Kommentar: Nein zur Privatisierung der Berner Kantonalbank

Ist es Aufgabe eines Kantons, eine Bank zu besitzen? Nein, ist es nicht. Soll deshalb der Kanton Bern seine Mehrheitsbeteiligung an der Berner Kantonalbank (BEKB) verkaufen? Nein, soll er nicht. 

Man erinnert sich: Im Herbst 2012 wurde bekannt, dass führende Köpfe der Berner Kantonalbank und der Valiant Bank Fusionsgespräche führten. Ein Aufschrei ging durch den Kanton. Wer weiss, womöglich wäre dieses Ansinnen des damaligen Valiant-Präsidenten Kurt Streit sogar umgesetzt worden, wenn nicht bald klar geworden wäre, dass der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär der BEKB dazu kaum Hand bieten würde. Ein Aderlass an Personal wäre die Folge gewesen. Und weniger Wettbewerb sowieso. 

 

Man erinnert sich ebenfalls: Im Herbst 2008 musste die UBS durch den Staat gerettet werden. Sie war too big to fail. Die BEKB als konservatives Staatsinstitut profitierte davon. Verängstigte Kunden kehrten der Grossbank den Rücken und suchten Unterschlupf im vermeintlich sicheren Institut. 

 

Bei der BEKB steht nicht der Shareholdervalue, der Aktionärsnutzen, zu oberst im Prioritätenheft. Der Regierungsrat wird es daher im Interesse des Kantons zu verhindern wissen, dass die Bank in risikoträchtige Geschäftsfelder expandiert, nur um Gewinne und Managerboni zu maximieren. So gesehen wirkt die BEKB im Kanton Bern stabilisierend.

 

Nein, es ist nicht Aufgabe eines Kantons, eine Bank zu besitzen. Aber Bern verfügt nun mal über die Aktienmehrheit an einer Bank. Derzeit besteht kein Anlass, daran etwas zu ändern.

 

Erschienen in der BZ am 6. September 2016

Claude Chatelain