Vierte Säule: Warum vor allem die Raiffeisenbanken Strukis verkaufen

Pierin Vincenz hat eine Schwäche für strukturierte Produkte.
Pierin Vincenz hat eine Schwäche für strukturierte Produkte.

Mir ist seit je aufgefallen, dass Raiffeisen-Kunden oft strukturierte Produkte im Wertschriftendepot haben. Mehr als bei anderen Banken. Das sind komplexe Finanzkonstrukte mit hohen und versteckten Gebühren. Mitunter enthalten sie Garantien, die von einer Gegenpartei geleistet werden. Diese kann auch hops gehen. Lehman Brothers steht als Beispiel dafür.

Es gibt Banken, welche solche spekulative «Strukis» nur verkaufen, wenn das vom Kunden ausdrücklich gewünscht wird. Die Berner Kantonalbank gehört dazu. So ist es doch befremdend, dass ausgerechnet die genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbanken, die vorab in ländlichen Gebieten tätig sind und eher ein konservatives Publikum ansprechen, derart undurchsichtige und spekulative Produkte anpreisen.

 

Wer die Hintergründe kennt, wird darüber freilich nicht erstaunt sein. Der Grund lässt sich in zwei Worten umschreiben: Pierin Vincenz.

 

Der 60-jährige Bündner war bis vor einem Jahr der starke Mann bei Raiffeisen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen übernahm er das Schweizer Geschäft der Bank Wegelin und gründete die Privatbank Notenstein. Zudem sitzt Vincenz im Verwaltungsrat der Leonteq. Seit diesem Jahr ist er deren Präsident. An dieser Leonteq ist die Raiffeisengruppe mit 29 Prozent beteiligt. Auch Patrik Gisel, der Nachfolger von Vincenz bei Raiffeisen, sitzt im Verwaltungsrat von Leonteq.

 

Das Geschäftsmodell dieser börsenkotierten Leonteq besteht darin, ebensolche strukturierte Produkte zu kreieren und zu verkaufen. Ein einträgliches Geschäft, das einzig und allein dazu dient, Banken und deren Manager reich zu machen, ohne Bezug zur realen Wirtschaft. Als ob es die Finanzkrise mit dem Kollaps von Lehman Brothers nicht gegeben hätte.

Liebe Raiffeisen-Kunden, fragen Sie mich bitte nicht, weshalb Sie so viele strukturierte Produkte in Ihrem Portefeuille haben.

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2016

Claude Chatelain