Vierte Säule: Aktiv versus passiv oder der Vergleich von Äpfeln mit Birnen

Nur 33 von 4600 Aktienfonds vermochten den Vergleichsindex über fünf Jahre konsequent zu übertreffen. Über die entsprechende Studie berichtete ich am 17. Mai an dieser Stelle. Ein Leser monierte, der Vergleich zwischen der Performance eines aktiv bewirtschafteten Aktienfonds und einem Börsenindex sei ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, weil Aktienfonds häufig allein wegen der Kosten schlechter abschneiden würden. Ein Index enthalte keine Kosten.

Der Leser, möglicherweise ein Banker, hat recht: Das Managen eines Aktienfonds mit gezieltem Über- und Untergewichten von Aktien kostet Geld. Bei aktiv bewirtschafteten Anlagefonds muss das Team Analysen studieren, Unternehmensbilanzen auswerten oder gar Firmen besuchen. Diesen Aufwand zahlt der Kunde mit der Managementgebühr, die je nach Aktienfonds bis zu 2 Prozent betragen kann. Die Gebühr wird dem Fondsvermögen belastet und schmälert somit die Rendite.

 

Erzielt der Fondsmanager vor Abzug der Kosten eine Rendite von 6 Prozent, während der zugrunde liegende Index bloss um 5 Prozent zulegt, so kann man dem Fondsmanager dazu gratulieren. Dem Anleger ist freilich wenig geholfen: Mit einer Managementgebühr von zum Beispiel 2 Prozent liegt die Fondsrendite unter dem Strich bei 4 Prozent. Mit einem passiven Aktienfonds, der mit minimalen Kosten den Index abbildet, wäre man in diesem Fall besser gefahren.

 

Mich interessiert, ob ich mit einem aktiven oder einem passiven Anlagefonds besser fahre. Was besser ist, weiss man erst im Nachhinein. Dank der Studie weiss ich aber im Voraus, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich über 50 Prozent oder sogar bei 90 Prozent liegt, mit einem passiven Fonds eine höhere Rendite nach Kosten zu erzielen als mit einem aktiven.

 

Und wenn wir schon beim Thema sind: Frage an einen Börsenmakler: «Warum geht es Ihnen so gut?» Antwort: «Jeden Tag läuft hier ein Depp vorbei, und den erwisch ich.»

 

Erschienen in der BZ am 2. August 2016

Claude Chatelain