Vierte Säule: Wie kommt man zu einem kleineren Vermögen?

Ein Vermögensberater muss einer Anlegerin rund 286' 000 Franken Schadenersatz zahlen.
Ein Vermögensberater muss einer Anlegerin rund 286' 000 Franken Schadenersatz zahlen.

Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen? Ganz einfach: Indem man mit einem grossen anfängt. Vielleicht ­haben Sie es auch gelesen: Ein Vermögensberater muss einer Anlegerin rund 286'000 Franken Schadenersatz zahlen. Das Bundesgericht bestätigte damit ein Urteil des Zürcher Obergerichts. Der Mann hatte ein Vermögen von 940'000 anzulegen. In vier Jahren schmolz das Guthaben auf 40' 000 Franken. In dieser Zeit hatte die geschädigte Frau lediglich 85' 000 Franken bezogen. Der Rest versickerte an der Börse.

Alle Achtung. Das muss mal einer dem Mann nachmachen. Er nahm ohne Wissen der Klientin Kredite auf, um mit dem Geld zu spekulieren. Zudem investierte er in strukturierte Produkte. Also in jene komplexen Finanzinstrumente, die keiner versteht. Na bravo.


Ich staune immer wieder, wie viel Vertrauen gewisse Vermögensverwalter geniessen. Eine Freundin zeigte mir kürzlich ihr Depot. Verwaltet wurde es von einem Kollegen einer Kollegin von ihr. In diesem Depot befanden sich drei Obligationen von Credit Suisse, Julius Bär, Swiss Life sowie drei Aktienpakete von Swiss Re, UBS und Zürich-Versicherungen. Alles nur Finanztitel. Bei jedem dieser sechs Positionen war der Einstandspreis über dem Marktwert. Immerhin: Der Verlust hielt sich in Grenzen.


Ganz anders bei der Senslerin Trudi Lauper, die ihre Geschichte den «Freiburger Nachrichten» erzählte. Die Wirtin vom Sternen in Tentlingen vertraute einem Bekannten, der einen Teil ihres Pensionskassengeldes in ein Bungalowprojekt in Haiti investieren sollte und dann abtauchte. Nun wartet sie auf den Verlustschein. «Man darf doch noch Vertrauen in die Menschen haben», sagte sie den FN. «Ich habe zu Hause gelernt, dass man ein gewisses Gottvertrauen haben sollte.»
Schön wärs. Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Sparer fragt seinen Anlageberater: «Ist jetzt wirklich all mein Geld weg?»


«Aber nein, das ist doch nicht weg. Es gehört jetzt nur jemand anderem.»

 

Erschienen in der BZ am 30. August 2016

Claude Chatelain