"Diese Reform muss gelingen"

Asip-Direktor Hanspeter Konrad.
Asip-Direktor Hanspeter Konrad.

Der Pensionskassenverband appelliert an die Politik, bei der Rentenreform Kompromisse einzugehen. Das lässt sich locker sagen. Mit dem geplanten Paket können Pensionskassen gut leben.

Die Pensionskassen hätten eigentlich alles Interesse daran, das Rentenalter auf 67 zu erhöhen und den gesetzlichen Mindestumwandlungssatz stärker zu senken als nur auf 6 Prozent. Doch ihr Berufsverband Asip stellte sich gestern mit aller Deutlichkeit hinter das von Bundesrat Alain Berset geschnürte und vom Ständerat angepasste Reformpaket Altersvorsorge 2020. Und er appelliert an alle politischen Akteure, Kompromisse einzugehen.

 

«Diese Reform muss gelingen», sagte Asip-Direktor Hanspeter Konrad vor den Medien in Bern. Selbstverständlich gibts den einen oder anderen Punkt, den man gerne anders sähe. Der Sozialminister möchte das reglementarisch früheste Pensionierungsalter von heute 58 auf 62 Jahre anheben. Hanspeter Konrad findet das nicht nötig und plädiert dafür, dass der Stiftungsrat das Alter bestimmen könne, ab welchem man den Angestellten die Vorsorgeleistungen in Form einer Rente oder des Kapitals bezahlen könne. Eine Erhöhung auf 60 findet er opportun.

 

Der dritte Beitragszahler fehlt

 

Ein höheres Rentenalter oder ein tieferer Umwandlungssatz könnten die besorgniserregenden Perspektiven für Pensionskassen aufhellen. «Der dritte Beitragszahler ist schwach geworden», stellt der neue Asip-Präsident Jean Rémy Roulet fest. Er meint damit die Finanzmärkte, die es während vieler Jahre erlaubten, grosszügige Renten zu zahlen. Heute werden die Vorsorgeeinrichtungen fast nur noch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen finanziert. Dass der Asip trotzdem die vorliegenden Vorschläge im Wesentlichen unterstützt, kann man mit Realpolitik erklären. «Die Vorlage zielt in die richtige Richtung», so Hanspeter Konrad.

 

Wird der Umwandlungssatz auf 6 Prozent gesenkt, so gibt es auf einem Kapital von 100 000 Franken eine jährliche Rente von 6000 statt wie bisher 6800 Franken. Damit ist jedoch die systemwidrige Quersubventionierung von den aktiv Versicherten zu Rentnerinnen und Rentnern noch nicht aus der Welt geschafft. Versicherungsmathematisch müsste der Umwandlungssatz laut Hanspeter Konrad wegen der höheren Lebenserwartung und der tief gesunkenen Renditen bei 5,5 Prozent liegen. Auch hier plädiert er für politisch realisierbare Lösungen. Das ist in diesem Fall nicht sonderlich schwierig, weil faktisch der Umwandlungssatz schon heute bei vielen Vorsorgeeinrichtungen unter 6 Prozent liegt. Das ist mit dem komplizierten System der obligatorischen und überobligatorischen Leistungen zu erklären. Rund 85 Prozent der Versicherten bekommen Leistungen, die über dem gesetzlichen Minimum, eben dem obligatorischen Teil, liegen. Den Umwandlungssatz auf diesem überobligatorischen Teil kann der Stiftungsrat selber festlegen. Und er hat ihn in vielen Fällen massiv gesenkt.

 

Die Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent werden daher laut Jean Rémy Roulet nur wenige zu spüren bekommen, nämlich jene rund 15 Prozent, die nur im Obligatorium versichert sind und keine überobligatorischen Leistungen haben.

 

Erschienen in der BZ am 17. August 2016


Claude Chatelain