? Willkommen auf dem Feld der Verhaltenspsychologie.
Das Problem: Es tut weh, auf einen Schlag Tausende von Franken hinzublättern. Und es tut weniger weh, mit einem Dauerauftrag monatlich zu hohe Prämien zu zahlen.
Wenn wir den Rechner zur Hand nehmen, so zeigt sich Erstaunliches: Über mehrere Jahre wird sich die höchste Franchise lohnen, sofern man kein chronisches Leiden hat.
Nehmen wir als Beispiel das Swica-Produkt «Favorit Medpharm». Mit der 300er-Franchise hätten Sie beim Beispiel mit der teuren Spitalrechnung für Prämien, Franchise und Selbstbehalt nur 632 Franken weniger bezahlt als mit der Franchise von 2500 Franken.
Beim Beispiel zwei mit null Franken Arztkosten hätten Sie mit der höchsten Franchise dagegen 1568 Franken weniger bezahlt als mit der tiefsten. Wenn das kein Argument ist?
Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Arzt wird zu einem Hausbesuch gerufen. An der Haustür sagt ihm die verzweifelte Frau: «Sie sind umsonst gekommen, Herr Doktor.» - «Nicht umsonst, nur vergebens.»
Erschienen in der BZ am 13. Dezember 2016

Claude Chatelain