Jobben lohnt sich immer

Arbeitslose sollten während der Stellensuche temporäre Jobs annehmen. Mit dem Zwischenverdienst können sie ihr Einkommen aufbessern. Für weitere Fragen zum RAV oder zur Arbeitslosenversicherung steht morgen die Hotline offen.

IV-Rentner stehen etwa vor der Frage: Wie viel darf ich verdienen, ohne dass die IV meinen Rentenanspruch infrage stellt? Diese Frage stellt sich bei Arbeitslosen nicht. Sie werden nicht «bestraft», wenn sie zu viel verdienen. Im Gegenteil: Es ist für sie immer ein Vorteil, eine Stelle anzunehmen, auch wenn sie nur temporär ist.

 

Unter dem Strich bleibt mehr

 

Selbstverständlich wird Stellensuchenden das Taggeld gekürzt, sobald sie während der Arbeitslosigkeit ein Erwerbseinkommen erzielen. Doch unter dem Strich bleibt mehr, wenn zwischendurch ein Ersatzeinkommen erzielt wird. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Zwischenverdienst plus neues Taggeld ist mehr als altes Taggeld. Wobei die Arbeitslosenversicherung nicht von neuem Taggeld spricht, sondern von Kompensationszahlungen.

 

70 oder 80 Prozent

 

Sollte die arbeitslose Person noch unterstützungspflichtige Kinder unter 25 Jahren haben, beträgt das Taggeld 80 und nicht 70 Prozent vom letzten Gehalt. Selbstverständlich würden die Topverdiener unserer Grossbanken nicht 70 oder 80 Prozent ihres Millionensalärs bekommen: Der maximal versicherte Verdienst beträgt seit Anfang Jahr 148'200 Franken im Jahr, 12'350 Franken im Monat. 80 Prozent davon gibt ein Monatseinkommen von 9880 Franken, brutto. Von diesem Bruttobetrag werden noch die gesetzlichen Sozialabzüge für AHV, berufliche Vorsorge und Nichtbetriebsunfall in Abzug gebracht.

 

Interessant ist nun die Berechnung der Kompensationszahlung. Sie beträgt 70 oder 80 Prozent der Differenz zwischen dem erzielten Zwischenverdienst und dem versicherten Verdienst. Bei einem Bruttolohn von 4000 Franken und einem Zwischenverdienst von 1800 Franken, beträgt die Differenz 2200 Franken, 80 Prozent davon ergeben 1760 Franken.

 

Wichtig zu wissen: Man sollte nur Arbeiten verrichten, welche orts- und branchenüblich entschädigt werden. Sonst geht die Rechnung unter Umständen nicht mehr auf. Die Arbeitslosenkasse wird nicht das tatsächlich erzielte Einkommen anrechnen, sondern die orts- und branchenübliche Entschädigung. Der Grund liegt darin, dass sonst Arbeitgeber indirekt begünstigt würden. Man könnte versucht sein, den Stellensuchenden zu einem Dumpinglohn zu beschäftigen. Ihm entstünde dadurch kein Nachteil, da ihm die Differenz in Form von Kompensationszahlungen zurückerstattet wird. «Es ist nicht Aufgabe der Arbeitslosenversicherung, Lohndumping zu unterstützen», sagt Andreas Liechti, stellvertretender Leiter der Zahlstelle Gümligen.

 

Längere Rahmenfrist 

 

Ein anderer Vorteil des Zwischenverdienstes: Man erwirbt neue Beitragszeiten für eine neue Rahmenfrist. Dies ist für Stellensuchende von Bedeutung, welche Gefahr laufen, innerhalb der vorgegebenen Frist keine neue Anstellung zu finden. Die maximale Bezugsdauer von Taggeldern, eben die Rahmenfrist, beträgt zwei Jahre. Wer nun in den zwei Jahren Arbeitslosigkeit während mindestens zwölf Monaten einer regulären Erwerbstätigkeit nachgeht, erhält nach Ablauf der Rahmenfrist erneut eine zweijährige Rahmenfrist. Auch wer nur ein paar Stunden am Tag arbeitet, bekommt einen ganzen Arbeitstag angerechnet.

 

Erschienen in der BZ am 16. August 2016


Claude Chatelain