Was tun mit Fondspolicen?

Wer die fondsgebundene 3a-Police vorzeitig kündigt, kann sich das Ersparte nicht auszahlen lassen. Hier stellt sich die Frage, ob die Fondsanteile sofort oder erst bei Vertragsende verkauft werden.

Was tun, wenn man vor vielen Jahren eine fondsgebundene 3a-Versicherung abgeschlossen hat und diese nun kündigen möchte? Hunderte wenn nicht Tausende von Schweizerinnen und Schweizern stellen sich diese Frage. All jene zum Beispiel, die sich in jüngeren Jahren von den Renditeversprechen blenden und sich zum Abschluss eines solchen Versicherungsvertrages hinreissen liessen. All jene ebenfalls, die sich im Verlauf der Jahre bewusst wurden, dass sie für einen Risikoschutz Geld zahlen, den sie gar nicht oder nicht mehr benötigen.

 

Wegfall des Risikoschutzes

 

Versicherungsberater empfehlen, weiterhin die Prämien einzuzahlen, weil man sonst zu viel Geld verliere. Das ist eine von drei Möglichkeiten, aber kaum die schlauste. Weiterhin Prämien zahlen für einen Versicherungsschutz, den man nicht braucht, ist kaum zu begründen.

 

Die zwei anderen Möglichkeiten heissen Rückkauf und Prämienfreistellung. Hier ist nur von den steuerbegünstigten Sparversicherungen des Typs 3a die Rede. Das Kapital kann frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter bezogen werden, von einigen Ausnahmen abgesehen. Ein Rückkauf würde deshalb bedeuten, dass der Rückkaufswert der Versicherung auf ein Konto 3a einer Bank übertragen werden müsste.

 

Fonds bleiben im Depot

 

Bei der Prämienfreistellung bleibt das Geld bei der Versicherung. Man zahlt keine Prämien mehr. Bei Vertragsende, häufig mit Alter 60 oder 65, wird das Kapital ausbezahlt. Nun möchte man natürlich wissen, ob die Fondsanteile sofort verkauft werden oder im Depot bleiben.

 

Die Antwort von Swiss Life: «Bei der Prämienfreistellung einer fondsgebundenen Versicherung bleibt die Versicherung weiterhin fondsgebunden. Jedoch werden für die Deckung der nicht amortisierten Abschlusskosten Fondsanteile verkauft.» Axa und Helvetia verfahren nach dem gleichen Muster.

 

Fonds werden verkauft

 

Bei der Generali werden die Fondsanteile bei der Prämienfreistellung verkauft und zu einem festen Zins angelegt. Freilich wird nicht der Gegenwert der im Depot befindlichen Fondsanteile verzinst, sondern lediglich der meist tiefere Rückkaufswert. Rein technisch wird eine klassische Einmalprämienversicherung mit einer garantierten Todes- und Erlebensfalldeckung abgeschlossen.

Warum verfährt Generali anders als etwa Swiss Life? «Einer der Gründe liegt in den bei Vertragsabschluss vereinbarten Leistungsgarantien», erklärt Wolfgang Guhl, Verantwortlicher Aktuar der Generali-Personenversicherungen. Mit dem Verkauf der Fondsanteile und der Umwandlung in eine klassische Einmalprämienversicherung könne den Garantien angemessen Rechnung getragen werden.

 

Rückkauf oder Freistellung?

 

Was jetzt, Rückkauf oder Prämienfreistellung? Bei der Generali könnte die Prämienfreistellung interessanter sein, da bei der klassischen Einmalprämienversicherung die Verzinsung höher sein dürfte als auf dem Konto 3a. Aber nur eine Offerte mit den technischen Angaben bringt Licht ins Dunkel der nicht einfach zu verstehenden Lebensversicherungen.

 

Bei Helvetia, Axa oder Swiss Life hängt die Frage von der Entwicklung der Finanzmärkte ab. Je länger die Vertragsdauer, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass der Wert der Fondsanteile bis Vertragsende steigen wird. Niemand weiss, ob dieser finanztheoretische Grundsatz dann auch im individuellen Fall zutrifft.

 

 

 

Konkretes Beispiel

 

Seit vierzehn Jahren überweist F. S. der Generali jährlich 3600 Franken. Mit Erstaunen muss der Mann zur Kenntnis nehmen, dass der Rückkaufswert lediglich 31 000 Franken beträgt. Viel weniger als die 50 400 Franken, die er bisher einbezahlt hatte. Dieser Fall, wie am 21. Juni 2016 in der «Vierten Säule» geschildert, ist nicht aussergewöhnlich. Der Wert des Guthabens ist häufig tiefer als die Summe der einbezahlten Prämien. Das ist nicht zwingend auf eine schlechte Anlageperformance zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass

Sparversicherungen nicht nur aufs Sparen angelegt sind, sondern ebenfalls die Risiken Tod oder Erwerbsunfähigkeit oder beides zusammen versichern. Das kostet. Die Prämie setzt sich somit aus drei Komponenten zusammen: Sparen, Risikoschutz und Verwaltungskosten. Je nach Versicherungsschutz fliessen also nur 60 bis 90 Prozent der einbezahlten Prämien in den Anlagefonds.

 

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2016


Claude Chatelain