Vierte Säule: Die UBS findet die Idee von Raiffeisen ein Spiel mit dem Feuer

Dank der sündhaft tiefen Zinsen scheint der Kauf eines Eigenheims auch für kleinere Budgets erschwinglich zu sein. Doch häufig macht der potenzielle Käufer die Rechnung ohne die Bank. Sie überprüft, ob man in der Lage wäre, mit seinem Lohn auch einen Hypothekarzins von 5 Prozent zu verkraften. Sie erstellt dazu eine sogenannte Tragbarkeitsrechnung.

Immobilienexperte Claudio Saputelli warnt vor einer Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes.
Immobilienexperte Claudio Saputelli warnt vor einer Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes.

Die Raiffeisenbanken, bekannt für ihre forsche Praxis bei der Vergabe von Hypotheken, plädieren nun für eine Senkung dieses Tragbarkeitszinses. Sie verweisen auf die langfristig tiefen Zinsen. Ihr offizieller Zins beträgt derzeit für eine zehnjährige Hypothek lediglich 1,53 Prozent. Damit würde der Kreis potenzieller Käufer massiv erweitert. Nicht alle Geldhäuser finden Gefallen an dieser Idee. Laut UBS wäre eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes ein Spiel mit dem Feuer. Für deren Immobilienspezialist Claudio Saputelli ist der kalkulatorische Zins eine rechnerische Sicherheitsgrösse und kein Abbild der momentanen Zinserwartungen. Eine Reduktion auf 3 Prozent würde Spielraum für einen 40-prozentigen Anstieg der Eigenheimpreise bieten, schreibt Saputelli in einer Studie, die gestern veröffentlicht wurde.

 

Der Immobilienexperte der UBS weist zudem darauf hin, dass 8 Prozent der Haushalte nicht in der Lage wären, ihre Hypothekarzinsen zu bezahlen, sollte der Zinssatz um mehr als 2 Prozent steigen. Dies ergab eine vor ein paar Jahren durchgeführte repräsentative Umfrage bei privaten Haushalten.

 

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Immobilienmakler erklärt seinem Kunden bei der Hausbesichtigung: «Ich will Ihnen nichts verheimlichen. Das Haus hat ein paar kleine Nachteile: Im Norden befindet sich eine Mülldeponie, im Osten liegt eine Kläranlage, im Süden gibt es eine Stinktierzucht und im Westen eine Fischfabrik.»

 

Darauf der Käufer: «Oh Gott. Hat das Haus auch Vorteile?»

 

Der Makler: «Sie wissen immer, aus welcher Richtung der Wind kommt.»

 

 

Erschienen in der BZ am 22. November 2016

Claude Chatelain