Kommentar: UBS und CS sind wegen ihrer Komplexität kaum kontrollierbar

Die beiden Grossbanken haben diese Woche überraschend gute Quartalszahlen präsentiert. Gut deshalb, weil sie besser ausgefallen sind, als Analysten erwartet haben.

Bei der Credit Suisse überraschte der Gewinn von 170 Millionen Franken, weil sich die Bank in einem grösseren Umbau befindet. Baustellen kosten Geld. Und CEO Tidjane Thiam weist einmal mehr zu Recht darauf hin, dass man nicht erwarten könne, dass eine neue Strategie schon in ein paar Monaten Früchte trägt. Auch bei der UBS, die heute Morgen ihre Zahlen präsentierte, liegt der Quartalsgewinn von gut einer Milliarde Franken über den Erwartungen.

 

Aktionäre und Kommentatoren reagierten unterschiedlich auf die positiven Überraschungen: Während man der UBS attestiert, mit ihrem Kosten-Einsparprogramm auf Kurs zu sein, traut man der CS nach wie vor nicht über den Weg. Oder wie es „Cash“ treffend formulierte: „Für abwägende Analysten ist die UBS weiter kränklich, die CS aber bleibt todkrank“. Die UBS sei auf dem Weg zur schrittweisen Genesung; die Credit Suisse verbleibe auf der Intensivstation.

 

Bei all den Unterschieden, die die beiden Grossbanken aufweisen mögen. Für Investoren und Kommentatoren ist einer der Entscheidende: Das Vertrauen ins Management und in den Verwaltungsrat. Gerade bei Grossbanken ist das Vertrauen von zentraler Bedeutung, weil die ausgewiesenen Geschäftszahlen ungleich schwieriger zu interpretieren sind als etwa bei Industriekonzernen. Man konsultiere mal einen Geschäftsbericht der UBS in der Dicke eines Telefonbuchs und versuche, das Ganze zu verstehen. Die Aufsicht ist nicht zu beneiden.

 

Sergio Ermotti und Axel Weber, der CEO und der Verwaltungsratspräsident der UBS, sind zwar nicht dadurch aufgefallen, sich in der Bonipolitik zu mässigen. Doch gröbere Fehler konnte man ihnen bisher keine unterstellen. Hingegen bei Tidjane Thiam und seinem VR-Präsidenten Urs Rohner ist das Sündenregister länger als dieser Kommentar. Mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, stolperte Thiam von einer Peinlichkeit in die andere. Sein Hauptproblem liegt darin, dass der Mann aus der Elfenbeinküste unrealistische Gewinnprognosen formulierte, an diesen er auch bei der zurückliegenden Präsentation am Mittwoch festhielt.

 

Allein mit dem Prinzip Hoffnung schafft man kein Vertrauen. Und was den Juristen Urs Rohner betrifft, ist nichts beizufügen, was nicht an dieser Stelle schon zu lesen war: Die Credit Suisse hat seit Ausbruch der Finanzkrise miserabel gewirtschaftet und ist eine falsche Strategie gefahren. Dafür verantwortlich ist der Verwaltungsrat, bei dem übrigens nur wenig Banken-Knowhow auszumachen ist. Zudem hat Urs Rohner nunmal nicht das Charisma eines Axel Weber.

 

Wie heisst es so schön: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Dumm nur, dass Bankenkonzerne mit der Komplexität einer UBS oder CS kaum kontrollierbar sind.

 

Erschienen auf BZ-onlilne am 29. Juli 2016

Claude Chatelain