Vierte Säule: Soll die AHV-Rente um 70 Franken oder um 10 Prozent steigen?

Heute wollen wir uns mit der ersten Säule beschäftigen, ist doch die AHV momentan auf mehreren Ebenen ein Thema. Da ist die Volksinitiative AHV-Plus, über die wir am 25. September abstimmen. Und da ist die Altersvorsorge 2020, die derzeit von der nationalrätlichen Sozialkommission beraten wird.

Aus diesem Reformpaket greife ich einen Punkt heraus: Die vom Ständerat vorgeschlagene Erhöhung der AHV-Rente um 70 Franken. Diese keineswegs beschlossene 70-fränkige Aufstockung wird häufig mit der 10-prozentigen Erhöhung von AHV-plus durcheinander gebracht.

 

AHV-plus tritt in Kraft, sofern wir am 25. September Ja sagen. Sollte das der Fall sein, müsste das ehrgeizige Reformpaket 2020 von Grund auf neu geschnürt werden.

 

Die Erhöhung der Rente um 70 Franken ist bloss ein Vorschlag des Ständerats. Noch muss der Nationalrat darüber befinden. Wie weit die grosse Kammer an diesem Vorschlag Gefallen findet, hängt sicher auch vom Abstimmungsresultat der AHV-plus-Initiative ab. Wird sie haushoch abgelehnt, können wir die 70 Franken vergessen.

 

Noch ein wichtiger Unterschied: Von der 10-prozentigen Erhöhung laut AHV-plus würden alle Rentnerinnen und Rentner profitieren, auch die heutigen. Hingegen die im Raum stehenden 70 Franken erhielten nur künftige Rentner. Hier stellt sich die Frage, wann das Reformpaket in Kraft träte.

 

Für mich, Jahrgang 1953, könnte es zeitlich eng werden, um von den 70 Franken zu profitieren, zumal sie noch gar nicht beschlossen sind. Die Reform müsste bereits 2018 in Kraft treten. Das wäre sportlich. Gewinnt jedoch die AHV-plus-Initiative am 25. September eine Mehrheit, so könnte ich so oder so profitieren.

 

Die Bürgerlichen sind gegen die Initiative; die Linken sind dafür. Doch vielleicht hat die NZZ Recht. Sie sagte, das Schweizer Volk stimme bei AHV-Vorlagen weder links noch rechts ab, sondern hinten rechts mit dem Portemonnaie.

 

Erschienen in der BZ am 6. September 2016

Claude Chatelain